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11./12./13. März: „Anschluss“ Österreichs 1938

Hitler am Praterstern in Wien, 15. März 1938
Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1972-028-14 (CC-BY-SA)

Am 12. März 1938 überschritten deutsche Einheiten die Grenze zwischen dem national- sozialistischen Deutschen Reich und Österreich. Am 13. März 1938 wurde der „Anschluss“ mit dem „Gesetz über die Wieder- vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ proklamiert, das im Nachhinein durch die von Propaganda und Einschüchterung gekennzeichnete Volks- abstimmung vom 10. April 1938 „legitimiert“ wurde. Die Tage des „Anschlusses“ sind zwar keine offiziellen Gedenktage, aber durch öffentliche Diskussionen und Veranstaltungen präsent. Die Erinnerung an den „Anschluss“ war in den Nachkriegsjahrzehnten höchst umstritten – ein Konflikt, dessen Nachwirken über 70 Jahre später noch immer spürbar ist.

Der „Anschluss“ markiert das Ende der Ersten Republik und damit des eigenständigen Staates Österreich, zugleich löste die nationalsozialistische Herrschaft die austrofaschistische Ständestaatdiktatur ab. In der Nachkriegsdefinition Österreichs als erstes Opfer des Nationalsozialismus spielen die „Anschluss“-Tage eine bedeutende Rolle: Österreich berief sich 1945 auf die erzwungene Absage der Volksabstimmung vom 11. März 1938 und den militärischen Einmarsch deutscher Truppen.

Der militärische Einmarsch wurde jedoch von jubelnden Menschenmassen begrüßt. Die Begeisterung über den „Anschluss“ zeigt sich in den Bildern von Hitlers Rede am Heldenplatz am 15. März 1938, wenngleich diese propagandistischen Zwecken dienten. Zu Kriegsende, am 27. April 1945, berief sich die wiedererrichtete Republik Österreich in der „Unabhängigkeitserklärung“ auf die Moskauer Deklaration von 1943, derzufolge ein unabhängiges Österreich nach dem Sieg über den Nationalsozialismus wiederherzustellen sei. In dieser Deklaration wurde Österreich als das „erste freie Land, das der Hitlerschen Aggression zum Opfer gefallen ist“ bezeichnet. Die Opferthese bestimmte in den Nachkriegsjahrzehnten die offizielle Haltung, dass Österreich mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun habe. Diskussionen um die Beteiligung von ÖsterreicherInnen an den Verbrechen des Nationalsozialismus und am Holocaust wurden damit ausgeklammert.

Erst in Folge der Waldheimdebatte 1986 setzte eine kontroverse Diskussion um die Opferthese ein. Die 50-jährige Wiederkehr des „Anschlusses“ 1988 eröffnete den Rahmen für die intensive Auseinandersetzung mit dem Jahr 1938 und dem Nationalsozialismus. Dabei wurden auch die Schulen durch die Herausgabe von Unterrichtsmaterialien einbezogen. Die wissenschaftlichen und öffentlichen Debatten zur Mitverantwortung Österreichs an den Verbrechen des Nationalsozialismus haben mittlerweile zu einer weitgehenden Überwindung des Opfermythos geführt – mit Ausnahmen: Noch 2008 bemerkte Otto Habsburg bei einer ÖVP-Veranstaltung zum „Anschluss“-Gedenken, dass es keinen Staat in Europa gibt, der mehr Recht habe, sich als Opfer zu bezeichnen.

Der Konflikt um die Haltung zum „Anschluss“ bezog auch den austrofaschistischen Ständestaat mit ein und wurde bis zuletzt entlang von Parteilinien ausgetragen. Während der „Ständestaat“ aus der einen Perspektive als Versuch zur Abwehr des Nationalsozialismus gesehen wird, vertritt die Gegenperspektive die gegenteilige Ansicht: erst die Ausschaltung der Demokratie 1933 und die Niederschlagung des sozialdemokratischen Februaraufstands 1934 haben die Voraussetzungen für den „Anschluss“ geschaffen. Diese Auseinandersetzung dauert bis heute an. Erst im Jahr 2012 erfolgte die Aufhebung von zwischen März 1933 und März 1938 gefällten Urteilen und die Rehabilitierung der Justizopfer des Austrofaschismus.

Auch wenn der 11./12./13. März keine offiziellen Gedenktage sind, begehen zahlreiche Initiativen und Organisationen das Datum mit Gedenkveranstaltungen; die mediale Präsenz liegt aber abgesehen von den runden Jahrestagen weit hinter jener anderer Gedenktage.

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