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Ungarn 1956

1945
4. April:
Die Rote Armee befreit Ungarn, das – ursprünglich mit dem Nationalsozialismus verbündet – seit März 1944 von deutschen Truppen besetzt war. Budapest ist drei Monate lang von der Außenwelt abgeschnitten und belagert, die schweren Kämpfe in der Stadt kosten 38.000 ZivilistInnen das Leben.

15. November:
Bei den ersten Parlamentswahlen erleidet die Kommunistische Partei mit 17 Prozent der Stimmen eine Niederlage.

1947
31. August:
Die zum Linksblock zusammengeschlossenen Gruppierungen (SozialdemokratInnen, KommunistInnen, GewerkschafterInnen u.a.) erreichen bei den Parlamentswahlen gemeinsam 61 Prozent. Die nach den Wahlen gebildete Volksfrontregierung beginnt mit dem Umbau der ungarischen Wirtschaft: Betriebe mit mehr als 100 MitarbeiterInnen werden verstaatlicht, ebenso Banken, Bergwerke und die Schwerindustrie. Im folgenden Jahr beginnt die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Politische GegnerInnen – VertreterInnen der Oppositionsparteien ebenso wie jene der Kirchen – werden eingeschüchtert, vertrieben und verhaftet.

1948
12. Juni:
Sozialdemokratische und Kommunistische Partei werden zur Partei der Ungarischen Werktätigen (MDP) unter der Führung von Mátyás Rákosi zusammengeschlossen.

1949
Das Regime übt blutige Repression; nicht nur politische GegnerInnen wie der Kardinal Karl Mindszenty, auch KommunistInnen wie der ehemalige Außenminister Lázló Rajk fallen den Schauprozessen zum Opfer. Insgesamt sind in den folgenden Jahren ca. eine Million Menschen, beinahe 10 Prozent der Bevölkerung, von Verfahren betroffen, darunter auch der spätere Parteichef János Kádár.

1953
5. März:
Tod Stalins

13.-16. Juni:
Auf sowjetische Initiative reist eine ungarische Delegation, der auch Reformkräfte – darunter Imre Nagy – angehören nach Moskau. Zu diesem Zeitpunkt ist es die sowjetische Seite, die auf umfassende Reformen in Ungarn drängt, während die ungarische Regierung unter Mátyás Rákosi nur zu kleinen Schritten bereit ist. Auf sowjetischen Wunsch soll Imre Nagy den Posten des Ministerpräsidenten übernehmen. Der Reformwille der sowjetischen Führung ist nicht zuletzt auf die Unruhen in der DDR, die im Berliner Aufstand vom 17. Juni gipfeln bedingt.

27./28. Juni:
Die Zentrale Leitung der Partei der Ungarischen Werktätigen (MDP) nimmt einen Beschluss an, der scharfe Kritik an der Politik der letzten Jahre übt und Reformen verspricht.

4. Juli 1953:
Als neuer Ministerpräsident stellt Imre Nagy in seiner Parlamentsrede die Beschlüsse vom 28. Juli als Programm der neuen Regierung vor.

11. Juli 1953:
Bei einer Sitzung des Budapester Parteiausschusses zeigt sich im Zuge eines Referats von Parteichef Rákosi, dass Nagys Reformkurs innerhalb der Partei nicht durchsetzungsfähig ist. Das hängt auch mit den Umbildungen an der Spitze der KPdSU nach dem Sturz Berijas – eines persönlichen Feindes Rákosis – zusammen. Dennoch – und trotz des anhaltenden Widerstandes von Teilen der Partei – konnte Nagy in den nächsten Jahren mit wechselndem Erfolg Teile seines Reformprogramms umsetzen – darunter Reformen der Landwirtschafts- und Industriepolitik sowie Amnestiegesetze und die Einführung einer gewissen Rechtssicherheit für die BürgerInnen.

1954
Oktober/November:
Imre Nagy und die Reformer können ihren "Neuen Kurs" in wirtschaftspolitischer Hinsicht bei verschiedenen Sitzungen innerhalb der Partei durchsetzen. Auch das öffentliche Leben Ungarns nimmt durch die Liberalisierung einen Aufschwung. Rákosi hält sich im Herbst längere Zeit in Moskau auf, wo es ihm gelingt die sowjetische Führung von der Gefährlichkeit von Nagys Kurs zu überzeugen.

1. Dezember:
Bei einer Sitzung des Politischen Ausschusses der MDP greift Rákosi Imre Nagy und dessen Politik frontal an und erntet dafür die Zustimmung einiger Anwesender.

1955
Frühling
Imre Nagy wird von stalinistischen Parteikollegen in Absprache mit der Führung der KPdSU immer stärker unter Druck gesetzt. Auf der Sitzung des Politischen Ausschusses der MDP am 13. Jänner wird de facto die Abkehr vom Reformkurs vollzogen. Im April wird Nagy aller seiner politischen Ämter und seiner Parteifunktionen enthoben und einige Monate später aus der Partei ausgeschlossen.

1956
Februar
25. Februar 1956:
XX. Parteitag der KPdSU. Nikita Chruschtschow übt in seiner berühmten Geheimrede Kritik am Stalinismus.
Text unter: http://www.zeitgeschichte-online.de (PDF)

März
17. März 1956:
Der Petöfi-Kreis, der in weiterer Folge zum wichtigsten Forum der Parteiopposition werden sollte, trifft in Budapest erstmals zusammen. Nach seinem Vorbild gründen sich im Herbst 1956 in mehreren Universitätsstädten Diskussionsforen.
(siehe http://www.ungarn1956.de)

April
10. April 1956:
In Polen wird im Zuge der Entstalinisierung der 1948 abgesetzte und 1951 verhaftete Parteichef Wladislaw Gomulka rehabilitiert.

