Geschichte der Austria Wochenschau

1914-1918

Die „Sascha-Messter-Woche“ (erste Wochenschau mit österreichischer Beteiligung, Kriegswochenschau) wird in den Kinos gezeigt. Sie ist dem k. u.k. Kriegspressequartier unterstellt. Eine „Wochenschau“ war eine wöchentlich produzierte Nachrichten- bzw. Propagandasendung, die damals in Kinos gezeigt wurde; als Vorläufer von heutigen TV-Nachrichtenformaten.

1931-1934

Die Selenophon Film Ges.m.b.H. produziert die „Selenophon-Woche“. Die österreichischen Physiker Hans Thirring und Oskar Czeija, Gründer und erster Generaldirektor der RAVAG, der Radio-Verkehrs AG, stellten 1929 das Selenophon-Verfahren vor, ein eigenständiges Lichttonverfahren.

1933-1938

Auf Initiative von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß wird die Wochenschau „Österreich in Bild und Ton“ gegründet. Dieses austrofaschistische Propagandainstrument wird von der Selenophon Licht- und Tonbild Ges. m. b. H. produziert und muss obligatorisch im Kinovorprogramm laufen.

1938-1945

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wird die „Ostmark-Wochenschau“ ausgestrahlt. Sie erscheint bis Mai 1939, um dann von der deutschen „Ufa-Wochenschau“ ersetzt zu werden.

1946-1949

Nach dem Zweiten Weltkrieg kommen Wochenschauen der Besatzungsmächte in die österreichischen Kinos. Es laufen die britisch-amerikanischen Produktionen „Welt im Film“ und „MPEA Tönende Wochenschau“ (Motion Picture Export Association), die russischen Produktionen „Spiegel der Zeit“ und „Wir sind dabei“ und die französische „Les actualités françaises“, wobei die einzelnen Wochenschauen nicht flächendeckend im gesamten österreichischen Gebiet eingesetzt wurden, sondern oft nur in der jeweiligen Besatzungszone zu sehen waren.

1949

Juni: Grundsatzvertrag zwischen der Bundesregierung und den Besatzungsmächten über die Gründung einer Austria Wochenschau. Bildung der Austria W. GmbH, heute Austria Film und Video GmbH.
Am 11. November wird zum ersten Mal nach 1945 wieder eine Wochenschau österreichischer Provenienz, die Austria Wochenschau, in den Kinos gezeigt. Mit dem Erscheinen der Austria Wochenschau werden die russische und französische Besatzungswochenschauen eingestellt.

1950er Jahre

Die Austria Wochenschau erlebt ihre Hochblüte.

1951

Erstmals gibt es eine weibliche Kommentatorin in der männlich dominierten Austria Wochenschau. Der Anteil der weiblichen Sprecherinnen nimmt aber erst gegen Ende der 60er Jahre zu.

1954

Es wird eine zweite Wochenschau-Ausgabe, „Das Weltjournal“, produziert. Sie besteht vorwiegend aus internationalen Beiträgen und erscheint bis 1971.

1955

Anlässlich der Unterzeichnung des Staatsvertrages wird erstmals eine Sonderwochenschau in Farbe in den Kinos gezeigt.

1960er/70er Jahre

Mit der zunehmenden Verbreitung des Fernsehens verliert die Austria Wochenschau immer mehr an Bedeutung. Im Jahr 1960 gab es in Österreich 193.046 angemeldete Fernsehteilnehmer bzw. private TV-Geräte. Vor allem büßt die Wochenschau ihren Aktualitätsanspruch ein. Die Zahl internationaler Bilder wird zugunsten österreichischer Beiträge zurückgenommen, Unterhaltung und Werbeeinschaltungen, aber auch gesellschaftspolitische Themen nehmen zu. Allgemein findet eine Verlagerung von tagesaktuellen zu allgemeingültigeren Themen statt.

1970er Jahre

Bei der Gestaltung ihrer Beiträge beginnt die Austria Wochenschau auf ihr Archivmaterial zurückzugreifen, sie zitiert sich gewissermaßen selbst.

1982

Bis 1982 wird die Austria Wochenschau – von einigen Werbeeinschaltungen und Sonderberichten abgesehen – in schwarz-weiß gedreht.

Als Nachfolgerin der Austria Wochenschau kommt „Scope“ in die österreichischen Kinos. Sowohl „Scope“ als auch das spätere „Hallo Kino“ gestalten ihre Beiträge ähnlich einem Videoclip und nehmen durch ihre kreative, experimentelle Gestaltung die spätere MTV-Ästhetik vorweg.

1985

„Scope“ wird von „Hallo Kino“ abgelöst. Es ist einen Art Seitenblicke-Magazin mit Kinotrailern, moderiert von Prominenten aus Sport, Politik oder Kultur.

1994

„Hallo Kino“ wird eingestellt.

Quellen

  • Moser, Karin (1999): Herrgott, war das ein Fest. In: Die Presse (Spectrum), 31.10/1.und 2.11.1999.
  • Schönwiese, Fridolin (2002): Die Austria Wochenschau. In: Filmarchiv Austria (Hg.): Filmarchiv, Nr. 3/2002, S. 29-33.