Grundlegend für eine demokratische Gesellschaft ist die Anerkennung der politischen Gleichheit und der Gleichwertigkeit aller Menschen. Insofern lassen sich Ungleichwertigkeitsideologien grundsätzlich als Gefahr für die Demokratie begreifen. Angesichts offenkundig bestehender sozialer Ungleichheiten innerhalb der Gesellschaft, die keineswegs zufällig verteilt sind, sondern entlang konstruierter Gruppen etwa zwischen People of Color und Weißen oder zwischen Frauen und Männern verlaufen, dienen Ideologien der Ungleichwertigkeit „den Interessen des jeweils überlegenen Teils der Gesellschaft und haben die Funktion, soziale Hierarchien herzustellen, zu legitimieren, durchzusetzen und aufrechtzuerhalten“ (Küpper 2016: 25). „Die Ideologie der Ungleichwertigkeit stellt die prinzipielle Gleichwertigkeit von Gruppen oder Menschen, die Mitglieder von Gruppen sind, infrage“ (Groß et al. 2012: 12). Dabei gehen Ideologien der Ungleichwertigkeit von einer qualitativen Andersartigkeit konstruierter Gruppen aus, die meist auf unveränderlichen Merkmalen basieren und dazu dienen, undurchlässige Statushierarchien zu formen und zu verstetigen.
(Autor: Michael Nagel)
Quellen: Groß, Eva/Zick, Andreas/Krause, Daniela (2012): Von der Ungleichwertigkeit zur Ungleichheit: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. In: APuZ 16–17, S. 11–18; Küpper, Beate (2016): Ideologien der Ungleichwertigkeit und das Syndrom „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“. In: Ideologien der Ungleichwertigkeit, Schriften zur Demokratie, Hg. Heinrich-Böll-Stiftung, S. 21–35. Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung.