In Krisenzeiten suchen viele Menschen nach Orientierung. Nicht selten stößt man dabei auf Verschwörungserzählungen. Diese können harmlos wirken, sind aber häufig gefährlich: Sie greifen demokratische Werte und gesellschaftlich benachteiligte Gruppen an und münden oft in mehr Verunsicherung als Orientierung.
Das Demokratiezentrum Wien bietet mit einem Projekt im virtuellen Wissenszentrum eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Phänomen Verschwörungserzählungen. Ziel ist es, Erwachsenen einen einfachen und gut zugänglichen Einstieg in dieses komplexe Thema zu ermöglichen, und das kostenfrei, zeitlich flexibel und ohne spezielle Vorkenntnisse. Ganz unten findet sich eine Erläuterung, welche Formate sich besonders gut für Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen eignen.
Selbstlernformate
Zwei vertiefende Module ermöglichen eine umfassende Auseinandersetzung mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten. In Themenmodul 01 Grundnarrative von Verschwörungserzählungen wird darauf eingegangen, an welche grundlegenden Strukturen solche Erzählungen anknüpfen und somit unsere Gesellschaft weiter polarisieren. Themenmodul 02 „Klimaveränderungen gab’s doch immer schon?“ Verschwörungserzählungen und Klimawandel beleuchtet verschiedene Erzählungen, die versuchen, den Klimawandel zu leugnen oder zu verharmlosen. Zum einen wird dabei auf die historischen sowie die aktuellen Entwicklungen und zum anderen auf die aus diesem Kontext resultierenden Diskursverschiebungen eingegangen.
Im Zuge des Projekts haben wir unser digitales Lexikon um acht weitere Einträge ergänzt. Dabei handelt es sich um kurze und prägnante Erklärungen zu diesen Begriffen: Desinformation, Global Warming Conspiracy Theory, Great Replacement Theory, Fake News, Misinformation, Neue Rechte, QAnon und eine Begriffsdifferenzierung zu Verschwörungserzählung/-theorie/-mythos.
Ergänzend zu Themenmodul 01 stellen wir eine interaktive Timeline zu Verfügung, die sich mit der Entwicklung von Verschwörungserzählungen im 21. Jahrhundert auseinandersetzt. Hier wird verdeutlicht, auf welche Diskriminierungsformen sich solche Erzählungen stützen und mit welchen Krisen die Entstehung gewisser Verschwörungsmythen verbunden ist.
Ein Kernstück dieses Projekt bilden neun digitale Wissensstationen:
In Wissensstation 01 „Wie kann ich mich gegen Verschwörungserzählungen schützen?“ werden Methoden wie Prebunking und Debunking vorgestellt. In einem kurzen Serious Game lernen Nutzer*innen die Grundbausteine solcher Erzählungen kennen, bauen auf deren Basis eine eigene Verschwörungserzählung und zerlegen diese durch die neu erlernten Methoden wieder.
Wissensstation 02 „Wer verbreitet und profitiert von Verschwörungserzählungen?“ nimmt die wirtschaftlichen und politischen Interessen hinter solchen Erzählungen in den Blick. In einem Podcast wird anhand von Forschungsergebnissen der Bundesstelle für Sektenfragen gezeigt, wie Verschwörungserzählungen über Plattformen wie Telegram verbreitet und wie damit Geld verdient oder politische Vorteile erzielt werden.
In Wissensstation 03 „Welche Risiken bergen Verschwörungserzählungen?“ erklärt Florian Zeller vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes in einem Video, warum solche Erzählungen demokratiegefährdend sein können.
In Wissensstation 04 „Wie erkenne ich Verschwörungserzählungen?“ zeigt eine Grafik in leicht verständlicher Sprache die typischen Merkmale solcher Erzählungen auf. Nutzer*innen bekommen so einen Überblick, woran sie eine Verschwörungserzählung als solche erkennen können. Anhand von klimaverschwörungserzählerischen Aussagen werden die Merkmale in einen konkreten Kontext gesetzt. Somit ist diese Station auch eine Ergänzung zu Themenmodul 02.
In Wissensstation 05 „Wie gehe ich mit Verschwörungserzählungen in meinem Umfeld um?“ gibt ein Podcast mit Ulrike Schiesser hilfreiche Empfehlungen für den Umgang mit verschwörungsgläubigen Personen im eigenen Umfeld. Zusätzlich informiert ein Factsheet über Hilfestellungen und Anlaufstellen in Österreich.
Wissensstation 06 „Was ist Wissen(-schaft)?“ erklärt mit einer interaktiven Grafik, wie wissenschaftlich fundiertes Wissen entsteht; also wie geforscht wird und wie Fachleute sicherstellen, dass die Ergebnisse verlässlich sind. Gleichzeitig wird auch gezeigt, dass es berechtigte Kritik an dieser Form der westlichen Wissensproduktion gibt, zum Beispiel aus postkolonialer oder queerfeministischer Sicht. Diese kritischen Perspektiven werden vorgestellt, ohne sie mit der ablehnenden Haltung von Verschwörungserzählungen gegenüber Wissenschaft zu vermischen. So wird klar unterschieden zwischen fundierter Kritik und demokratiegefährdender Wissenschaftsskepsis.
Wissensstation 07 „Verschwörungserzählung oder legitime (Eliten-)Kritik?“ widmet sich der wichtigen Frage, wie man zwischen berechtigter Kritik und verschwörungsideologischer Argumentation unterscheidet. Ein Video erklärt, wo die Grenzen verlaufen und warum diese Unterscheidung so entscheidend ist.
In Wissensstation 08 „Zwischen Meinungsfreiheit, Wahrheit und alternativen Fakten“ spricht Martin Wassermair von Reporter ohne Grenzen in einem Video-Interview über den Umgang mit Desinformation. Dabei wird erklärt, warum Meinungsfreiheit wichtig ist, aber auch, warum Fakten überprüfbar bleiben müssen.
Wissensstation 09 „Welche Verschwörungserzählungen gibt es in Österreich?“ gibt einen Überblick über bekannte Verschwörungserzählungen im österreichischen Kontext. In einem Podcast berichten Ulrike Schiesser und Felix Lippe von der Bundesstelle für Sektenfragen, wie sich solche Erzählungen verbreiten und welchen Mustern sie folgen.
Wissensstation 04 ist geeignet für Menschen, die auf besonders leicht verständliche Sprache angewiesen sind. Unsere Website ist zwar nicht auf Menschen mit Sehbehinderung ausgelegt. Mit Unterstützung eignen sich jedoch die Wissensstationen 02, 03, 05, 07, 08 und 09 aufgrund der auditiv aufbereiteten Inhalte. Für Menschen mit Höreinschränkung sind alle Formate geeignet, da wir sowohl für die Podcasts als auch für die Video-Beiträge begleitende Skripte erstellt haben, in denen der Inhalt übersichtlich aufbereitet und mit Quellen belegt nachgelesen werden kann.
2025
- Bundesstelle für Sektenfragen
- Reporter ohne Grenzen
- Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
- Peter Janisch (Musik)
