„Das Klima hat sich doch schon immer verändert!“ Über solche oder ähnliche Sätze stolpert man häufig in Gesprächen oder in sozialen Medien. Oft hängen solche Aussagen mit Verschwörungserzählungen zusammen, die gezielt Zweifel am menschengemachten Klimawandel säen. Diese Erzählungen veranschaulichen eindrücklich, welche Folgen Verschiebungen der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit mit sich bringen können. In den letzten Jahrzehnten hat sich der wissenschaftliche Konsens über den menschengemachten Klimawandel stetig verfestigt. Der Weltklimarat (IPCC) schreibt in seinem Synthesebericht von 2023, dass es „eindeutig“ sei, dass menschlicher Einfluss für die Erwärmung von Atmosphäre, Ozeanen und Land verantwortlich ist (IPCC 2023: 4). Gleichzeitig polarisiert sich die öffentliche Meinung immer stärker (Uscinski et al. 2017: 2). Politische Maßnahmen zur Verringerung des Ausmaßes der Klimakatastrophe sind von höchster Priorität. Der Entwurf und die Umsetzung solcher Maßnahmen werden jedoch verzögert oder blockiert durch die Verlagerung der öffentlichen Debatte von wissenschaftlich fundierten Daten und Lösungsansätzen hin zu klimawandelleugnenden Erzählungen. Vor diesem Hintergrund scheint es notwendig zu sein, die Dynamiken und Motive solcher Erzählungen genauer zu untersuchen.
Obwohl Verschwörungserzählungen über den Klimawandel viele Gemeinsamkeiten mit anderen derartigen Erzählungen aufweisen, unterscheiden sie sich auch in einigen Aspekten (Douglas/Sutton 2015: 98). Ein häufig vorkommendes Motiv in allen Verschwörungserzählungen ist etwa die Unterstellung von Macht- und Profitinteressen (ebd.: 100). Den angeblichen Verschwörer*innen wird hierbei mehr Handlungsspielraum zugeschrieben, als sie tatsächlich haben. Für eine fundierte Unterscheidung zwischen Kritik an elitären und vorherrschenden Systemen und dem Glauben an angebliche Verschwörungen soll hier auf die Wissensstation 7 „Verschwörungserzählung oder legitime (Eliten-)Kritik?“ verwiesen werden. Zudem liegt Verschwörungserzählungen oftmals eine Wissenschaftsskepsis oder -feindlichkeit zugrunde. Eine solche lässt sich auch in klimawandelbezogenen Verschwörungserzählungen erkennen, weswegen im Folgenden kurz darauf eingegangen werden soll. Auch hier ist eine Unterscheidung zwischen legitimer Kritik an der Art der westlichen Wissensproduktion und Verschwörungsglauben notwendig. Dieser Thematik ist Wissensstation 6 „Was ist Wissen(-schaft)“ gewidmet.
Klimabezogene Verschwörungserzählungen tragen zur gesellschaftlichen Spaltung bei und stellen eine Herausforderung für demokratische Prozesse und die politische Entscheidungsfindung dar (Douglas/Sutton 2015: 98). Durch digitale Kommunikationskanäle wird eine schnelle Verbreitung ermöglicht, die die Reichweite und Wirkung der Erzählungen noch weiter erhöht (ebd.: 99). Verschwörungserzählungen behindern notwendige Maßnahmen für eine Eindämmung der Krise, indem die Aufmerksamkeit auf Scheinprobleme gelenkt wird. Somit bergen sie nicht nur ökologische, sondern auch demokratiepolitische Risiken und gefährden die Erhaltung des Lebensraums für Menschen und andere Lebewesen.