Mai
18. Mai: Letzter öffentlicher Auftritt von Mátyás Rákosi vor seiner Absetzung als Parteichef bei einem Treffen von Funktionären der MDP in Budapest

Juni
28./29. Juni 1956:
Posener Aufstand: ArbeiterInnen der Josef-Stalin Werken in Posen (Polen) streiken, die Proteste weiten sich zum ersten und radikalsten anti-kommunistischen Aufstand der polnischen Geschichte aus, der in tagelange Straßenkämpfe mündet und schließlich durch Armee-Einheiten blutig niedergeschlagen wird. Die offizielle Bilanz spricht von 53 Toten und 300 Verletzten.
http://www.ungarn1956.de; http://www.zeitgeschichte-online.de (PDF)

30. Juni 1956:
Das Zentralkomitee der MDP verbietet die Tätigkeit des Petöfi-Kreises. Imre Nagy wird beschuldigt einer der Hauptverantwortlichen für die "gegen die Partei und Volksdemokratie gerichteten Manifestationen" zu sein.
Siehe http://www.zeitgeschichte-online.de

Juli
Das Präsidium der KPdSU beschließt im Zuge der Entstalinisierung die Ablösung von Mátyás Rákosi an der ungarischen Parteispitze. Von der MDP wird Ernö Gerö zum Ersten Sekretär ernannt, János Kádár steigt zum zweitwichtigsten Mann in der Partei auf. Diese Umbildung kann die Situation in Ungarn kurzfristig beruhigen. Überdies rehabilitiert das Zentralkomitee der MDP zahlreiche Opfer des Stalinismus.

September
2. September 1956:
Ein erstes Treffen zwischen Gerö, Kádár und Nagy verläuft ergebnislos.

19. September 1956:
Der Petöfi-Kreis trifft nach 2-monatiger Pause erstmals wieder zusammen.

Oktober
4. Oktober 1956:
Imre Nagy stellt einen Antrag auf Wiederaufnahme in die MDP

6. Oktober 1956:
Eine Reihe von nach stalinistischen Schauprozessen hingerichtete – unter ihnen auch László Rajk – werden feierlich umgebettet. 60.000 Menschen wohnen dem Begräbnis bei. Danach kommt es zu Demonstrationen am Stalin-Denkmal und vor dem ungarischen Staatssicherheitsdienst AVH. Vor der jugoslawischen Botschaft bekunden DemonstrantInnen ihre Sympathie für Titos Jugoslawien.

13. Oktober 1956:
Imre Nagy wird wieder in die Kommunistische Partei aufgenommen

19. Oktober 1956:
An größeren Universitäten im ganzen Land kommt es zu StudentInnenversammlungen, bei denen neben der Forderung nach einer Reform der Ausbildung auch erste politische Forderungen gestellt werden.

20. Oktober 1956:
In ganz Polen kommt es zu Versammlungen und Demonstrationen, was der polnischen Parteiführung eine neue Gangart in der Politik des "Tauwetters" aufzwingt. Der Anti-Stalinist Wladyslaw Gomulka kehrt am 21. Oktober an die Spitze der Polnischen Kommunistischen Partei zurück.
An der österreichisch-ungarischen Grenze werden die letzten der ab 1949 angelegten etwa 700.000 Minen entschärft.

22. Oktober 1956:
StudentInnen der Technischen Hochschule in Budapest verabschieden einen 14-Punkte-Katalog, in dem sie u.a. den Abzug der sowjetischen Truppen und die Bildung einer neuen Regierung unter Imre Nagy fordern.
(Text unter: http://www.zeitgeschichte-online.de)

23. Oktober 1956:
Zwei Demonstrationszüge mit Tausenden – vorwiegend studentischen – TeilnehmerInnen ziehen durch Budapest um ihre Sympathie mit dem reformerischen Kurs in Polen unter Gomulka auszudrücken. Der Marsch legt den Verkehr völlig lahm. Immer mehr Menschen schließen sich der Demonstration an – im Lauf des Tages gewinnt dabei der nationale Charakter der Proteste gegenüber den reformerischen Forderungen der StudentInnen zunehmend an Einfluss. Aus den mitgetragenen ungarischen Fahnen wird das von der Kommunistischen Partei eingeführte Symbol – Hammer, Sichel, eine Ähre und der Sowjetstern – herausgeschnitten.
Gegen 21 Uhr hält Imre Nagy eine Rede (Ausschnitt unter: http://www.zeitgeschichte-online.de), in der er die Menge zu beruhigen versucht und Reformen im Rahmen des Systems und seiner politischen Entscheidungsgremien verspricht. Die nach Schätzungen ca. 200.000 ZuhörerInnen vor dem Parlament zerstreuen sich danach. Doch vor der monumentalen Stalin-Statue gehen die Proteste weiter. Das Denkmal wird vom Sockel geholt und zerstört, die liegende Statue wird zum Symbol der Revolution. Viele Beteiligte nehmen sich Stückchen als Erinnerung mit. Bei einer Demonstration vor der Rundfunkzentrale fallen gegen 22.30 Uhr Schüsse. Es gibt Tote und Verletzte unter den DemonstrantInnen. (siehe dazu auch den Bericht eines AVH-Offiziers -http://www.zeitgeschichte-online.de) Bewaffnete TeilnehmerInnen der Proteste belagern daraufhin das Rundfunkgebäude, die zur Niederschlagung herangezogenen ungarischen Soldaten solidarisieren sich stattdessen mit den DemonstrantInnen.
In der Nacht findet eine Sitzung des ZK der MPD statt, bei der umfangreiche personelle Veränderungen vorgenommen werden: Imre Nagy wird erneut in das Zentralkomitee und den Politischen Ausschuss aufgenommen. Das ZK schlägt Nagy einstimmig für den Posten des Ministerpräsidenten vor, der Präsidialrat bestätigt die Ernennung umgehend. Obwohl weitere Vertreter der Parteiopposition in die Parteigremien aufgenommen werden, behält die alte Garde weiterhin ihre dominante Stellung. Ernö Gerö informiert in dieser Sitzung auch darüber, dass sowjetische Hilfe bereits angefordert wurde. Das ZK veröffentlicht einen Aufruf, in dem der Aufstand als "Konterrevolution" und die Beteiligten als "Banditen" diffamiert werden. Ein eigener Ausschuss unter dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Antal Apró soll die militärischen Maßnahmen zur Niederschlagung des Aufstandes koordinieren.

