Mediaprint

1988 gegründetes gemeinsames Tochterunternehmen von "Kurier" (50%) und "Neuer Kronen Zeitung" (50%), deren Aufgabe die gemeinsame Abwicklung von Druck, Vertrieb und Anzeigenakquisition der beiden Gesellschafter ist. An beiden Unternehmen ist die "WAZ" (Westdeutsche Allgemeine Zeitung maßgeblich beteiligt (mit 50 % an der Krone KG und 49,4 % an der Kurier Ges. m. b. H.). Mit dieser Elefantenhochzeit – "Kurier" und v.a. die "Neue Kronen Zeitung zählen zu den Auflagenstärksten Printmedien in Österreich – entstand das zweitgrößte Medienunternehmen in Österreich (nach dem ORF), das unter seinem Dach auch Beteiligungen an einer Reihe von Zeitschriften (wie z.B. am Wochenmagazin "profil" und am Wirtschaftsmagazin "trend") hält. In der Folge beteiligte sich Mediaprint auch an weiteren Druckunternehmen in Österreich, wodurch sie 1996 auf der Produktionsstufe Druck 54% und auf der Produktionsstufe Vertrieb 51% des österreichischen Tagespressemarktes kontrollierte. Für das Bilanzjahr 2011 wurde ein Gesamtumsatz von 466,34 Mio. Euro vermeldet.

Medienpolitisch bedenklich ist, dass die Gründung der Mediaprint vor einer geplanten Verschärfung des Kartellgesetzes erfolgte, doch auch später wurde nichts getan, um gegen diese Monopolstellung im österreichischen Medienmarkt und die im europäischen Vergleich äußerst bedenkliche Verflechtungsstruktur vorzugehen. 2000 kam es schließlich zu einer höchst umstrittenen wirtschaftlichen Kooperation zwischen der News-Gruppe (u.a. mit dem Wochenmagazin "Format") und dem "profil". Konkret hält seit diesem Zeitpunkt die Zeitschriften Verlagsbeteiligungs-AG (ZVB) des Kurier-Konzerns, zu der u.a. die Magazine "profil" und "trend" gehören, 30% der News-Gruppe. Der damit erfolgte Zusammenschluss wurde vom Kartellgericht nur unter der Auflage einer Bestandsgarantie für das Magazin "profil" bis 2006 genehmigt. Bezeichnend für den österreichischen Medienmarkt ist, dass der Zusammenschluss wiederum vor einer geplanten Verschärfung des Kartellrechts erfolgt ist. Die Auswirkungen auf die Einschränkungen der Meinungsvielfalt und den Wettbewerb müssen als demokratiepolitisch äußerst bedenklich eingeschätzt werden.

Quelle:

Steinmaurer, Thomas, Konzentriert und verflochten. Österreichs Mediensystem im Überblick (= Beiträge zur Medien- und Kommunikationsgesellschaft, Band 10), Studien Verlag, Innsbruck/Wien/München/Bozen, 2002