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Sozialer Wohnbau in Wien

1840 bis 1918
Zuwanderungswelle aus den Kronländern der Donaumonarchie nach Wien, die EinwohnerInnenzahl Wiens steigt auf über zwei Millionen. Mietshäuser ("Zinskasernen") mit Bassena-Wohnungen für IndustriearbeiterInnen entstehen. Für die Wohnungen sind hohe Mieten zu bezahlen, viele Wohnungen sind überbelegt, die Zahl der Untermieter und "Bettgeher" steigt; das Wohnungselend wird immer schlimmer.

1883

Der "Verein für Arbeiterhäuser" mit dem Ziel einer Lösung des Wohnungsproblems wird gegründet. Es entstehen aber nur 18 Einfamilienhäuser.

1898

Die Kaiser Franz Joseph I. Jubiläums-Stiftung für Volkswohnungen und Wohlfahrtseinrichtungen entsteht als Nachfolgerin des Vereins für Arbeiterhäuser.

1904

12.7.: Das Städtische Versorgungsheim Lainz, Prestigeobjekt der christlich-sozialen Stadtverwaltung, wird seiner Bestimmung übergeben.

1907
Gründung der Zentralstelle für Wohnungsreform in Österreich, die sich mit statistischen Erhebungen zur Wohnungsnot befasst und gesetzgeberische Maßnahmen anregen will.

1910
Ein Teil der Gebäudesteuer wird zur Dotierung eines Wohnungsfürsorgefonds zweckgewidmet. Dieser Fonds bildet die finanzielle Grundlage für eine gewisse Ausweitung der gemeinnützigen Bautätigkeit; bis 1918 wurden etwa 8.000 neue Wohnungen errichtet.

1910/1911

Unzufriedene MieterInnen und Obdachlose rebellieren erstmals in zum Teil blutig niedergeschlagenen Massenprotesten gegen die Wohnungsnot und den Mietenwucher.

1911
Reform der Gebäudesteuer, wodurch Kleinwohnungen etwas ent- und Häuser mit Großwohnungen stärker belastet werden.

1912

Das Arbeiterheim nach Plänen von Hubert Gessner wird eröffnet. Der Bautyp wird wegweisend für die späteren Gemeindebauten des Roten Wien.

ab 1912

250 Notstandswohnungen zur Unterbringung Obdachloser entstehen.

1913

Der 1910 gegründete "Wohnungspolitische Ausschuss" wird in eine eigene Magistratsabteilung für städtische Wohnfürsorge umgewandelt.

1913.
11.2.: Die Sozialdemokraten erringen in den auf Basis des Kurienwahlrechts durchgeführten Gemeinderatswahlen die Mehrheit. Jakob Reumann wird Bürgermeister (bis 1923).

ab 1914/1915

Aufgrund des steigenden Wohnungs- und Lebensmittelmangels werden immer mehr "wilde Siedlungen" auf stadteigenem Gelände errichtet. Eine gut organisierte kooperative Siedlungsbewegung entsteht.

1917

Kaiserliche Verordnung gegen die kriegsbegünstigte Mietenspekulation.

1919

4.5.: Bei den ersten aufgrund des allgemeinen und gleichen Wahlrechts durchgeführten Wahlen erreichen die Sozialdemokraten die Mehrheit.

1919/1920

Der erste Gemeindebau, der Metzleinstaler Hof am Margaretengürtel, entsteht. Die Hofanlage umfasst 252 Wohnungen (die Zahl der Wohnungen folgt hier und im Weiteren bis 1945 den Angaben in Hans Hautmann / Rudolf Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919–1934, Wien 1980)

1921

Ein "Bundes-Wohn- und Siedlungsfondsgesetz" (in Nachfolge des Wohnungsfürsorgegesetzes von 1910) wird verabschiedet. Auf kommunaler Ebene wird der Wiener Siedlerbewegung bis 1922 eine gewisse finanzielle Unterstützung geleistet.

1922

1.1.: Wien wird ein eigenes Bundesland und erlangt die Steuerhoheit. Diese bildet den Startschuss für die Steuerreformen des Finanzministers Hugo Breitner. Die Einführung der "Wohnbausteuer" (progressive Staffelung) und eine Reihe von "Luxussteuern" (darunter auch für Badezimmer) schaffen die Grundlage für die Pionierleistungen des kommunalen Wohnbaus.