24. Oktober 1956:
Ab 4.00 Uhr morgens besetzen sowjetische Truppen gegen den Widerstand der Bevölkerung strategisch wichtige Punkte in Budapest. Im Rundfunk werden die Beschlüsse des ZK bekannt gegeben. In einer Verlautbarung des Ministerrats werden "[f]aschistische, reaktionäre Elemente" für den Aufstand verantwortlich gemacht. In ganz Ungarn gilt ein Versammlungsverbot, in Budapest wird die Bevölkerung zudem angewiesen ihre Häuser nicht vor 9.00 Uhr zu verlassen.
Innerhalb der Parteispitze herrscht Unstimmigkeit über das Hilfeersuchen an die Sowjetunion, gleichzeitig kommt es im ganzen Land zu Protesten gegen den Einmarsch der sowjetischen Truppen, es bilden sich Arbeiterräte und Revolutionskomitees, die u.a. den Abzug der sowjetischen Truppen und die Wiederherstellung der Souveränität Ungarns, die Einführung eines Mehrparteiensystems sowie die Durchführung freier und geheimer Wahlen fordern. Auch eine gegen Mittag gesendete Radioansprache Imre Nagys, in der er die Bevölkerung auffordert, die Waffen niederzulegen, und weitgehende Reformen auf der Basis seines Regierungsprogramms von 1953 verspricht, bleibt wirkungslos (Text unter: http://www.zeitgeschichte-online.de).
Im Lauf des 24. Oktober trifft eine hochrangige sowjetische Delegation, der auch der Chef des KGB Iwan Alexandrowitsch Serow angehört, in Budapest ein, die die ungarische Regierung bei der Wiederherstellung der Ordnung "unterstützen" soll.
Österreichs – eben erst wieder gegründetes – Bundesheer erhält den Auftrag zur Grenzsicherung gegenüber dem Nachbarland.

25. Oktober 1956:
Nicht zuletzt auf Grund der scharfen Kritik der sowjetischen Delegation wird Ernö Gerö als Parteichef der MPD abgelöst. Seinen Platz als Erster Sekretär des ZK übernimmt János Kádár. In Budapest gehen die Demonstrationen weiter, zum Teil verbrüdern sich sowjetische Soldaten mit den Aufständischen. Als am Vormittag eine Demonstration das Parlamentsgebäude erreicht, schießen Angehörige der Staatssicherheit AVH von den umliegenden Häusern in die unbewaffnete Menge. Wieder gibt es Tote und Verletzte.
Am Abend kündigt Ministerpräsident Nagy an, dass die ungarische Regierung Verhandlungen über den Abzug der sowjetischen Truppen und die ungarisch-sowjetischen Beziehungen beginnen will, was bei den Mitgliedern der sowjetischen Delegation auf Ablehnung stößt.

26. Oktober 1956:
Die sowjetische Delegation gibt in ihren Berichten an das ZK der KPdSU einer Strategie, die auf Gewinnung der Massen abzielt vor einer militärischen Lösung den Vorrang. Im Radio wird ein Manifest des ZK der ungarischen Kommunistischen Partei verlesen, in dem dieses einerseits warnt, „daß diejenigen, die gegen die Staatsmacht unserer Volksrepublik die Waffen erheben und sie nicht innerhalb der gesetzten Frist [Anm.: 22.00 Uhr desselben Tages] niederlegen, erbarmungslos vernichtet werden", andererseits wiederum Reformen angekündigt werden. Besonders hervorgehoben wird die Erneuerung der Parteileitung, in der mit János Kádár, Ferenc Donáth und Gyula Kállai drei Opfer stalinistischer Säuberungen als Sekretäre amtieren. (Text unter: http://www.zeitgeschichte-online.de)

27. Oktober 1956:
Nach scharfen Auseinandersetzungen zwischen den Parteiflügeln beschließt der Politische Ausschuss des MDP eine Regierungsumbildung, die eine Öffnung gegenüber den Parteien der demokratischen Opposition bedeutet. Auch das Regierungsprogramm ist zwischen dem stalinistischem Flügel und der Parteiopposition umstritten.

28. Oktober 1956:
Die neue Regierung unter Imre Nagy wird vereidigt. Nagy ordnet über Rundfunk eine allgemeine Waffenruhe an.
Von Wien wird für den Fall einer Grenzverletzung dem österreichischen Bundesheer der Schießbefehl gegenüber "sowjetrussischen Einheiten" erteilt.

30. Oktober 1956:
Vor einem Gebäude der Kommunistischen Partei kommt es wieder zu Schießereien zwischen Aufständischen und AHV-Leuten. Nach der Stürmung des Gebäudes entlädt sich der Hass auf den Staatssicherheitsdienst in Fällen von Lynchjustiz.
Imre Nagy gibt im Radio die Rückkehr zum Mehrparteiensystem und die Bildung einer Koalitionsregierung bekannt und kündigt an, dass die neue Regierung mit der Sowjetunion über den völligen Abzug der sowjetischen Truppen aus Ungarn verhandeln will. Nagy erklärt außerdem im Namen der Regierung, dass diese "alle autonomen demokratischen Körperschaften und Behörden" anerkennt, "die im Verlauf der Revolution gebildet wurden". Er setzt fort: "daß wir uns auf sie verlassen und ihre Unterstützung wünschen." Die Rede greift auch die nationalistische Stimmung auf, indem die Bevölkerung aufgefordert wird sich hinter die "Nationale Regierung" zu stellen. Nagy schließt mit dem Satz: "Es lebe das freie, demokratische und unabhängige Ungarn!" (Text unter: http://www.zeitgeschichte-online.de) Die sowjetische Armee beginnt mit dem Abzug der Truppen aus Budapest.

31.Oktober 1956:
Die MPD löst sich auf, es kommt zur Gründung einer neuen kommunistischen Partei, der MSZMP (Magyar Szocialista Munkáspárt). Imre Nagy gibt – u.a. in einem Interview mit RIAS Berlin und dem ORF Radio Wien (Text unter: http://www.zeitgeschichte-online.de) – bekannt, dass Verhandlungen über einen Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt eingeleitet worden seien. Am Abend verlässt die sowjetische Delegation Budapest.

