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Lambach

Mit dem Bagger gegen Demonstranten
Lambach 1996
Quelle: Dokumentarfilm "Gegen den Strom", hergestellt von FISCHERFILM
© Bürgerinitiative Traun

Herbert Huss, Sprecher der "Bürgerinitiative Traun":
"Dass Lambach zu einem österreichweiten Thema geworden ist, führt der Landeshauptmann nun darauf zurück, dass 'der Konflikt von außen nach Oberösterreich getragen wurde'. Wäre Landeshauptmann Pühringer der Einladung der Bürgerinitiative Traun zu einem Auenspaziergang gefolgt, könnte er vielleicht verstehen, warum die Bevölkerung die AubesetzerInnen seit nunmehr einem Monat liebevoll mit Getränken, Essen und sogar Holz versorgt und warum sogar ältere Leute plötzlich Bagger blockieren. Die Leute kämpfen um 'ihren Fluss', der für die Landes-Naturschutzbehörde auf Grund der Ausdehnung und der in diesem Abschnitt natürlich laufenden Fließgewässerdynamik das bedeutendste derartige Ökosystem in Oberösterreich ist' ". (Kleine Zeitung, 12. Februar 1996)

Lambach, das 600-Millionen-Schilling-Wasserkraftwerk, von Landeshauptmann Josef Pühringer als energiepolitische Notwendigkeit bezeichnet, wurde im Mai 2000 feierlich eröffnet. Das Image-Projekt der oberösterreichischen Landesregierung wurde gegen starke Proteste der Bevölkerung durchgesetzt. "Ich sehe es als Aufgabe der Politik an, Entscheidungen herbeizuführen und nicht Endlosdiskussionen zu führen", so Josef Pühringer, dem seine KritikerInnen vorwarfen, dass es ihm alleine um das "Durchziehen" einer Sache, um die Wahrung seines Gesichts und um den Beweis von Macherqualitäten ging. Als beim Bau des Strom erzeugenden Denkmals auch noch Knochen unbekannter Toter zum Vorschein kamen, wurde die Zweite Republik wieder einmal mit ihrer verschütteten Vergangenheit konfrontiert. Sogleich tauchte die Vermutung auf, es könnte sich um ein Massengrab jüdischer KZ-Opfer handeln. Der Transfer der menschlichen Überreste wäre dann aus religiösen Gründen sehr schwierig gewesen und hätte Auseinandersetzungen nach sich gezogen. Ein Baustopp wäre damit wieder in den Bereich des Möglichen gerückt. Als sich herausstellte, dass es sich nicht um Tote des 20. Jahrhunderts handelte, wurde die Errichtung des Kraftwerks durchgezogen.

Letztes Update: 09/2014

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