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Frauenrecht - Rechtspolitische Maßnahmen in Hinblick auf Frauen

1885
In der zweiten Gewerbenovelle wurde zum ersten Mal ein vierwöchiges Arbeitsverbot für Wöchnerinnen in der Industrie erlassen, allerdings mit Lohnentgang. Es dürfte daher von den Arbeiterinnen kaum eingehalten worden sein.

1888
Das Krankenversicherungsgesetz gesteht versicherten Arbeitnehmerinnen für die Zeit ihrer Wöchnerinnen-Schutzfrist ein Entgelt in der Höhe von 60 bis 75% des ortsüblichen Lohnes zu. Ausgenommen von diesen Bestimmungen sind alle nicht obligatorisch pflichtversicherten erwerbstätigen Frauen, sodass insgesamt nur 12% aller beschäftigten Frauen bezugsberechtigt sind.

1917
Durch kaiserliche Verordnung wird das Beschäftigungsverbot für Wöchnerinnen auf sechs Wochen ausgedehnt. Den Krankenkassen wird gestattet, auch vor der Entbindung bis zu einem Höchstausmaß von 4 Wochen ein "Krankengeld" zu gewähren. Das bedeutet erstmals auch einen möglichen Schutz der schwangeren Frau. Das Motiv ist, Frauen verstärkt in die kriegsnotwendige Produktion einzubeziehen und zugleich negative bevölkerungspolitische Auswirkungen zu vermeiden.

1921-1927
Im Zuge der Reform der Sozialversicherung werden für die verschiedenen Berufsgruppen sehr unterschiedliche Mutterschutzbestimmungen erlassen. Die umfassenden Regelungen - sechswöchiger Schwangeren- und Wöchnerinnenschutz mit Krankengeld bei Arbeitsenthaltung - gelten nur für jene Bereiche, die einen stärken Zustrom an weiblichen Arbeitskräften verzeichnen.

1940
Das nationalsozialistische Österreich ("Ostmark") übernimmt die in Deutschland seit 1927 geltenden Schwangeren- und Mutterschutzbestimmungen. Erstmals gilt eine allgemeine sechswöchige Schutzfrist vor und nach der Geburt, unter Gewährung eines Wochengeldes.

1942
Das NS-Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mütter sichert für die sechswöchige Schutzfrist vor und nach der Geburt den vollen Lohnausgleich, Kündigungsschutz während der Schwangerschaft und vier Monate nach der Geburt sowie tägliche Stillpausen von zwei mal einer halben Stunde oder ein mal einer ganzen Stunde zu. Diese Maßnahmen sind im Zusammenhang mit dem verstärktem Bedarf der Kriegswirtschaft an weiblichen Arbeitskräften zu sehen. Die NS-Bestimmungen sind zudem rassistisch angelegt, galten sie doch nur für Frauen der "arischen Volksgemeinschaft". Jüdische Frauen, Fremdarbeiterinnen usw. waren ausgenommen.

1949
Justizminister Tschadek setzt eine Kommission zur Vorbereitung einer Reform des Familienrechts ein, die Kommission arbeitet bis 1951 "Richtlinien für eine gesetzliche Neuordnung des Familienrechts" aus (von der Koalition nicht zu Eigen gemacht).

1950
Kinderbeihilfen werden ausbezahlt. Einmalige Zahlung aus Anlass der Geburt.

1954
Kinderbeihilfen werden nach der Kinderanzahl ausbezahlt.

1954
Das Familienlastenausgleichsgesetz wird eingeführt.

1957
Ein neues Mutterschutzgesetz wird erlassen. Es verbietet Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit sowie bestimmte gesundheitsgefährdende Arbeiten für Schwangere und Mütter Neugeborener. Vor der vermutlichen Niederkunft und nach dieser besteht ein absolutes Beschäftigungsverbot von sechs Wochen, ab 1. April 1974 sind es acht Wochen.