1922

Das neue Mietengesetz spaltet die Hauserträgnisse in Grundzins, Instandhaltungszins und in Betriebskosten auf. Der Grundzins, der das eigentliche Einkommen des Hausbesitzers ausmacht, wird gesetzlich mit dem halben Jahreszins von 1914 festgesetzt. In Folge sinken die Wohnungskosten. Angehoben wird der Grundzins bei Altmiethäusern u.a. 1929, 1951 und 1967.

1922–1925/26
Der Gemeindebau Heimhof in Wien-Fünfhaus mit 352 Wohnungen wird errichtet. Er ist das einzige Einküchenhaus Wiens.

1923

20.1.: Der Wiener Gemeinderat beschließt die Einführung einer neuen zweckgebundenen Wohnbausteuer, die zur wichtigsten Finanzierungsgrundlage für die städtische Bautätigkeit wird und progressiv gestaffelt ist.

1923

21.9.: Der Gemeinderat beschließt auf Basis der neuen Wohnbausteuer in den Jahren 1924–1928 25.000 Wohnungen zu bauen.

1924
Der Gemeindebau Jakob-Reumann-Hof in Wien-Margareten mit 478 Wohnungen wird nach Plänen von Hubert Gessner erbaut. Es ist die erste große Straßenhofanlage Wiens.

1925

Der Matzleinsdorfer Hof in Wien-Margareten wird eröffnet.

1925

Der Gemeindebau Winarsky-Hof in Wien-Brigittenau mit 534 Wohnungen nach Plänen von Peter Behrens, Josef Frank, Josef Hoffmann, Oskar Strnad und Oskar Wlach wird eröffnet.

1926
Im Rahmen eines umfangreichen Wohnbauprogramms der Stadt Frankfurt entwickelt die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky die "Frankfurter Küche" für Ernst Freys "Neues Frankfurt".

1926

8.7.: Eröffnung des nach Plänen von Karl von Schmalhofer und Otto Nadel erbauten Amalienbads. Der Bau wird richtungsweisend für den europäischen Bäderbau.

1927

Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei ist auf dem Höhepunkt ihrer Machtentfaltung, sie zählt 694.000 WählerInnen (davon sind 60,3 %/387.000 Parteimitglieder) und gehört damit auch im internationalen Vergleich zu einer der bestorganisierten Parteien.

Ende 1927: Das Wohnbauprogramm ist vorzeitig erfüllt und wird auf 30.000 Wohnungen erhöht. Zudem wird ein zweites Wohnprogramm für 30.000 Wohnungen beschlossen.

15.7.: Politische Unruhen und Brand des Justizpalastes.

1928
Der Gemeindebau Rabenhof in Wien-Erdberg mit 1.109 Wohnungen nach Plänen von Heinrich Schmid und Hermann Aichinger wird eröffnet.

1929
Der Gemeindebau Karl-Seitz-Hof in Wien-Floridsdorf mit 1.173 Wohnungen wird eröffnet.

1930
Eröffnung des Gemeindebaus George-Washington-Hof mit 1.084 Wohnungen in der Triester Straße.

1930
Eröffnung des Gemeindebaus Goethehof in Kaisermühlen mit 727 Wohnungen.

1930

12.10.: Eröffnung des nach Plänen von Karl Ehn erbauten Karl-Marx-Hofes in Wien-Heiligenstadt mit insgesamt 1.325 Wohnungen.

1931

Neuregelung des Finanzausgleiches, durch die sich die finanziell angespannte Situation Wiens weiter zuspitzt. Der kommunale Wohnbau kommt in Folge allmählich zum Erliegen.

1932
Die "Werkbund-Siedlung" im 13. Bezirk mit Häusern u.a. von Josef Frank, Gerrit Rietveld, Adolf Loos und Grete Schütte-Lihotzky wird eröffnet.

Herbst: Das Bundesministerium für soziale Verwaltung erlässt Richtlinien zur Errichtung von "Randsiedlungen" mit zusätzlicher agrarischer Produktion und kleinen Grundstücken. Die Siedler sollen auf ihrer Parzelle eine eigene Subsistenzbasis haben, aber bei Bedarf wieder als Teilzeit- oder Vollzeitarbeitskräfte in den industriellen Arbeitsprozess integrierbar sein. Bis 1936 entstehen in ganz Österreich im Rahmen dieser Randsiedlungsaktion etwa 5.400 Siedlerstellen (Stadtrandsiedlung Leopoldau, Breitensee, Aspern, Hirschstetten).

