Populismus

Als Populismus bezeichnet man in den sozialwissenschaften eine bestimmte Art von Politikstil. Populistisch agierende Parteien oder Politiker*innen versuchen, komplizierte, abstrakte Tatbestände, die durch ihre Komplexheit verwirrend wirken und Verunsicherung hervorrufen, scheinbar einfach darzustellen – häufig auf emotionalisierende Weise. Auf Basis dieser simplifizierenden Erklärungsversuche werden dann möglichst konkrete, übersichtliche Lösungen für Probleme angeboten. Dabei wird in Kauf genommen, dass Tatsachen verfälscht/verkürzt wiedergegeben werden. Ziel ist es, durch künstlich erzeugte Einfachheit den Eindruck zu erwecken, Probleme besser lösen zu können als die politischen Konkurrent*innen oder als die Elite/“die da oben“, um so die Unterstützung der Massen zu erhalten. Aspekte der Ethik werden dabei weitestgehend außer Acht gelassen.

Populistische Politiker*innen, Parteien oder politische Strömungen können ideologisch betrachtet sowohl in rechter als auch linker Spielart auftreten (Rechtspopulismus, Linkspopulismus). Populistische Bewegungen entstehen häufig in Phasen raschen gesellschafltichen Wandels, in denen sich die traditionellen Herrschaftsstrukturen auflösen bzw. zumindest in eine (Hegemonie-)Krise geraten.

Populismus bedient sich gewisser Mittel: bewusst „volksnahe“ Politik- und Herrschaftsstile, die durch gezielte Anspielungen Ängste und Vorurteile für die eigenen politischen Ziele instrumentalisieren; Mobilisierung des so genannten „kleinen Mannes“ gegen andere Bevölkerungsgruppen (z.B. Mitglieder bestimmter sozialer Milieus, ethnische Minderheiten); Zentrierung auf Personen (Personalisierung).

Typische Argumentationslinien dieser Mobilisierungsstrategien sind: die Berufung auf die Vertretung der Bedürfnisse der „einfachen, kleinen Leute“, an denen die komplizierten, elitären Machtstrukturen vorbeilaufen; Forderungen nach einer konkreten und verständlichen Politik, die an die Stelle der bisherigen komplexen und undurchsichtigen Aussagen treten soll; häufig wird an den „Hausverstand“ der Leute appelliert.

Quellen:
Priester, Karin (2012): Wesensmerkmale des Populismus. In: Populismus – Aus Politik und Zeitgeschichte, 62. Jahrgang · 5–6/2012. Bundeszentrale für politische Bildung: Bonn. S.3-9.
https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtspopulismus/192118/was-versteht-man-unter-populismus (Stand 05.04.2022)