Beim Versuch zu verstehen, warum Menschen den Klimawandel leugnen und warum damit verbundene Verschwörungserzählungen aktuell auf große Resonanz stoßen, spielen mehrere Faktoren eine zentrale Rolle. Dabei lassen sich allgemeine Ursachen des Verschwörungsglaubens von spezifischen Faktoren unterscheiden, die im Kontext der Klimakrise besonders relevant sind. Eine allgemeine Antwort darauf, warum Menschen überhaupt an Verschwörungserzählungen glauben und wie man im Alltag damit umgehen kann, liefert Wissensstation 5 „Wie gehe ich mit Verschwörungserzählungen in meinem Umfeld um?“. Im Folgenden wird auf die Faktoren eingegangen, die speziell für klimaskeptische und klimabezogene Erzählungen bedeutsam sind.
Wesentlich dafür, dass Menschen wissenschaftliche Fakten ablehnen, scheint die Angst vor den realen Konsequenzen der Klimakrise zu sein. Besonders die Vorstellung eines menschlichen Beitrags zur Erderwärmung ruft Abwehrreaktionen hervor, da sie Schuldzuweisungen impliziert und eine Veränderung des eigenen Verhaltens erfordern würde. In diesem Zusammenhang scheint die Motivation vieler Verschwörungsgläubiger in dem Wunsch zu liegen, bedrohliche Folgen des Klimawandels zu verleugnen oder zumindest zu relativieren (Douglas/Sutton 2015: 98). Dieses Verhalten lässt sich dadurch erklären, dass Menschen an eine sichere und gerechte Welt glauben möchten. Der menschengemachte Klimawandel widerspricht diesem Wunsch allerdings. Verschwörungserzählungen können hier einfache Erklärungen liefern und ein Gefühl von Kontrolle vermitteln. Viele halten außerdem an dem Eindruck der eigenen moralischen Überlegenheit und Stärke fest und versuchen so, sich eine für sie selbst erstrebenswerte Zukunft auszumalen, in der sie von den Folgen der Erderwärmung nicht bis kaum betroffen sind. Ein solches Szenario erscheint aber äußerst unwahrscheinlich zu sein (vgl. ebd.: 101). Der Glaube an Klimaverschwörungserzählungen entsteht also oft aus Angst, Schuldgefühlen und dem Wunsch, sich nicht verändern zu müssen.
Neben individuellen Abwehrmechanismen scheinen auch gesellschaftliche Rollenbilder, wie etwa vorherrschende Geschlechterrollen, relevant zu sein. Ein in diesem Zusammenhang wichtiges Konzept ist jenes der sogenannten Petromaskulinität. Dieser Begriff beschreibt ein Männlichkeitsbild, das sich über Kontrolle, Unabhängigkeit, Autos, fossile Energie und Stärke definiert. Klimaschutz erscheint in diesem Weltbild als Bedrohung: Er verlangt Verzicht, Rücksichtnahme und den Willen zur Veränderung. Diese Eigenschaften werden oft als Schwäche umgedeutet. Besonders bei Männern, aber auch bei Frauen und nichtbinären Personen, die sich diesen vorherrschenden Rollenbildern unterordnen möchten, kann das zu einer starken Ablehnung von Klimaschutz führen (vgl. Daggett 2018). In Wissensstation 7 „Verschwörungserzählung oder legitime (Eliten-)Kritik?“ wird näher auf die Wechselwirkungen zwischen Geschlechterrollen und Verschwörungsglauben eingegangen.
Gerade in Bezug auf Klimaverschwörungserzählungen scheint auch eine grundlegende Wissenschaftsskepsis von großer Relevanz zu sein. Diese ist so grundlegend, dass sie im nächsten Unterkapitel näher thematisiert wird.