November
1. November 1956:
Imre Nagy erklärt im Rundfunk die Neutralität Ungarns und den Austritt aus dem Warschauer Pakt. Er nimmt dabei deutlich auf die Revolution Bezug: "Der Revolutionskampf, den das ungarische Volk und seine Helden geführt haben, brachte schließlich der Sache unserer Freiheit und Unabhängigkeit den Sieg." (http://www.zeitgeschichte-online.de)

2. November 1956:
Zwischen Imre Nagy und János Kádár kommt es zum Bruch. Kádár nimmt Verhandlungen mit der Sowjetunion auf, die schon am 3. November zu einer Einigung führen. Anscheinend um die beginnende Kontakte der ungarischen Regierung zum Westen von vornherein zu unterbinden, wird beschlossen schon am 4. November mit dem Angriff auf die ungarische Revolution zu beginnen. (siehe http://www.zeitgeschichte-online.de)

3. November 1956:
Imre Nagy bildet seine Regierung um, während János Kádár mit sowjetischer Unterstützung eine neue Regierung gegen die "Konterrevolution" bildet.

4. November 1956:
Im Land stationierte sowjetische Truppen marschieren in Budapest ein, während weitere Truppen die Grenze überschreiten. In den frühen Morgenstunden wendet sich Imre Nagy via Rundfunk an die Bevölkerung. (http://www.zeitgeschichte-online.de). Er und seine MitarbeiterInnen flüchten in die jugoslawische Botschaft und erhalten dort Asyl. Der ungarische Schriftstellerverband sowie Kurzzeit-Minister István Bibó wenden sich mit bewegenden Appellen an "den Westen". Am Nachmittag treffen Kádár und andere Spitzenfunktionäre der gegen Nagy gerichteten „Ungarischen Revolutionären Arbeiter- und Bauernregierung“ in Budapest ein, ihre ersten Ansprachen an die Bevölkerung finden wenig Gehör. Die Kämpfe gehen unvermindert weiter. Über so genannte "Freiheitssender" wenden sich die aufständischen Ungarn mit verzweifelten Hilferufen an die Vereinten Nationen und den Westen. (http://www.zeitgeschichte-online.de). In New York wird ein Treffen des UN-Sicherheitsrates einberufen, während in Ungarn die Verfolgung der Aufständischen bereits beginnt.

5. November 1956:
Während die Kämpfe weitergehen, protestieren in Krakau (PL) Tausende Menschen gegen die sowjetische Invasion Ungarns.
In Wien rechnet man mittlerweile mit einer Invasion sowjetischer Truppen. Dem Bundesheer wird – getarnt als Übung – der taktische Rückzug an die Linie Wien-Semmering befohlen. Gleichzeitig ergeht der Befehl alle Donaubrücken in Nieder- und Oberösterreich zur Sprengung vorzubereiten.

6. November 1956:
Trotz der aussichtslosen Lage kämpfen aufständische Ungarn weiter gegen die sowjetischen Truppen und lehnen die geforderte bedingungslose Aufgabe ab. Kádár wendet sich im Nahmen der "Ungarischen Revolutionären Arbeiter- und Bauernregierung" an die sozialistischen Länder um Hilfe.

7. November 1956:
Der Sender Rákóczi wendet sich noch einmal mit einem dramatischen Hilferuf an den "Westen", insbesondere die Vereinten Nationen und die USA. Unter sowjetischem Schutz zieht Kándárs Regierung im Parlament ein und wird dort vereidigt. Den ungarischen Soldaten- und Revolutionsräten wird die Legitimation entzogen.

8. November 1956:
Der ungarische Widerstand ist beinahe zum Schweigen gebracht. Der Befehlshaber der sowjetischen Militäreinheiten ordnet die Niederlegung der Waffen an. Fabrikarbeiter, Bedienstet der Verkehrsbetriebe und der öffentlichen Versorgungsdienste werden ultimativ aufgefordert die Arbeit wieder aufzunehmen.

9. November 1956:
Die Kádár-Regierung festigt ihre Position und beginnt mit dem Aufbau der nationalen Streitkräfte von denen bedingungsloser Gehorsam gefordert wird. Einige Aufständische versuchen die jugoslawische Grenze zu erreichen. In einer zweiten Sondersitzung verabschiedet die UN-Generalversammlung eine weitere Resolution zur Lage in Ungarn.

10. November 1956:
Imre Nagy – der in der jugoslawischen Botschaft Zuflucht gefunden hat – ist nicht bereit auf das Amt des Ministerpräsidenten zu verzichten und fordert weiterhin den Abzug der sowjetischen Truppen, den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt und die Wiedereinführung des Mehrparteiensystems. Die Kämpfe in Budapest und einigen anderen Städten sind immer noch nicht beendet.

11. November 1956:
In Ungarn wird der Ausnahmezustand verhängt, die systematische Verfolgung der Aufständischen beginnt.

14. November 1956:
Bei einem Treffen von Abgesandten der Budapester Fabriken wird der Zentrale Arbeiterrat von Groß-Budapest (KMT) gegründet. Noch am selben Abend beginnt eine Delegation des KMT Verhandlungen mit der Kádár-Regierung. Der Gedanke der Arbeiterselbstverwaltung führt auch in anderen Städten zur Bildung von Räten, die mit der sowjetischen Besatzungsmacht verhandeln sollen. Ihre Vertreter solidarisieren sich mit Imre Nagy und fordern u.a. den Abzug der sowjetischen Truppen, die Wiederherstellung der Pressefreiheit sowie eine Amnestie für an den Kämpfen beteiligte Revolutionäre. (zu Kádárs Reaktion auf die Forderungen des Zentralrats siehe http://www.zeitgeschichte-online.de)
US-Präsident Eisenhower erklärt, dass die USA die ungarische Bevölkerung keinesfalls zur Fortsetzung der Kämpfe ermutigen wollen.

