zur normalen Ansicht

Wissen > Wissenslexikon > Anschluss-Verbot 

"Anschluss"-Verbot

Verbot über die Vereinigung Österreichs mit Deutschland. Politische Bedeutung erlangte der Anschluss-Gedanke vor allem nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie, da nur wenig Vertrauen in die wirtschaftliche Lebensfähigkeit von Restösterreich bestand. Die Nationalversammlung von Deutsch-Österreich erklärte Österreich deshalb am 12. November 1918, dem Gründungsdatum der Republik, auch zum Bestandteil der Deutschen Republik. In Artikel 88 des Staatsvertrags von Saint-Germain wurde jedoch ein Verbot des "Anschlusses" ohne Zustimmung des Völkerbundrats festgehalten. Abstimmungen über einen möglichen "Anschluss" fanden trotzdem 1921 in Tirol und Salzburg statt, weitere wurden auf internationalen Druck eingestellt. 1922 verzichtete Österreich im Genfer Protokoll auf den "Anschluss". Wirtschafts- innen- und kulturpolitisch spielte die Frage des "Anschlusses" – sowohl auf Seiten der Parteien als auch der Bevölkerung – weiter eine Rolle. Mit der Machtübernahme Hitlers in Deutschland 1933 erhöhten die Nationalsozialisten in Deutschland und Österreich ihren Druck auf Österreich. Der Einmarsch deutscher Truppen in Österreich erfolgte am 12. März 1938. Als Hitler am 15. März 1938 den "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich auf dem Wiener Heldenplatz verkündete, bejubelten dies tausende ÖsterreicherInnen. 1943 wurde Österreich von Seiten der Alliierten in der Moskauer Deklaration als "das erste freie Land" bezeichnet, das der "Angriffspolitik Hitlers zum Opfer" gefallen sei, und festgehalten, dass nach dem Krieg "ein freies, unabhängiges Österreich wieder hergestellt" werden soll. Der "Anschluss" wurde hier ebenso wie in der österreichischen Unabhängigkeitserklärung vom 27. April 1945 für "null und nichtig" erklärt; ein neuerliches Verbot erfolgte durch Artikel 4 des Staatsvertrags von 1955. Die Moskauer Deklaration, die eigentlich zur Motivierung eines österreichischen Widerstands gedacht war, wurde in Folge zu einer wesentlichen Grundlage für den österreichischen Opfermythos, der erst gegen Ende der der 1980er Jahre durch eine breite geschichtspolitische Auseinandersetzung erodierte. 

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org