1957
Ein unbezahlter halbjähriger Karenzurlaub wird eingeführt.

1961
Einführung des Karenzurlaubs. Er kann von jeder Mutter vom Ende der Schutzfrist bis zum ersten Lebensjahr des Kindes in Anspruch genommen werden, wobei das Recht auf den Arbeitsplatz gewährleistet bleibt. Unter bestimmten Voraussetzungen erhält die Mutter als Ersatz für den entgangenen Verdienst eine finanzielle Beihilfe (Karenzurlaubsgeld) aus der Arbeitslosenversicherung.

1962
Justizminister Christian Broda (SPÖ) legt einen Reformvorschlag für den Abtreibungsparagraphen 144 vor, der Straferleichterung bei Abtreibung vorsieht: 1 Jahr Gefängnis, die strafbefreiende medizinische Indikation wird aber sehr weit gefasst.

1963
Das Karenzgeld wird in Abhängigkeit vom Einkommen geregelt.

1970
Unter der SPÖ-Minderheitsregierung kommt es zur schrittweisen Einleitung einer in den folgenden Jahrzehnten durchgeführten Familienrechtsreform. Am Beginn steht die rechtliche Neuordnung des unehelichen mit dem ehelichen Kind.

1971
Als erster Schritt der pensionsrechtlichen Absicherung für Zeiten der Kindererziehung wird die Zeit des Karenzurlaubes als Ersatzzeit in die Pensionsversicherung eingeführt.

1971
Die SPÖ betreibt eine umfassende Strafrechtsreform. ÖVP und FPÖ sind dagegen. Das Komitee zur Abschaffung des §144 wird gegründet, die ersten Frauen-Demos unter dem Motto "Mein Bauch gehört mir" finden statt. Die AbtreibungsgegnerInnen formieren sich in der "Aktion Leben".

1972
Einführung der Heiratsbeihilfe in der Höhe von 15.000 ATS.

1972
Der Villacher SPÖ-Parteitag beschließt die Fristenlösung. Justizminister Christian Broda (SPÖ) arbeitet sie in die "Große Strafrechtsreform" ein. Es folgen Konflikte mit der Kirche, deren liberaler Flügel zum Kompromiss einer "erweiterten Indikationslösung" tendiert.

1973
Die ersten zwölf Monate nach der Geburt eines Kindes gelten grundsätzlich als Ersatzzeit für Pensionen.

1974
Im Rahmen der Strafrechtsreform wird die Fristenlösung vom Parlament beschlossen. Zwar hatte der ÖVP-dominierte Bundesrat die Fristenlösung zurückgewiesen, doch der Nationalrat fasst mit der Mehrheit von SPÖ-Stimmen einen Beharrungsbeschluss. Erst 1975 wird die Bestimmung über die Fristenlösung gesetzlich verwirklicht.

1974
Einführung des Mutter-Kind-Passes und der erhöhten Geburtenbeihilfe, wenn Untersuchungen nach dem Pass nachgewiesen werden können. Als wichtiger Nebenaspekt dieser Untersuchungen können Krankheiten und Behinderungen frühzeitig erkannt werden.

1974
Verlängerung der Schutzfrist nach dem Mutterschutzgesetz (absolutes Beschäftigungsverbot vor und nach der Entbindung bei Weiterzahlung des Netto-Lohnes) von 12 auf 16 Wochen.

1974
Erhöhung des Karenzgeldes und Vereinheitlichung desselben. Bis dato war das Einkommen des Ehemannes anzurechnen. Dynamisierung mit dem Anpassungsfaktor nach dem ASVG.
Erleichterung der Anspruchsvoraussetzungen für Frauen unter 20 Jahren - nur 20 Wochen Versicherungszeit nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz. Damit wird der Anspruch des Karenzgeldes für alle Frauen auf eine gleiche Basis gestellt.