16. November 1956:
Kádár gibt gegenüber der Sowjetunion seine Zustimmung zur Deportation Nagys nach Rumänien. In Budapest streiken die JournalistInnen.

17. November 1956:
Kádár verlangt von Jugoslawien die Auslieferung Nagys und seiner MitarbeiterInnen.

19. November 1956:
Eine Reihe von Organisationen, darunter der Zentrale Arbeiterrat von Groß-Budapest (KMT), der Verband ungarischer Journalisten (MUOSZ), der Bauernverband und der ungarische Schriftstellerverband, bitten den indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru in einem Brief sich für die Interessen Ungarns einzusetzen.

19. bis 21. November 1956:
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen widmet sich wiederum dem Thema Ungarn. Nach dreitägiger Debatte werden mehrere Resolutionen verabschiedet.

21. November 1956:
Die Regierung Kádár sichert der jugoslawischen Regierung Straffreiheit für Imre Nagy und die mit ihm in der jugoslawischen Botschaft befindlichen Menschen zu. (siehe http://www.zeitgeschichte-online.de)
Die vorgesehen Gründung eines nationalen Arbeiterrates scheitert, da der Tagungsort von sowjetischen Panzern umstellt ist. Der KMT ruft daraufhin zu einem 48-stündigen Proteststreik auf. Der Ungarische Revolutionsrat der Intellektuellen, dem eine ganze Reihe Prominenter angehören, gründet sich.
Die sowjetische Armee sprengt die Brücke von Andau über die ca. 70.000 Flüchtlinge von Ungarn nach Österreich gelangt waren.

22. November 1956:
Entgegen den Zusicherungen der Kádár Regierung werden Imre Nagy und 47 weitere Personen (darunter 16 Kinder) sofort nach Verlassen der jugoslawischen Botschaft verhaftet und am nächsten Tag nach Rumänien verschleppt. In Ungarn kommt es daraufhin erneut zu Protestkundgebungen.

23. November 1956:
Die ungarische Regierung erkennt den Zentralen Arbeiterrat von Groß-Budapest als Verhandlungspartner an, der seinerseits zur Wiederaufnahme der Arbeit aufruft.
Die Situation an der ungarisch-österreichischen Grenze spitzt sich noch einmal zu als zwei sowjetische Soldaten eine Ungarin auf österreichisches Gebiet verfolgen. Einer der beiden Soldaten wird angeschossen und erliegt seinen Verletzungen; eine Reaktion der Sowjetunion auf den Vorfall bleibt aus.

24. November 1956:
Nun wird auch in Ungarn offiziell über den Abtransport von Nagy, seinen MitarbeiterInnen und deren Familien berichtet. Immer noch kommt es zu Streiks, u.a. bei der Zeitung Népszabadság. Polen unterstützt Ungarn mit einer Geldspende von hundert Millionen Zloty.

25. November 1956:
Nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung werden Gespräche zwischen Regierung und Zentralem Arbeiterrat abgebrochen.

26. November 1956:
In einer Radioansprache geht János Kádár auf das Schicksal von Imre Nagy ein. Bis zu Nagys Hinrichtung am 17. Juni 1958 ist das die letzte offizielle Information über sein Schicksal.

27. November 1956:
Sowohl der Zentrale Arbeiterrat wie auch der ungarische Schriftstellerverband protestieren gegen die Verschleppung von Nagy und seinem Kreis nach Rumänien. Unter den Verschleppten befindet sich auch der bekannte Schriftsteller und ehemalige Bildungsminister György Lukács.

29. November 1956:
Die BRD schickt Hilfe im Gegenwert von 10 Millionen Mark nach Ungarn. In der DDR kommt es zu Verhaftungen von Intellektuellen denen Kontakte zur ungarischen Opposition vorgeworfen werden.

30. November 1956:
Die sowjetischen Machthaber drängen die ungarische Regierung zur Durchführung von Schauprozessen gegen einige Revolutionäre. Auch an einer Moskauer Uni tauchen Flugblätter auf, die umfassende Informationen über die Geschehnisse in Ungarn verlangen. In Budapest ruft der Zentrale Arbeiterrat zum Boykott der Regierungspresse auf, solange der Rat nicht selbst eine Veröffentlichungserlaubnis bekommt.

Dezember
2. bis 5. Dezember 1956:
Das vorläufige Exekutivkomitee der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (MSZMP) fasst einen Beschluss über die "Ursachen der Konterrevolution" – gemeint sind die Ereignisse im Oktober. Obwohl der Zentrale Arbeiterrat zu einem Ende der Streiks aufgerufen hat, wird in einigen Betrieben weiterhin gestreikt.

3. Dezember 1956:
Der rumänische Außenminister berichtet den Vereinten Nationen, dass Imre Nagy und die anderen Verschleppten in Rumänien politisches Asyl erhalten.

4. Dezember 1956:
In Budapest nehmen Tausende an Gedenkmärschen für die Gefallenen der Revolution teil.

5. Dezember 1956:
Sämtliche Revolutionskomitees werden von der Regierung für aufgelöst erklärt. Sicherheitskräfte und sowjetische Truppen lösen in Budapest Demonstrationen gewaltsam auf. Es kommt zur Verhaftung von über 200 Mitgliedern von Arbeiterräten und Intellektuellen. Ein offizielles "Weißbuch" mit dem Titel "Konterrevolutionäre Kräfte bei den Oktoberereignissen in Ungarn" erscheint. Die UNO beschließt Beobachter nach Ungarn zu entsenden.

6. Dezember 1956:
In Budapest kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und ArbeiterInnen, die aus Protest gegen die Verhaftungen von Mitgliedern der Arbeiterräte von der Regierung organisierte kommunistische Versammlungen angreifen. Auch in anderen Landesteilen kommt es zu Protesten. Zuvor hatte der Zentrale Arbeiterrat die Gespräche mit der Regierung für gescheitert erklärt.
In der DDR wird nun auch der Leiter des Aufbau-Verlages, Walter Janka, wegen Kontakten zu György Lukács verhaftet

7. Dezember 1956:
Immer noch finden im ganzen Land Demonstrationen statt. Der Zentrale Arbeiterrat schlägt der sowjetischen Regierung vor, direkte Verhandlungen aufzunehmen.