1933
4.3.: Ausschaltung des Parlaments durch die Regierung, autoritäres Regime.

Die Wohnhaus-Anlage am Friedrich Engels-Platz in Wien-Brigittenau wird nach Plänen von Rudolf Perco eröffnet, mit 1.467 Wohnungen ist sie eines der größten kommunalen Wohnbauprojekte.

200.000 WienerInnen leben in 53.667 Gemeindewohnungen, 5.257 WienerInnen leben in Siedlungshäusern, die von der Gemeinde Wien errichtet wurden.

25.3.: Auflösung und Verbot des (sozialdemokratischen) "Republikanischen Schutzbundes".

1934
Februar: Bis Februar 1934 werden 61.175 Wohnungen in 348 Wohnhausanlagen, 42 Siedlungen mit 5.227 Wohnhäusern und 2.155 Geschäftslokalen fertig gestellt. Die Gemeinde Wien verwaltet somit 66.270 Wohnungen und 3.697 Geschäftslokale (zumeist spricht man von rund 64.000 Gemeindewohnungen, die von der Stadt Wien bis 1934 errichtet wurden).

12.–15.2.1934: Bürgerkrieg; blutige Kämpfe zwischen Sozialdemokraten und Republikanischem Schutzbund (1933 verboten) einerseits und Christlich Sozialen sowie Heimwehr und Regierung andererseits. Verbot der Sozialdemokratischen Partei und Absetzung der sozialdemokratischen Stadtverwaltung. Auch die Gemeindebauten (z. B. Karl-Marx-Hof oder George-Washington-Hof) sind Stätten der blutigen Auseinandersetzung und werden umbenannt. Der Karl-Marx-Hof heißt bis 1945 Heiligenstädter Hof.
25.7.: Putschversuch der Nationalsozialisten, Ermordung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (Nachfolger Kurt von Schuschnigg).

1938
13.3.: "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich.

1.10.: Schaffung von Groß-Wien durch die Eingliederung von 97 niederösterreichischen Randgemeinden.

1939
Ende April: Bereits unmittelbar nach dem "Anschluss" kommt es zu "wilden" Wohnungsübernahmen. Mit der Aufhebung des Mieterschutzes für Juden sichert sich die nationalsozialistische Kommunalpolitik den gezielten Zugriff auf die rund 70.000 Wohnungen jüdischer Mieter oder Eigentümer. Das 1939 vorgestellte Wohnbauprogramm für 60.000 Wohnungen wird nicht umgesetzt. Die nationalsozialistische Stadtverwaltung selbst baut jährlich nicht mehr als 300 Wohnungen; insgesamt entstehen in der NS-Zeit nur knapp 3.000 neue Wohnungen.

1941
Baubeginn für die Wienerfeldsiedlung in Wien-Favoriten. Mit 500 Wohnungen gehört sie zu den größten Wohnbauprojekten während der NS-Herrschaft.

1942
Der Wohnungsbau kommt völlig zum Erliegen.

1945
12.3.: Schwerer Luftangriff auf Wien. Zerstörung bedeutender Bauwerke wie der Staatsoper.

13.4.: Die Befreiung Wiens durch die Truppen der Roten Armee ist abgeschlossen. Rund 13 Prozent des gesamten Wiener Wohnhausbestandes sind zerstört. Von 706.047 Wohnungen (1939) sind 86.875 Wohnungen unbewohnbar. Rund 35.000 Menschen sind obdachlos.

April: Die erste Wiener Stadtverwaltung formiert sich. Ihr gehören sechs Sozialisten, drei Angehörige der Österreichischen Volkspartei und drei Vertreter der Kommunistischen Partei an. Bürgermeister wird der Sozialist Theodor Körner.

27.4.: Feierliche Proklamation der österreichischen Unabhängigkeit durch die Provisorische Staatsregierung.

9.7.: Alliiertes Zonenabkommen: Wien wird in vier Besatzungszonen geteilt.

Juli: Enquete über den Wiederaufbau Wiens als Signal zum Neubeginn der Stadtplanung und des Wohnbaus. Maßgebliche Schwierigkeiten für den Wiederaufbau liegen im Baustoff-, Transport- und Facharbeitermangel. Der Wiederaufbau wird praktisch mit den Händen begonnen; der Neubau von Wohnungen ist in den ersten Jahren nicht sehr erfolgreich. Durch Energie-, Rohstoff- und Arbeitskräftemangel sowie mangelhafte Ernährung kann das Bauprogramm bis 1949 nur teilweise erfüllt werden.

