Geschichte von Klimaverschwörungserzählungen

Digitale Selbstlernformate zu Verschwörungserzählungen | Themenmodul 02

Die Entwicklung von Verschwörungserzählungen mit Bezügen zum Klimawandel setzt gesellschaftliches Wissen zum Begriff des Klimawandels selbst voraus. Seit den 1980er Jahren beginnt sich weltweit ein Bewusstsein für die Gefahren des menschengemachten Klimawandels zu entwickeln (vgl. Capstick 2015: 36). In der öffentlichen Debatte ist die Dringlichkeit des Themas zu dieser Zeit aber noch kaum angekommen. Häufig wurde der Klimawandel als Umweltgefahr neben anderen ökologischen Problemen, wie lokaler Luftverschmutzung oder dem Ozonloch, mitgedacht (ebd.: 38). Ab Ende der 1980er Jahre ist der Begriff in gesellschaftlichen und politischen Diskussionen im globalen Norden angekommen, auch wenn es häufig an Faktenwissen sowie einem kritischen Bewusstsein zum Thema fehlt (ebd.: 43). Ab den 1990ern festigt sich die wissenschaftliche Evidenz zum menschengemachten Klimawandel, die mediale Berichterstattung und die (gesellschafts-)politische Aufmerksamkeit steigen (ebd.). Dadurch ist auch die Grundlage für die Entwicklung von Verschwörungserzählungen zum Klimawandel geschaffen.

In den folgenden Jahrzehnten gewinnt das Thema weiter an gesellschaftlicher Relevanz, wodurch auch Verschwörungserzählungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die steigende Präsenz solcher Erzählungen zum Klimawandel hängt mit wachsender Skepsis und gesellschaftlicher Polarisierung seit Mitte der 2000er Jahre zusammen. In diesem Zusammenhang lässt sich auch ein widersprüchlicher Trend beobachten: Während wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit auf die menschliche Verantwortung des Klimawandels deuten, nehmen gesellschaftliche Zweifel in westlichen Ländern zu (ebd.: 45). Besonders in Europa und auf dem nordamerikanischen Kontinent verbreiten sich verstärkt Zweifel am menschlichen Einfluss auf die Erderwärmung. Menschen im globalen Süden, insbesondere in Teilen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, akzeptieren den menschengemachten Klimawandel eher als wissenschaftlichen Fakt (ebd.: 46). Obwohl Menschen und Institutionen in diesen Lebensräumen im Vergleich zu China, den USA, Indien, Europa oder Russland wenig Emissionen verursachen, sind sie am meisten von den Auswirkungen betroffen (Europäisches Parlament 2025).

Verschwörungsdenken geht oftmals auch mit ablehnenden Haltungen gegenüber wissenschaftlichen Institutionen einher (Uscinski et al. 2017: 8). Ein solches Misstrauen kann auf unterschiedliche Weise Ausdruck finden. Grundsätzlich kann man zwischen Klimawandel-Leugner*innen und Anhänger*innen von Verschwörungserzählungen unterscheiden. Im Gegensatz zu Klimawandel-Leugner*innen denken Verschwörungsgläubige, dass Wissenschaftler*innen oder Umweltaktivist*innen Teil eines geheimen Plans seien, der darauf abzielt, staatliche Kontrolle auszuweiten. Leugner*innen gehen dagegen, trotz immenser wissenschaftlicher Evidenz, davon aus, dass der menschengemachte Klimawandel schlicht nicht existiert, verknüpfen diese Falschannahme aber noch nicht zwingend mit dem Glauben an eine Verschwörung. Sie glauben also nicht zwingend, dass eine Gruppe von Personen mit einer bösen Absicht gefälschte Informationen zum Klimawandel teilt, um einen geheimen Vorteil daraus zu gewinnen. Beide Gruppen erzeugen aber Erzählungen, die im weitesten Sinne als Formen von Desinformation oder Misinformation betrachtet werden können (UNDP 2025). Deren Verbreitung hat durch die zunehmende Digitalisierung und die steigende Popularität von Fake News in den letzten Jahren zugenommen. Gleichzeitig zeigen neuere Umfragen, dass die Mehrheit der Menschen weltweit sowohl an die Existenz des Klimawandels als auch an den menschlichen Beitrag dazu glaubt. Die vorhin erwähnten regionalen Unterschiede bestehen jedoch weiter (vgl. Uscinski et al. 2017).