8. Dezember 1956:
Bei einer Demonstration in Salgótarján eröffnen sowjetische Truppen und ungarische Sicherheitskräfte das Feuer – die Bilanz sind 52 Tote und über 150 Verwundete. Als Reaktion ruft der Zentrale Arbeiterrat zu einem 48-stündigen Streik auf.

9. Dezember 1956:
Die Regierung erklärt sämtliche Arbeiterräte für illegal und lässt die versammelten Mitglieder verhaften. Der Zentrale Arbeiterrat von Groß-Budapest ruft daraufhin zum Generalstreik auf, in mehreren Orten kommt es zu Protesten. In Pécs hält György Marosán eine Rede vor mehr als 1.000 KommunistInnen, die in eine Pro-Regierungs Demonstration mündet. Sicherheitskräfte ermorden zwei Führer der (revolutionären) Nationalgarde.

10. Dezember 1956:
In Miskolc schießen sowjetische Truppen in eine Demonstration. In verschiedenen Städten kommt es zu Streiks und/oder Demonstrationen.

11. Dezember 1956:
Viele Ungarn folgen dem Aufruf zum Generalstreik, Bahn und öffentlicher Transport sind lahm gelegt, die Produktion steht an vielen Orten still. Die Kádár-Regierung ruft daraufhin den Ausnahmezustand aus, ordnet die Entwaffnung der Streikenden an und erlässt eine Verordnung über die Einführung des Standrechts. Die beiden Vorsitzenden des Zentralen Arbeiterrates von Groß-Budapest begeben sich zu Verhandlungen zum Parlamentsgebäude und werden dort verhaftet. Als es in der UN-Generalversammlung zu Angriffen auf die Kádár-Regierung kommt, verlässt die ungarische Delegation die Versammlung.

12. Dezember 1956:
Als in Eger Sicherheitskräfte in eine Demonstration schießen, sterben acht Mensche, 27 werden verletzt. Auch in Budapest wird demonstriert. Der ungarische Schriftstellerverband protestiert gegen die Verhaftungen und verfasst ein – auch vom jugoslawischen Verband unterstütztes – Bittgesuch für den nach Rumänien verschleppten György Lukács. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen verurteilt erneut die sowjetische Intervention in Ungarn.

14. Dezember 1956:
Das Zentralkomitee der KPdSU beschließt die Entsendung von Beratern nach Budapest.

16. Dezember 1956:
Das erste Todesurteil gegen einen Teilnehmer des Aufstandes wird verhängt: Jószef Soltész soll Waffen versteckt haben, und wird deshalb hingerichtet.

22. Dezember 1956:
Österreich beendet seine Grenzsicherungsmaßnahmen gegenüber Ungarn. Die Verhaftungen Aufständischer durch Regierungstruppen gehen weiter.

28. Dezember 1956:
Bei einer Tagung des ungarischen Schriftstellerverbandes bekennen sich die Anwesenden zu den Zielen des Aufstandes und verabschieden eine Resolution mit dem Titel "Sorge und Bekenntnis".

31. Dezember 1956:
Auch am Silvesterabend bleibt die Ausgangssperre aufrecht.

1957
Jänner
1. bis 4. Jänner 1957:
In Budapest tagen die Parteichechefs von Rumänien, Bulgarien, Ungarns, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion. In einer offiziellen Stellungnahme wird den "konterrevolutionären Kräften" des Aufstandes der Wille zur Errichtung einer faschistischen Diktatur unterstellt.

4. bis 7. Jänner 1957:
Der Stellvertretende UN-Generalsekretär Phillipe de Seynes führt in Budapest Gespräche über die Hilfe der Vereinten Nationen für Ungarn.

5. Jänner 1957:
Das von der Kádár-Regierung veröffentlichte Programm, die "Erklärung der Revolutionären Arbeiter- und Bauernregierung über die wichtigsten Aufgaben" hält fest, dass die Regierung von Imre Nagy Verrat begangen habe und für die Konterrevolution verantwortlich sei.

5. bis 7. Jänner 1957:
In Straßburg wird der "Ungarische Revolutionsrat" gegründet, der ungarische EmigrantInnen aus verschiedenen politischen Richtungen vereint.

7. Jänner 1957:
Ein Streik in der Bergbaustadt Pécsbányatelep wird von bewaffneten Sicherheitskräften niedergeschlagen.

9. Jänner 1957:
Der ehemalige ungarische Staatschef, Mátyás Rákosi, dessen Absetzung der Aufstand erzwungen hatte, meldet sich aus Moskau zu Wort. In einem Brief an Chruschtschow kritisiert er die Kádár-Regierung unter der sich die "langsam und zielstrebig die kalte Gegenrevolution fortsetzen würde".

10. Jänner 1957:
Die UN-Vollversammlung setzt einen Sonderausschuss zur Untersuchung der Situation in Ungarn ein.

11. Jänner 1957:
Die Übertragung der Fabriksleitung des Stahlwerks Csepel an einen Regierungskommissar führt zu Protesten der ArbeiterInnen, die von bewaffneten Sicherheitskräften unterdrückt werden. Ein Arbeiter stirbt an seiner Schussverletzung.

12. Jänner 1957:
Per Regierungserlass wird ein beschleunigtes Strafverfahren eingeführt und in allen Fabriken mit mehr als 100 Arbeitern das Standrecht verhängt. Einen Tag darauf wird es auf "alle konterrevolutionären Delikte" – etwa Organisation von Widerstand, oder Aufwiegelung zur Revolte – ausgedehnt.

17. Jänner 1957:
Das Innenministerium verbietet die Tätigkeit des ungarischen Schriftstellerverbandes. Noch im Lauf des Monats werden 15 Schriftsteller verhaftet.
Der Sonderausschuss der Vereinten Nationen nimmt seine Tätigkeit auf.