1974
Alleinstehende Mütter erhalten ein erhöhtes Karenzurlaubsgeld und können anschließend bis zum dritten Lebensjahr des Kindes Sondernotstandshilfe beziehen, wenn sie ihre Berufstätigkeit nicht wieder aufnehmen können, weil keine Betreuungsmöglichkeit für das Kind besteht. Auch verheiratete Mütter, deren Ehegatten kein oder nur geringes Einkommen beziehen und erwiesenermaßen für das Kind nicht sorgen können, erhalten das erhöhte Karenzgeld.

1974
Einrichtung der ersten Familienberatungsstellen. Diese sollen Rat und Hilfe bei allen Fragen des Familienlebens aber auch Empfängnisverhütung geben.

1975
Die Geburtenbeihilfe wird vervierfacht und in zwei Raten ausgezahlt, wenn die Untersuchungen nach dem Mutter-Kind-Pass während der Schwangerschaft und der ersten Lebensmonate des Kindes nachgewiesen werden.

1975
Vereinheitlichung des Kinderabsetzbetrages pro Kind und Jahr.

1975
Jede Mutter erhält nach der Geburt 8.000 ATS, nach Vollendung des ersten Lebensjahres des Kindes weitere 8000 ATS.

1975
Der § 144 wird abgeschafft, die Abtreibung in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft (Fristenlösung) wird legalisiert. Ein Volksbegehren der "Aktion Leben", das von 900.000 Personen unterschrieben wird, bleibt unberücksichtigt.

1975
Beschlussfassung des ersten Teils der Familienrechtsreform. Die Frau ist dem Mann gegenüber vor dem Gesetz gleichberechtigt.

1976
Ausweitung des Anspruches auf Karenzurlaub und Karenzurlaubsgeld auf Adoptivmütter und - unter bestimmten Voraussetzungen - auch auf Pflegemütter.

1976
Einführung des Unterhaltsvorschussgesetzes, das Unterhalt für jene Kinder vorsieht, deren Väter sich den Zahlungen entziehen. Die Vorschüsse werden - aus den Mitteln des Familienlastenausgleichsfonds - von den Jugendämtern und Jugendgerichten bei den Verpflichteten wieder eingetrieben.

1976
Einführung einer sechstätigen Pflegefreistellung.

1976
Neuordnung der persönlichen Rechtswirkung der Ehe. Der Mann ist nicht länger das Haupt der Familie, sondern Ehepartner haben gleiche Rechte und Pflichten. Abgeschafft wird auch die Folgepflicht der Frau, was die gemeinsame Wohnung betrifft.
Zudem tragen beide Ehepartner durch Berufstätigkeit oder Haushaltsarbeit zum gemeinsamen Unterhalt bei.

1977
Die erste Namenrechtsreform tritt in Kraft. Frauen können nunmehr ihren eigenen Namen dem Ehenamen beifügen bzw. kann der Name der Frau als gemeinsamer Familienname bestimmt werden.

1978
Umwandlung des Kinderabsetzbetrages im Einkommenssteuerrecht in die direkte Familienbeihilfe. Diese wird damit erhöht und es erhalten erstmalig auch jene Familien Kinderbeihilfe, die vorher den Steuerabsetzbetrag nicht ausnutzen konnten.

1978
Reform des Scheidungsrechtes.

1978
Neuregelung des Kindschaftsrechtes. Die "väterliche Gewalt" über die Kinder wird beseitigt. Väter und Mütter haben nunmehr gleiche Rechte und Pflichten gegenüber den Kindern. Die "Vertretung des Kindes nach außen" wird neu geregelt.

1978
Das erste Frauenhaus in Wien wird gegründet.

1980
Erweiterung des Geltungsbereiches des Unterhaltsvorschussgesetzes für Kinder, bei denen das Vaterschaftsfeststellungsverfahren noch läuft sowie bei zu geringen Unterhaltstiteln und bei Kindern von Inhaftierten.