1947
5.5.: Hungerdemonstration der Wiener Arbeiterschaft.

Juli: Nach 13-jähriger Unterbrechung wird erstmals wieder eine städtische Wohnhausanlage (in Wien-Favoriten, Friedrich Knauer-Gasse) den MieterInnen übergeben.

August: Grundsteinlegung für die Per-Albin-Hansson-Siedlung am Laaer Berg, die mit schwedischer Hilfe errichtet wird.

1948
Der Wohnhauswiederaufbaufonds zur Wiederherstellung eines durch Kriegseinwirkung beschädigten oder zerstörten Wohnhauses wird eingerichtet.

1949

Der Hugo-Breitner-Hof in Wien-Penzing, der erste große nach 1945 errichtete Wohnhof mit 923 Wohnungen, wird eröffnet (Die Angabe der Wohnung entstammt hier und im Folgenden der Internet-Seite "Wien im Rückblick").

1950
Der Wohnungsbedarf steigt. Wien zählt 55.248 Wohnungssuchende (davon 31.309 der ersten Dringlichkeitsstufe). Ein Schnellbauprogramm für Tausende kleine Duplex-Wohnungen (spätere Zusammenlegung von zwei Wohnungen möglich) wird gestartet.

1951
5.8.: Eröffnung der Per-Albin-Hansson-Siedlung am Laaer Berg mit über 1.000 Wohnungen.

Es fehlen noch immer rund 60.000 Wohnungen. Die Gemeinde Wien reagiert mit einem "Sozialen Schnellbauprogramm" mit Kleinwohnungen, den so genannten "Duplex-Wohnungen", die später im Bedarfsfall zu Normalwohnungen zusammengefasst werden können (z.B. Wohnhausanlage Am Schöpfwerk).

1954
Ein neues Wohnbauförderungsgesetz wird beschlossen.

Der Grundstein für die hunderttausendste Wiener Gemeindewohnung seit Beginn des sozialen Wohnbaus 1919 wird gelegt; Fertigstellung der fünfundzwanzigtausendsten Gemeindewohnung nach 1945.

1.11.: 80 von 97 ursprünglich niederösterreichischen, 1938 "Groß-Wien" eingegliederten Randgemeinden fallen an Niederösterreich zurück. Wien hat nun 23 Bezirke.

1957
Das Matzleinsdorfer Hochhaus mit 108 Wohnungen wird eröffnet. Es ist das erste Hochhaus, das im Rahmen des kommunalen Wohnbaus errichtet wird; erstmals ist eine Zentralheizung vorhanden.

1960er Jahre
Es kommt zu einer neuen Phase der Stadterweiterung, die folgende Aspekte umfasst 1) neue Wohngebiete am Stadtrand, 2) Auflockerung dicht bebauter Stadtgebiete, 3) Verbesserung der Wohnungsqualität, 4) Einführung der Montagebauweise. Die jährliche Wohnbauleistung beträgt rund 9.000 Wohnungen. Eigenheime und Genossenschaftswohnungen werden gefördert. Mit einem Nettozuwachs von über 105.000 Wohnungen erreicht die Bauleistung in den 1960er Jahren ihren absoluten Höhepunkt. Bestimmende Bauweise wird der Montagebau.

1961

Der Wiener Gemeinderat verabschiedet ein "Städtebauliches Grundkonzept", dessen Zielsetzung die Auflockerung des zu dicht verbauten Stadtgebiets bzw. die Verdichtung der zu locker verbauten Stadtregionen ist.

1968
Die Wohnbauförderungsmittel werden durch ein neues Wohnbauförderungsgesetz zusammengefasst und vereinheitlicht. In Wien wird der Wiener Wohnbaubaufonds eingerichtet. Im Rahmen dieser Förderungsaktion ist erstmals auch bei Gemeindewohnungen eine Eigenmittelleistung vorgesehen.

1969
Rekordjahr im Wohnungsbau: 5.500 Neubauwohnungen entstehen.

Wohnungsverbesserungsgesetz zur Verbesserung des Althausbestandes.

1970er Jahre

Großprojekte wie der Wohnpark Alt-Erlaa (Eröffnung 1973) und Am Schöpfwerk werden errichtet. Sie gelten als Reformprojekte im kommunalen Wohnbau. Auf Lebensqualität wird vermehrt auch als Reaktion auf die "Schlafbunker am Stadtrand" der 1960er Jahre Wert gelegt. Allmähliches Abgehen von Großprojekten und Forcierung kleinerer Bauvorhaben.