19. Jänner 1957;
Zwei Revolutionäre, József Dudás und János Szabó werden hingereichtet.

Februar
2. Februar:
Kádár kündigt den Ausschluss von Imre Nagy, Géza Losonczy, Mátyás Rákosi und Ernö Gerö aus der Partei an. An der jugoslawisch-ungarischen Grenze wird die Grenzzone wieder eingerichtet.

20. Februar
Der Sonderausschuss der UN legt seinen ersten Zwischenbericht vor.

26. Februar:
Kádár kündigt bei einer Sitzung des Zentralkomitees der Ungarischen Sozialistischen Arbeiter Partei die Einleitung von Untersuchungen gegen Imre Nagy und andere an.

27. Februar:
Vor ausländischen Reportern erklärt ein Regierungssprecher, dass kein Gerichtsverfahren gegen Imre Nagy geplant sei.

März
Da das Regime für den ungarischen Nationalfeiertag am 15. März erneut Proteste und Aufstände befürchtet finden in der ersten Monatshälfte Massenverhaftungen im ganzen Land statt.

Ab 11. März tag der UN-Sonderausschuss in Genf, später auch in anderen europäischen Städten.

15. März 1957:
Budapest wird demonstrativ von bewaffneten Kräften besetzt um jeden Gedanken an Protest im Keim zu ersticken.

21. bis 28. März:
Die erste offizielle Auslandsreise der ungarischen Regierung führt nach Moskau, wo sich Kádár unter anderem politische Unterstützung für Gerichtsverfahren gegen Imre Nagy und andere sichert, sowie wirtschaftliche Hilfe für Ungarn. Kádár ersucht die Sowjetunion außerdem um Entsendung von Beratern und schließt einen Vertrag, der die Stationierung sowjetischer Truppen temporär regelt.

April
5. April 1957:
Kádár ersucht die jugoslawische Regierung um Aufhebung des Asylrechts von Imre Nagy und seinen BegleiterInnen.

13. April 1957:
Nach fast einem halben Jahr wird in Budapest die Ausgangssperre aufgehoben.

17. April 1957:
Imre Nagy und seine Mitgefangenen werden unter strenger Geheimhaltung aus Rumänien nach Budapest zurück transportiert. Die Gefangenen werden gefesselt und mit verbundenen Augen transportiert.

21. April 1957:
Der Ungarische Schriftstellerverband wird aufgelöst. In der Folge wird eine Reihe von prominenten Mitgliedern verhaftet.

Mai
1. Mai 1957:
An der Grenze zu Österreich wird mit der Errichtung neuer Minensperren begonnen.

7. Mai 1957:
Nachdem einer Erklärung der USA keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen zu wollen, demonstrieren ungarische StudentInnen vor der US-Botschaft in Wien. Im Flüchtlingslager Traiskirchen kommt es zu Hungerstreiks.

27. Mai 1957:
Ein zwischen Ungarn und der Sowjetunion geschlossenes Abkommen regelt die Stationierung sowjetischer Truppen in Ungarn.

28. Mai 1957:
Nach einem Erlasse des Innenministeriums zur politischen Säuberung der Polizei wird mehr als ein Viertel der BeamtInnen entlassen.

30. Mai 1957:
Das Internationale Rote Kreuz wird von Seiten der ungarischen Regierung aufgefordert seine Tätigkeit in Ungarn bis zum 30. Juni zu beenden.

Juni
20. Juni 1957:
Der Endbericht des UN-Sonderausschusses wird in New York vorgelegt und postwendend von der Kádár-Regierung als Einmischung in die inneren Angelegenheiten verurteilt.
(Download des UN-Sonderberichts in englischer Sprache: http://mek.oszk.hu - PDF)

20./21. Juni:
János Kádár und Béla Biszku halten sich zu einem inoffiziellen Besuch in Moskau auf.

27. bis 29. Juni:
Auf der Landesparteikonferenz der Ungarischen Sozialistischen Arbeiter Partei (USAP) wird die neue Organisationssatzung der Partei beschlossen und Kádár zum Ersten Sekretär des ZK gewählt.

Juli
4. Juli:
Ein Regierungsbeschluss hält fest, dass die Stationierung sowjetischer Truppen wegen der "Gefährdung der Sicherheit der sozialistischen Länder durch den Westen" notwendig sei.

September
9. September:
In Leningrad werden StudentInnen, die 1956 an der Universität Solidaritätskundgebungen für Ungarn organisierten und Flugblätter verteilten vor Gericht gestellt. Die Prozesse enden mit Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.

10.-14. September:
Der Bericht des Sonderausschusses wird in der UN-Generalversammlung diskutiert und mit 60 Ja- zu 14 Nein-Stimmen bei 10 Enthaltungen verabschiedet. Prinz Wan wird zum ständigen Beobachter für ernannt, doch die ungarische Regierung verweigert ihm die Einreisegenehmigung.

Oktober
15. Oktober:
Landesweit werden von Regime-GegnerInnen Flugzettel verteilt und Plakate affichiert.

23. Oktober:
Weltweit wird zum Jahrestag an den ungarischen Aufstand erinnert – Gedenkveranstaltungen finden u.a. in München, Bonn, West-Berlin, im Europarat in Straßburg, in Zürich, Saigon, Oslo, Den Haag, Rom, Madrid, New York, Johannesburg, Washington, Santiago de Chile, Kopenhagen, Stockholm, Reykjavik und Sydney statt. In London erscheint die erste Ausgabe der von EmigrantInnen verfassten Zeitung Népszava.
In der ungarischen Hauptstadt sichert ein Großaufgebot von Polizei, Armee und Arbeitermilizen die Straßen und insbesondere die Schauplätze der Revolution, mehrere hundert Personen werden festgenommen.

November
2. November
Das Standrecht wird aufgehoben.

1958
Jänner
3. bis 7. Jänner:
Der UN-Hochkommissar für Flüchtlingsfragen besucht Budapest.

Februar
5./6. Februar
Imre Nagy und acht weitere Angeklagte stehen in Budapest in einem Geheimprozess vor Gericht. Die Vorwürfe lauten auf Verschwörung mit dem Ziel die volksdemokratische Staatsordnung Ungarns zu stürzen, auf Landesverrat bzw. Organisation einer militärischen Meuterei.