1981
Aufhebung der Mehrkinderstaffel bei der Familienbeihilfe, stattdessen Einführung einer Altersstaffelung für Kinder über 10 Jahre.

1982
Der österreichische Bundespräsident ratifiziert die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau. Das bedeutet zwar kein unmittelbar durchsetzbares Recht für Frauen in Österreich, verpflichtet aber den Gesetzgeber und die Verwaltung, Maßnahmen zur Durchsetzung der Gleichbehandlung der Frauen zu treffen.

1982
Einbezug der Bäuerinnen und Selbstständigen in die staatlichen Mutterschutzleistungen.

1982
Einführung der Familienbeihilfe auch für jene Kinder, bei denen der unterhaltspflichtige Ehepartner keine Einkünfte erzielt.

1982
Ausweitung des Anspruches auf Alleinverdienerabsetzbetrag auf allein stehende Elternteile, die mit minderjährigen Kindern im gemeinsamen Haushalt leben und für sich selbst keine oder nur geringfügige Unterhaltsleistungen erhalten bzw. geringfügig Einkünfte beziehen.

1982
Ausweitung des Mutter-Kind-Passes um eine dritte Rate bei Vollendung des zweiten Lebensjahres des Kindes - gegen weitere Untersuchungen nach dem Mutter-Kind-Pass.

1983
Eine Novelle zum Staatsbürgerschaftsgesetz tritt in Kraft. Von nun an können auch Mütter die Staatsbürgerschaft an die Kinder weitergeben.

1983
Das Staatssekretariat für Frauenfragen nimmt sich der Organisation, des Erfahrungsaustausches und der Weiterbildung von Mitarbeiterinnen in österreichischen Frauenhäusern an, obwohl dies Ländersache ist.

1983
Durch eine Novelle zum Ehegesetz wird das "Heiratsverbot" für geschiedene Frauen aufgehoben. Bis dahin musste eine Frau nach der Scheidung zehn Monate bis zur Wiederverehelichung warten bzw. mittels eines ärztlichen Gutachtens nachweisen, dass sie nicht schwanger ist.

1984
Neuerliche Ausweitung der Geburtenbeihilfe bei Vollendung des vierten Lebensjahres des Kindes gegen weitere Untersuchungen nach dem Mutter-Kind-Pass.

1984
Einführung eines so genannten Familienhärteausgleichs. Aus den dafür zur Verfügung stehenden Mitteln kann Familien in besonderen Notsituationen geholfen werden.

1985
Weitere Verbesserungen in der pensionsrechtlichen Abgeltung für Zeiten der Kindererziehung durch die Einführung eines Zuschlages von 3 % der Bemessungsgrundlage.

1985
Eine Novelle des Gleichbehandlungsgesetzs tritt in Kraft, die eine Erweiterung des Diskriminierungsverbotes gegenüber Frauen über das Entgelt hinaus auf freiwillige Sozialleistungen sowie auf betriebliche Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen vorsieht. Geschlechtsspezifische Stellenausschreibungen werden verboten.

1986
Für AlleinverdienerInnen mit Kindern wird ein Zuschlag zum Alleinverdienerabsetzbetrag von 600 ATS pro Kind eingeführt.

1988
Erhöhung des Kinderzuschlags zum Alleinverdienerabsetzbetrag auf 1.500 ATS pro Kind und Jahr. Wer zu wenig verdient, bekommt diese Summe bar ausbezahlt. Die Freigrenze für geringfügiges Einkommen wird erhöht.

1989
Im Strafrecht wird der Tatbestand der Vergewaltigung neu geregelt. Von nun an dürfen vor Gericht keine Fragen über das Vorleben der vergewaltigten Frau gestellt werden und kann diese während des Verfahrens eine Person ihres Vertrauens beiziehen. Sie hat das Recht, den Ausschluss der Öffentlichkeit von der Hauptverhandlung zu verlangen.