1972
Die gesamte Förderungsaktivität sowohl für den kommunalen als auch für den gemeinnützigen und privaten Wohnbau wird nur mehr auf Basis des Wohnbauförderungsgesetzes 1968 durchgeführt. Während die Gemeinde Wien bis Ende der 1960er Jahre den kommunalen Wohnbau beinahe ausschließlich aus eigenen Budgetmitteln bestritten hat, werden seit 1973 nur noch Gemeindewohnungen errichtet, für die Mittel aus der Bundeswohnbauförderung in Anspruch genommen werden können.

1973
Die Zahl der von gemeinnützigen Wohnbauvereinigungen fertig gestellten Wohnungen übertrifft erstmals die Gesamtzahl der Wohnungsneubauten.

1974

Stadterneuerungsgesetz zur Sanierung abgewohnter Stadtteile, zur Beseitigung von Infrastrukturschäden und zur Schaffung von Entwicklungsmöglichkeiten im innerstädtischen
Kern.

1980er Jahre
Die Sanierung des Althausbestandes wird forciert. Das Konzept der "sanften Stadterneuerung" wird entworfen. Stadterneuerung und Wohnungsverbesserung stehen im Vordergrund.

1981
9.–11.12.: 4. Wiener Volksbefragung zur Frage, ob der soziale Wohnbau durch Gemeinde und Genossenschaften weiterhin eine vorrangige Aufgabe der Wiener Kommunalpolitik sein soll. 17,85 % der WienerInnen sprechen sich dafür und 3,55 % der WienerInnen dagegen aus.

1984
Gründung des Wiener Stadterneuerungs- und Bodenbereitstellungsfonds (WBSF) .

1980er Jahre

Ende 80er Jahre: Die Stadterneuerungswelle erfasst auch die mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden großen Gemeindebauten der Zwischenkriegszeit: Rabenhof, Karl-Marx-Hof, George-Washington-Hof, Goethehof u.a.

Ende 80er Jahre: Der Wohnungsbedarf steigt aufgrund einer Wanderungsbewegung aus den östlichen Nachbarländern, dem Ansteigen der Single-Haushalte sowie höherer Ansprüche. Eine Bau-Offensive der Stadt Wien soll den Bau von 21.000 Wohnungen in vier Jahren gewährleisten.

1983–1985

Bau des Hunderwasserhauses, des derzeit wohl berühmtesten Gemeindebaus Wiens.

1989
Das Wiener Wohnbauförderungs- und Assanierungsgesetz wird beschlossen und reagiert auf die gestiegene Nachfrage nach Wohnbauförderung.

Seit 1994
Aufgrund der Förderung von 10.000 neuen Wohnungen im Jahr verringern sich die Wartezeiten auf Gemeindewohnungen drastisch.

1990er Jahre
Projekte mit verschiedener Schwerpunktsetzung im Bereich des sozialen Wohnbaus werden durchgeführt: Die Siedlung Satzingerweg des französischen Star-Architekten Jean Nouvelle, die das Projekt "interkulturelles Wohnen" beheimatet; das Projekt Josef Baumann-Gasse (Sun-City), das zu 40 % mit Solarenergie versorgt wird; das Projekt "Frauen-Werk-Staat" Carminweg, auf dessen Grundlage neue Alltagsqualitäten für Frauen geschaffen werden sollen; die Thermensiedlung Oberlaa, in der Regenwasser genutzt und teilweise mittels Abwärme der Therme Oberlaa geheizt wird.

2000
Bei den Wiener Gemeinderatswahlen wird die Öffnung der Gemeindewohnungen für AusländerInnen zum Wahlkampfthema. Die SPÖ kündigt an, die Gemeindebauten für AusländerInnen zu öffnen.

2001
Erste Öffnung der Gemeindebauten für AusländerInnen. Insgesamt 2.000 Notfallswohnungen, darunter auch 600 Gemeindewohnungen, können auch an ZuwandererInnen ohne EWR-Pass vergeben werden.

