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Minderheit

 

Minderheit bezeichnet im Völkerrecht eine Gruppe/einen Teil der Bevölkerung mit zahlenmäßiger Unterlegenheit, nicht herrschender Stellung im Staat, ethnischer, religiöser oder sonstiger Besonderheit, die die Minderheit von der anderen Bevölkerung unterscheidet, sowie dem gemeinsamen Wunsch nach Bewahrung dieser besonderen Merkmale (z. B. Kultur, Religion, Sprache).

Autochthon werden Minderheiten genannt, die schon sehr lange in einem Land sesshaft sind; sind sind "eingesessene" (alte) Minderheiten. Allochthon hingegen bedeutet "ortsfremd" oder "auswärtig" und bezieht sich auf Gruppen, die durch Zuwanderung zu Minderheiten in einem Land werden (neue Minderheiten).

Anerkannte Minderheiten werden in Österreich Volksgruppen genannt: Slowenische Volksgruppe in Kärnten und in der Steiermark, kroatische, ungarische Volksgruppe im Burgenland, Roma sowie tschechische und slowakische Volksgruppe in Wien.

Die Rechte der Minderheiten in Österreich regeln der Staatsvertrag von Saint-Germain 1919, der Staatsvertrag von Wien 1955, das Minderheitenschulgesetz für Kärnten 1959, Art. 14 der Europäischen Menschenrechtskonvention, das Bundesverfassungsgesetz betreffend das Verbot rassischer Diskriminierung 1973 und das Volksgruppengesetz 1977. Art. 66, Abs. 1, und Art. 67 des Staatsvertrags von Saint-Germain verpflichten Österreich, alle Staatsbürger ohne Rücksicht auf Rasse, Sprache oder Religion "rechtlich und faktisch" gleich zu behandeln. Neben der allgemeinen Gleichbehandlungspflicht ist der Minderheiten-Schutz in Österreich durch spezifische Sonderrechte gewährleistet. Nach Art. 66/4 des Vertrags von Saint-Germain ist nicht deutschsprechenden österreichischen Staatsangehörigen der Gebrauch ihrer Sprache vor Gericht zu erleichtern. Nach Art. 7/3 des Staatsvertrags von Wien ist in den Verwaltungs- und Gerichtsbezirken Kärntens, des Burgenland und der Steiermark mit slowenischer, kroatischer oder gemischter Bevölkerung die slowenische oder kroatische Sprache zusätzlich zum Deutschen als Amtssprache zuzulassen. Ferner sind in diesen Bezirken topographische Bezeichnungen und Aufschriften zweisprachig zu verfassen. Seit 1.2.1977 gilt diesbezüglich das Volksgruppengesetz. Die Gebietsteile, in denen wegen der verhältnismäßig beträchtlichen Zahl der dort wohnhaften Volksgruppenangehörigen topographische Bezeichnungen zweisprachig anzubringen sind, sind durch Verordnung der Bundesregierung festzulegen. Das Minderheitenschulgesetz für Kärnten sichert den Minderheiten in Kärnten über den allgemeinen Anspruch der Minderheiten auf Volksschulunterricht in ihrer eigenen Sprache hinaus eine dem Verhältnis entsprechende Anzahl eigener Mittelschulen (Minderheitenschulwesen).

(Quelle: www.aeiou.at, 09.04.2001)

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