1989
Vergewaltigung in der Ehe wird unter Strafe gestellt.
Der gewalttätige Ehemann darf der Wohnung verwiesen werden - unabhängig davon, ob ein Scheidungsverfahren läuft.

1989
Reform des Jugendwohlfahrtsrechts. Die Stellung der Mutter eines unehelichen Kindes wird wesentlich verbessert.
Uneheliche Kinder werden hinsichtlich ihres Erbrechts den ehelichen gleichgestellt.

1990
Einführung des Elternkarenzurlaubs. Die Eltern können wählen, wer von ihnen den Karenzurlaub in Anspruch nimmt und Karenzurlaubsgeld bezieht. Für den einen Karenzurlaub nehmenden Vater gelten die gleichen arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen, wie sie bisher für die Mutter gegolten haben.

1990
Ausweitung des Karenzurlaubs und des Anspruchs auf Karenzurlaubsgeld auf zwei Jahre. Anstelle des zweiten Karenzurlaubsjahres ist auch eine Teilzeitregelung für beide Elternteile im zweiten Lebensjahr des Kindes oder Teilzeitregelung für einen Elternteil im zweiten und dritten Lebensjahr möglich. Teilzeitbeihilfe bis zum Höchstausmaß des halben Karenzurlaubsgeldes.

1990
Das zweite Karenzjahr zählt auch als Ersatzzeit für die Pension.

1991
Zuschuss zur Geburtenbeihilfe an jenen Elternteil, der das Kind vorwiegend betreut.

1992
Einführung einer weiteren Altersstaffel der Familienbeihilfe. Für Kinder über 19 Jahre werden 300 ATS mehr gewährleistet. Gegen einen Studiennachweis kann das Geld bis zum 27. Lebensjahr bezogen werden.

1993
Infolge einer verfassungsgerichtlichen Entscheidung wird wieder ein Kinderabsetzbetrag eingeführt, der gemeinsam mit der Familienbeihilfe ausbezahlt wird.

1993
Auszahlung der Familienbeihilfe direkt an Mütter.

1994
Verabschiedung eines Namensrechts, das nicht auf einem gemeinsamen Namen der beiden Eheleute besteht. Frauen können nach der Heirat ihren Namen beibehalten.

1996
Künftig werden nur mehr zwei Jahre Karenz gewährt, wenn der Vater ein halbes Jahr Karenz konsumiert. Ansonsten endet die Karenz nach 18 Monaten; für Alleinerzieherinnen endet die Karenz auf jeden Fall nach 18 Monaten.

1997
Bundesgesetz zum Schutz vor Gewalt in der Familie (Wegweiserecht), das die Polizei oder die Gendarmerie ermächtigt, in der häuslichen Sphäre einzuschreiten, wenn es zu Gewalt gegen einzelne Familienmitglieder kommt. Im Zuge des Gewaltschutzgesetzes werden in allen Bundesländern zum Schutz der Opfer die Interventionsstellen gegen Gewalt an Frauen und Kindern eingerichtet.

1999
Die Abtreibungspille RU-486 wird in Österreich unter dem Namen "Mifegyne" zugelassen. In Frankreich war die Abtreibungspille bereits seit 1988 für die Hoechst-Tochter Roussel Uclaf zugelassen. Hoechst hat Probleme mit Boykott-Aufrufen und gibt 1999 daher das Patent wieder ab. In Österreich kommt es in der Folge zu einem Wechsel der Vertreiberfirma.

2000
In ihrem Regierungsprogramm sieht die ÖVP/FPÖ-Koalition Kinderbetreuungsgeld/Karenzgeld für beide Elternteile vor, das von der Erwerbstätigkeit vor der Geburt des Kindes abgekoppelt werden soll. Das Kinderbetreuungsgeld soll 36 Monate ausbezahlt werden, wobei ein Elternteil 24 Monate, der zweite Elternteil 12 Monate lang anspruchsberechtigt ist.

