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Der Staat und seine Symbole

Die österreichische Fahne und jene der EU
Quelle: www.BilderBox.com

Nicht nur Menschen, sondern auch Staaten kommunizieren über Symbole. Sie begegnen uns bei Staatsfeierlichkeiten oder bei großen Sportveranstaltungen, an öffentlichen Gebäuden, auf Verträgen oder Urkunden. Als Hoheitszeichen markieren sie Grenzen, sie zeigen auf, wo ein Staat endet bzw. der Einflussbereich eines anderen Staates beginnt. Symbole sind insofern Sinnbilder der staatlichen Souveränität und Autorität.

Neben repräsentativen Funktionen erfüllen staatliche Symbole auch eine integrative Funktion. Welche Symbole gewählt werden, welche Feier- oder Gedenktage öffentlich begangen werden, sagt etwas über das Selbstverständnis des Staates aus. In seinen Symbolen konzentriert sich das historisch-politische Selbstverständnis des Staates und seiner BürgerInnen, in den Symbolen verdichten sich individuelle und kollektive Gemeinsamkeiten. Sie lassen Rückschlüsse auf die Kultur und Geschichte eines Staates zu und verdeutlichen, wie ein Staat von den anderen gesehen werden will.

Zu den wichtigsten Symbolen, mit denen ein Staat anderen Staaten oder seinen BürgerInnen entgegentritt, zählen Fahnen, Wappen und Hymnen. Gesetzlich geregelt ist in Österreich nicht nur, welche Symbole als Fahnen oder Wappen der Republik gelten. Per Gesetz definiert ist auch deren Verwendung (im Gegensatz zur Bundeshymne, die nicht gesetzlich definiert ist) bzw. wie deren unbefugter Gebrauch oder eine "Herabwürdigung" der Symbole des Staates (darunter nun auch die Bundeshymne) geahndet werden. Relevant sind hierfür einerseits das Bundesverfassungsgesetz (Art 8a), das Wappengesetz (BGBl. Nr. 159/1984) und das österreichische Strafgesetzbuch.

Als besondere Auszeichnung gilt es nicht zuletzt, wenn einzelnen BürgerInnen oder Unternehmen die Erlaubnis zur Führung eines staatlichen Symbols verliehen wird. Galt es früher als Auszeichnung als k.- und k.-Hoflieferant in Erscheinung treten zu dürfen, ist es heute eine solche, wenn die Führung des Staatswappens im geschäftlichen Verkehr von Seiten des Wirtschaftsministeriums erlaubt wird.

Verlässt man die Bundesebene, findet man auf der Ebene der Länder analoge Symbole und Regelungen – haben doch auch die Bundesländer ihre eigenen Symbole und Hymnen herausgebildet. Gleichfalls hat sich auch auf europäischer Ebene mit der Entstehung und Weiterentwicklung der Europäischen Union eine europäische Symbolik gebildet, die auf supranationaler Ebene repräsentative und integrierende Funktionen erfüllt. Der Sternenkranz auf blauem Hintergrund, der weltweit die Europäische Union und ihre Einrichtungen versinnbildlicht, wurde ursprünglich auf Anregung des Europarats entwickelt und 1983 offiziell als Flagge der EU durch das Europäische Parlament angenommen. Die Europa-Hymne ("Ode an die Freude") ist eine Bearbeitung des letzten Satzes der Neunten Symphonie von Ludwig van Beethoven, während der Text von Friedrich Schiller stammt. Sie wurde 1972 vom Europarat eingeführt und wird von der Europäischen Union seit 1986 verwendet.

Die österreichische Fahne in Rot-Weiß-Rot geht auf das Hochmittelalter zurück und ist eine der ältesten Flaggen Europas. Das Wappen der Republik Österreich, das einen frei schwebenden einköpfigen Adler mit rot-weiß-rotem Schild in der Bauchmitte zeigt, hat ebenfalls eine lange Tradition und wurde bereits in der Ersten Republik verwendet. Im Gegensatz dazu ist die derzeit gültige österreichische Bundeshymne, die aus der Melodie des "Bundeslieds"  von (vermutlich) Mozart und einem Text von Paula von Preradovic besteht, erst nach 1945 entstanden. Gemeinsam haben die drei Staatssymbole eine wechselvolle Geschichte (v.a. im 20. Jahrhundert) hinter sich. Insgesamt weist die Demokratiegeschichte Österreichs "viele Brüche und systemische Übergänge auf, die auch an der Entstehungsgeschichte staatlicher Symbole abzulesen sind" (Peter Diem: Die Entwicklung der Symbole der Republik Österreich. In: Forum Politische Bildung (Hg.): Erinnerungskulturen.- Innsbruck/Wien/Bozen 2010, S. 16.)

Deutlich wird dies auch am jüngsten Streit über die Änderung der österreichischen Bundeshymne. Nachdem die Sängerin Christina Stürmer in einer Pop-Version der Hymne neben den „großen Söhnen“ auch die „großen Töchter“ besungen hatte, wurde die Forderung nach einer offiziellen Änderung des Hymnentextes wieder laut. Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob staatliche Symbole in dieser Form verändert werden dürfen und ob dies urheberrechtlich überhaupt möglich ist.
SPÖ, ÖVP und die Grünen haben sich nun darauf geeinigt: Ab 1.1.2012 soll die gendergerechte Fassung offiziell gesungen werden.


Letztes Update: 04/2013

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