Juni
9.-16. Juni
Die Gerichtsverhandlung wird fortgesetzt und endet am 15. Juni mit der Urteilsverkündung. Imre Nagy und zwei weitere Angeklagte werden zum Tod verurteilt und gemeinsam mit einem ehemaligen Nationalgardisten am 16. Juni hingerichtet. Die restlichen Angeklagten erhalten hohe Haftstrafen auferlegt.

17. Juni
Die Urteile werden veröffentlicht. Die Nachricht von den Hinrichtungen löst in westlichen Ländern Proteste aus.

21. Juni
Eine UN-Deklaration verurteilt die Verfahren.

September
Die restlichen MitstreiterInnen Nagys, die nicht verhaftet worden waren, kehren nach Ungarn zurück.

November
16. November
Die ersten Parlamentswahlen nach der Revolution enden mit einem Ergebnis von 99,6 Prozent für die KandidatInnen der Einheitsliste der Patriotischen Volksfront.

1959
3. April
Eine Teilamnestie für Verurteilte mit Haftstrafen von weniger als zwei Jahren wird erlassen.

8.-10. Dezember
Die Vereinten Nationen diskutieren erneut über die Situation in Ungarn.

1960
31. März
Eine Teilamnestie bringt die Entlassung von einigen der im Frühjahr 1957 verhafteten Schriftsteller und bürgerlichen Politiker sowie von AVH-Leuten und stalinistischen Politikern.

1961
26. August
Die letzten Hinrichtungen im Zusammenhang mit der Revolution von 1956 finden statt.

1962
16. August
Vom ZK der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei werden Mátyás Rákosi und Ernö Gerö aus der Partei ausgeschlossen.

20. Oktober
In Geheimverhandlungen erzielen die USA und Ungarn die Übereinkunft, dass die ungarische Frage von der Tagesordnung der Vereinten Nationen abgesetzt wird, wenn Ungarn im Gegenzug eine Generalamnestie erlässt.

18.-20. Dezember
Auf Anstoß der USA wird Ungarn von der Agenda der UNO gestrichen.

1963
21. März
Kádár kündigt im Parlament eine Generalamnestie an, die auch für wegen Verbrechen unter dem Rákosi-Regime Verurteilte gilt. Ausgenommen sind TeilnehmerInnen der Revolution, die wegen Mordes oder Landesverrats verurteilt worden waren – insgesamt mehrere Hundert Personen.

1967
Die in Wien ansässigen UngarInnen werden als autochthone Minderheit anerkannt.

1971
Die letzten 800 politischen Gefangenen von 1956 kommen frei.

1986
Oktober
Anlässlich des 30. Jahrestages halten unterschiedliche oppositionelle Strömungen eine illegale Konferenz zur Geschichte der Revolution ab. 1987 veröffentlicht die Samisdat-Zeitung Beszélö das Protokoll der zweitätigen Sitzung. Obwohl der Großteil der gedruckten Auflage beschlagnahmt wird, bildet die Konferenz eine wichtige Grundlage für die weitere oppositionelle Arbeit.

1988
16. Juni:
Einweihung eines symbolischen Grabes zu Ehren der in Ungarn hingerichteten auf dem Friedhof Père Lachaise (Paris)

1989
Jänner:
In einer Radiosendung bezeichnet der Reformkommunist Imre Pozsgay die Ereignisse von 1956 als „Volksaufstand“ und signalisierte damit die Veränderung der offiziellen Geschichtsdeutung die bis dahin an der Deutung der Ereignisse als „Konterrevolution“ festgehalten hatte, auch wenn seit den 70er Jahren in der Öffentlichkeit häufig die Bezeichnung „nationale Tragödie“ verwendet worden war.

16. Juni
Feierliche Beisetzung der sterblichen Überreste von Imre Nagy und einiger seiner Mitstreiter sowie eines symbolischen leeren Sarges, der für die unbekannten Opfer der Revolution steht. Das ungarische Fernsehen überträgt die Zeremonie, zu der auch internationale Gäste anreisten. Mehr als 200.000 Menschen erweisen den Toten am Budapester Heldenplatz die letzte Ehre.

27. Juni
Die Außenminister von Ungarn und Österreich, Gyula Horn und Alois Mock, durchtrennen den Stacheldraht des "Eisernen Vorhangs" zwischen Nickelsdorf und Hegyeshalom.

6. Juli
Rehabilitierung von Imre Nagy und seinen Mitangeklagten durch den Obersten Gerichtshof. Der schwer kranke János Kádár stirbt.

19. August
Über die erstmals geöffnete Grenze reisen Hunderte DDR-BürgerInnen in den Westen.

23. Oktober
Ungarn wird zur Republik.

1990
25. März
Die ersten freien Parlamentswahlen finden statt. Das erste von der Republik erlassene Gesetz greift die Erinnerung an 1956 auf und erklärt den 23. Oktober zum Nationalfeiertag.

26. Juni
Ungarn tritt aus dem Warschauer Pakt aus.

6. November
Beitritt Ungarns zum Europarat

1991
Oktober
Per Gesetz werden die Verjährungsfristen aufgehoben um die Täter von 1956 noch bestrafen zu können.

16. Dezember
Unterzeichnung eines Assoziationsabkommens zwischen der EG und Ungarn.
Bis Ende des Jahres verlassen die in Ungarn stationierten sowjetischen Soldaten das Land.

1999
10. März
Beitritt Ungarns zur NATO

2003
12. April
Volksabstimmung in Ungarn, 83,76 Prozent der abgegebenen Stimmen befürworten den Beitritt zur Europäischen Union. Wenige Tage später wird der Beitrittsvertrag in Athen unterzeichnet.

2004
1. Mai
Gemeinsam mit neun weiteren Staaten tritt Ungarn der Europäischen Union bei.

Quellen:
http://www.ungarn1956.de
Profil 42/2006, 16. Oktober
Europäische Union/Ausschuss der Regionen - http://www.cor.europa.eu/ (PDF)

Letzes Update: 04/2015

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