2000
Im Scheidungsfall wird die gemeinsame Obsorge von Mutter und Vater für das Kind eingeführt.

2000
30. Oktober: Im Wilhelminenspital in Wien wird die erste Babyklappe Österreichs, das Babynest Glanzing, geschaffen. Hier können Mütter ihre Säuglinge anonym abgeben.

2000
RU-468 wird auf eine US-amerikanische Unternehmung zugelassen. Anfang November wird bekannt, dass der Vertrieb der Abtreibungspille aus wirtschaftlichen Gründen ab Jahresende in Österreich und in Deutschland eingestellt wird.

2000
Abschaffung der Bildungskarenz nach der Elternkarenz. Damit wird Frauen eine Möglichkeit gestrichen, sich für den Wiedereinstieg in den Beruf optimal vorzubereiten.

2001
März: Das Krankenhaus in Korneuburg schafft für Frauen, die durch eine Schwangerschaft in Not geraten sind, die Möglichkeit, anonym zu entbinden. Die Kosten dafür trägt die Stadtgemeinde.

2001
März: Durch eine Gesetzesänderung machen sich Frauen, die Kinder in der Babyklappe abgeben, nicht mehr strafbar.

2002
23. Mai: Einführung der Familienhospizkarenz.

2001
Am 4. Juli beschließt die ÖVP-FPÖ-Regierung im Nationalrat die Einführung des Kindergelds. Ab 2002 erhalten alle Mütter oder Väter bis zum dritten Lebensjahr ihres Kindes unabhängig von der Berufstätigkeit ein Kindergeld in der Höhe von monatlich 6000 Schilling. Der Anspruch bis zum dritten Jahr besteht nur, wenn sich auch der Partner zumindest ein halbes Jahr der Kinderbetreuung widmet. Die Zuverdienstgrenze beträgt 200.000 Schilling. KritikerInnen machen u.a. darauf aufmerksam, dass besonders durch das Auseinanderfallen der Dauer des Kindergeldbezugs und des Kündigungsschutzes - 30 Monate respektive 24 Monate – den Frauen vermehrt der Weg in die Arbeitslosigkeit droht.

2002
März: In Österreich leben 276.000 AlleinerzieherInnen – über 66.000 davon in Wien.

2002
September: In Österreich wird nur jedes fünfte Kind in einem Kindertagesheim betreut. Von insgesamt 79.807 zwei- bis dreijährigen Kindern sind das nur 14.483 Kinder, die einen Platz in einem Kindertagesheim finden. Hiermit ist Österreich das Schlusslicht bei der Kleinkindbetreuung. Der Europäische Rat hat sich in Barcelona (15./16. März 2002) das Ziel gesetzt, bis 2010 für mindestens 33% der Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. Österreich erreicht nur eine Versorgungsdichte von 8,5%; Spitzenreiter in Europa sind Dänemark mit 64%, Schweden mit 48% und Norwegen mit 40%.

2002
Oktober: Die EU-Kommission rügt das Kindergeld als "kostspielige Politik": Österreich habe bereits eine der teuersten Familienförderungen der Welt, durch das Kindergeld wurde der Bezieherinnenkreis um etwa 50.000 Hausfrauen, Studentinnen, Unternehmerinnen und Bäuerinnen auf 120.000 erweitert. Das mache das Kindergeld mit Kosten von mehr als einer Milliarde Euro viel teurer als das Karenzgeld. Darüber hinaus verringere es die Frauenbeschäftigung.

2003
März: Kindergeld reduziert Frauenerwerbstätigkeit. Die OECD konstatiert, dass die Erwerbsquote 25- bis 35- jähriger Frauen in Österreich sinkt. Eine WIFO-Studie belegt, dass das Kindergeld negative Effekte auf die Rückkehr von Frauen in den Job hat. Der Anteil der Wiedereinsteigerinnen (binnen 27 Monaten nach Geburt des Kindes) sinkt von rund 57 Prozent auf 38 Prozent.