Frühjahr: Von der Wiener SPÖ werden Pläne vorgelegt, nach denen jährlich bis zu 5.000 geförderte Neubauwohnungen mit Integrationsschwerpunkt errichtet werden sollen.

bis 2001
Sukzessive Fertigstellung der Großbauten der Donaucity, in denen sich im Wohnpark Donaucity auch ca. 1.000 Wohnungen befinden. Obwohl auf der exklusiven Donauplatte gelegen, sollen die Wohnungen durch die öffentliche Wohnbauförderung auch für DurchschnittsverdienerInnen leistbar sein. Der Stellenwert des sozialen Wohnbaues (auch in der Gegenwart) soll damit dokumentiert werden.

2002
In den rund 220.000 Wiener Gemeindewohnungen können LebensgefährtInnen nun (zu Lebzeiten) gemeinsame Mieter sein. Bisher stand dieses Recht nur Ehepartnern zu. Die Öffnung des Eintrittsrechtes in den Mietvertrag gilt sowohl für heterosexuelle als auch homosexuelle LebensgefährtInnen.

2006

Seit 23. Jänner muss die EU-Richtlinie zur Gleichbehandlung von AusländerInnenn, die sich länger als fünf Jahre im Land aufhalten, umgesetzt werden. Dies betrifft auch den Zugang zu Gemeindebauten und geförderten Wohnungen in der Bundeshauptstadt.

2008
Wiener Wohnen führt die größte MieterInnenbefragung Österreichs durch: Rund 45.000 GemeindebaubewohnerInnen in Wien nehmen teil. Die Ergebnisse fallen recht positiv aus: Über 85% fühlen sich in ihrer Wohnung „gut“ oder „sehr gut“. Vier von fünf Befragten fühlen sich zudem in ihrer Wohnung und Wohnanlage sicher. Allerdings bemängelt jede/r Zweite, dass andere MieterInnen gegen die Hausordnung verstoßen würden.

Weiters startet eine Sanierungsoffensive: Das Budget für die Sanierung von Gemeindebauten wird von der Stadt Wien erheblich aufgestockt. Im Jahr 2008 werden mit Investitionen von 132 Mio Euro rund 6.200 Wohnungen saniert. Auch für die kommenden Jahre sind gesteigerte Sanierungsleistungen geplant. Insgesamt wird das Sanierungsvolumen seit 2008 mehr als verdoppelt.

2009
Seit Herbst 2009 sind in den Wiener Gemeindebauten OrdnungsberaterInnen unterwegs, die verstärkt auf die Hausordnung aufmerksam machen und deren Einhaltung kontrollieren sollen. Bei Verstößen gegen die Hausordnung sind Abmahnungen oder auch Anzeigen möglich.
Im Rahmen des Services „Wiener Wohnen unterwegs“ machen zudem Wiener-Wohnen-Busse Station in verschiedenen Wiener Gemeindebauten. Berater kümmern sich um die Anliegen und Probleme der BewohnerInnen.

2010
Anfang des Jahres nimmt der neue Nachbarschaftsservice „Wohnpartner“ seine Arbeit in den Wiener Gemeindebauten auf: 105 MitarbeiterInnen sollen sich für ein gutes Zusammenleben in den Gemeindebauten einsetzen und in Konflikten vermitteln.

Darüber hinaus wird 2010 das Wohnbauförderungsgesetz geändert: Bisher durften höchstens 47.270 Euro netto pro Jahr verdient werden, jetzt sind es für einen Drei-Personen-Haushalt 67.490 Euro. Die Gemeindebauten sollen so für neue Zielgruppen geöffnet und besser sozial durchmischt werden.

2013
Insgesamt befinden sich etwa 220.000 Wiener Wohnungen in Gemeindebesitz. Dies entspricht einem Fünftel aller Wohnungen in Wien.


Quellen:
Siegfried Mattl: Wien im 20. Jahrhundert (= Geschichte Wiens Band VI). Pichler Verlag, Wien 2000  Patrik-Paul Volf / Rainer Bauböck: Wege zur Integration. Was man gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit tun kann (Band 4 der Publikationsreihe des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur zum Forschungsschwerpunkt Fremdenfeindlichkeit), Drava-Verlag, Klagenfurt/Celevec 2001
Peter Eigner / Herbert Matis / Andreas Resch: Sozialer Wohnbau in Wien. Eine historische Bestandsaufnahme, in: Jahrbuch des Vereins für die Geschichte der Stadt Wien, 1999, S. 49–100 Hans Hautmann / Rudolf Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919–1934, Wien 1980 www.wien.gv.at/rk/msg/2010/05/03017.html

Last Update: 04/2015

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