2003
Mai: Die Zahl der Bezieherinnen von Kinder- und Karenzgeld hat mit 143.394 einen neuen Rekordwert erreicht.
11. Juni: Der Ministerrat beschließt ein höheres Kindergeld für Mehrlinge. Ab Jänner 2004 soll dieses um 50 % erhöht werden. Damit erhalten Eltern von Mehrlingen zusätzlich zu den 436 Euro Kindergeld für jedes weitere Kind monatlich 218 Euro. Pro Jahr werden in Österreich rund 1100 Zwillingsgeburten registriert.

2010
Mit 1.1.2010 gibt es fünf Varianten des Kinderbetreuungsgeldes in Österreich: Neben einkommensunabhängigen Varianten wird erstmals ein einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld in Österreich angeboten: 80% Prozent des letzten Nettoeinkommens (min. 1000€ - max. 2000€) werden für 14 Monate für beide Elternteile ausbezahlt, die maximale Bezugsdauer für einen Elternteil beträgt 12 Monate. Ebenso wird die Zuverdienstgrenze flexibilisiert, sowie eine Beihilfe für einkommensschwache Familien und eine Verlängerung der Bezugsdauer für Alleinerziehende bei sozialer Notlage eingeführt. Rückwirkend ab 2009 können nun auch Kinderbetreuungskosten für Kinder unter zehn Jahren von der Steuer abgesetzt werden, der Maximalbeitrag beträgt 2.300 €.

2011
Die vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz in Auftrag gegebene Studie "Alleinerziehende in Österreich. Lebensbedingungen und Armutsrisiken" wird veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass mehr als jede achte Frau (14%) und 1% der Männer in Österreich alleinerziehend sind. Alleinerziehende sind "Häufiger chronisch krank"  und erkranken "signifikant häufiger psychisch". Außerdem verlieren sie häufiger ihren Arbeitsplatz und sind einerm höheren Armutsrisiko ausgesetzt.



(Quellen: Pollinger, Susanne: Das Frauen Volksbegehren, S. 14, in: Hört die Signale, Profil, Heft 14/1997, S. 49; Bundesministerium für Frauenangelegenheiten (Hg.): Bericht über die Situation der Frauen in Österreich. Frauenbericht 1995. Wien 1995; Der Standard, 2./3.12.2000, S. 2; Weinzierl, Erika: Emanzipation? Österreichische Frauen im 20. Jahrhundert. Verlag Jugend&Volk, Wien/München 1975, S. 21ff; Neyer, Gerda: Sozialpolitik von, für und gegen Frauen, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, Heft 4/1984, S. 430ff; Bauer, Ingrid: Eine frauen- und geschlechtergeschichtliche Perspektivierung des Nationalsozialismus, in: Talos, Emmerich / Hanisch, Ernst / Neugebauer, Wolfgang / Sieder, Reinhard (Hg.): NS-Herrschaft in Österreich. Ein Handbuch. öbv & htp, Wien 2000, S. 427f; Der Standard, 5.7.2001; Kurier, 23.3.2001, 7.11.2001, 27.3.2003, 12.6.2003, 21.6.2003; Der Standard, 28.10.2003, 14.2.2003; www.ak.at, 7.6.2003; www.frauen.spoe.at, 7.6.2003, www.bmwfj.gv.at/Familie/FinanzielleUnterstuetzungen/Kinderbetreuungsgeld/Seiten/Aktuelles.aspx, 4.1.2010, derstandard.at/1262208820896/Kinderbetreuungsgeld-ab-sofort-absetzbar, 4.1.2010; Studie "Alleinerziehende in Österreich. Lebensbedingungen und Armutsrisiken", S.42, 51, 82, 121, www.bmask.gv.at/cms/site/attachments/5/8/4/CH0104/CMS1218527491861/band7_-_alleinerziehende.pdf, 4.9.2011)

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