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Prag, Budapest und Wien im 20. Jahrhundert

1918
4.10.: Nachdem klar wird, dass die Mittelmächte den Ersten Weltkrieg verloren haben, stimmt Österreich-Ungarn dem deutschen Waffenstillstandsangebot zu.

20.10.: US-Präsident Wilson fordert die Anerkennung der Selbständigkeit der Völker Österreich-Ungarns. Die Donaumonarchie löst sich nach der Revolution in Wien und der Eröffnung einer deutsch-österreichischen Nationalversammlung (21.10.1918) auf. Österreich verliert große Teile seines ehemaligen Territoriums.

28.10.: Ausrufung des tschechoslowakischen Staates. T.G. Masaryk wird erster Staatspräsident.

16.11.: Ausrufung der ungarischen Republik.

1919
9.10.: Unterzeichnung des Friedensabkommens mit Österreich in Saint Germain-en-Laye. Anerkennung der Selbständigkeit Ungarns und der Tschechoslowakei.

1920
20.6.: Vertrag von Trianon: Ungarn verliert 2/3 seines Staatsgebietes und 1/3 seiner Bürger, 3 Millionen Ungarn verbleiben außerhalb der Landesgrenzen.

1919/20-1944
Ungarn: Ära des Reichsverwesers Miklós Horthy. Er bemüht sich von Anfang an um Revision der Grenzen und richtet einen parlamentarisch-bürgerlichen Staat mit diktatorischen Elementen ein.

1920-1930
Mit dem Zerfall der Donau-Monarchie verliert Wien seine Position als Finanz-, Handels- und Organisationszentrum Mitteleuropas. Gleichfalls erleidet Budapest durch die Reduzierung des Wirtschafts- und Verwaltungsbereichs auf den Kleinstaat Ungarn einen Zerfallsschock. Prag wird zur neuen Metropole Mitteleuropas und kann durch die Einbeziehung der Slowakei und Teile der Karpato-Ukraine in die tschechoslowakische Republik auf ein Hinterland von 13,6 Mio. Einwohner zurückgreifen. Gründerzeit. Zahlreiche Prunkbauten entstehen in Prag.

1938
13.3.: "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich.

30.5.: Geheimbefehl Hitlers zur Zerschlagung der Tschechoslowakei.

29.9.: Konferenz in München zwischen Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier. Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland ("Münchner Abkommen").

1939
15.3.: Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in der CSSR. Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren.

1.9.: Angriff Nazi-Deutschlands auf Polen. Beginn des Zweiten Weltkrieges.

1940
Bildung einer tschechischen Exilregierung unter Eduard Benes in London.

1941
Juni: Ungarn gestattet im Zweiten Weltkrieg den Durchzug deutscher Truppen nach Jugoslawien und erklärt der Sowjetunion den Krieg. Nach der Vernichtung der 2. ungarischen Armee "Schaukelpolitik".

1944
19.3.: Besetzung Budapests durch deutsche Truppen, nach sechswöchiger Belagerung.

28.12.: Kriegserklärung der provisorischen Regierung Ungarns an das Deutsche Reich.

1945
20.1.: Waffenstillstand Ungarns mit Moskau.

4.4.: Eroberung Ungarns durch die Rote Armee.

27.4.: Proklamation der österreichischen Unabhängigkeit durch die Provisorische Staatsregierung.

7.5.: Bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches.

9.5.: Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag. Beginn der Vertreibung der Deutschen (Sudetendeutschen) aus der CSSR.

1948
25.2.: Vollständige Machtergreifung der Kommunisten in der CSSR: Verfassungsänderung, Umgestaltung des Landes nach sowjetischem Muster.

1949
20. August: Die Verfassung der "Volksrepublik Ungarn" nach sowjetischem Muster tritt in Kraft.

1950
Freundschaftsvertrag Ungarns mit der UdSSR und auf sowjetischen Druck Fusion der Kommunisten und Sozialdemokraten.

1956
23. Oktober: Beginn des Ungarn-Aufstands. Demonstrationen für den Abzug der sowjetischen Truppen, Auflösung der Geheimpolizei, freie Wahlen, Pressefreiheit u.a. werden von der Roten Armee blutig niedergeschlagen. Rund 180.000 UngarInnen fliehen nach Österreich. Die meisten stellen einen Antrag auf Asyl.

1957-1989
Ungarn: Sozialistische Volksrepublik mit Einparteiensystem.

1964
September: Der Direktor des ORF und der Direktor des tschechoslowakischen Fernsehens Jiri Pelikan veranstalten die Stadtgespräche Wien-Prag in Prag, die direkt ausgestrahlt werden.

1965
Wiederholung der Stadtgespräche Wien-Prag in Wien.

1968
21.8.: Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in Prag als Reaktion auf den Reformkurs von Alexander Dubcek. 162.000 TschechInnen und SlowakInnen verlassen in Folge via Österreich ihre Heimat; 12.000 von ihnen suchen in Österreich um Asyl an. Der österreichische Staatspreis für europäische Literatur wird aus Solidarität zu den Protestierenden an Vaclav Havel vergeben.

1976
Oktober: Das österreichische Kulturinstitut in Budapest wird eröffnet.

1977
1.1.: Unterzeichnung der "Charta 77" in Prag. Unter Berufung auf die von den Ostblockstaaten unterzeichnete Schlussakte der KSZE fordern die Mitglieder der "Charta 77" die Wahrung der Menschenrechte.

1987
29./30.9.: Bundeskanzler Vranitzky besucht als erster westlicher Regierungschef den neu bestellten ungarischen Ministerpräsidenten Karoly Grosz. Die beiden Regierungschefs geben eine Interessenserklärung zur Abhaltung der EXPO 1995 in Budapest und Wien ab.

1989
17.7.: Antrag Österreichs auf EWG-Beitritt.

August: Fluchtbewegung von DDR-Flüchtlingen über Ungarn und Österreich in die BRD.

23.10: Ausrufung der Republik - Ende der Volksrepublik Ungarn.

17.11.: Beginn der "samtenen Revolution" in der CSSR.

27.11: Ein zweistündiger Generalstreik in der CSSR demonstriert die Macht der Opposition. Die KP erklärt ihren Verzicht auf die Führungsrolle und wird am 29.11. aus der Verfassung gestrichen.

28.12: Das tschechoslowakische Parlament wählt den ehemaligen tschechoslowakischen Parteichef Alexander Dubcek zum Vorsitzenden (28.12.) und Václav Havel zum Staatsoberhaupt (29.12).

1990
25.3. und 8.4: Erste freie Parlamentswahlen in Ungarn (1. und 2. Wahlvorgang). Sieg des "Ungarischen Konservativen Forum" unter Ministerpräsident József Antall.

29.3.: Umbenennung in Tschechoslowakische Föderative Republik.

23.4.: Erneute Umbenennung: Tschechische und Slowakische Föderative Republik (CSFR)

26.5.: Außenminister Geza Jeszenszky stattet als erstem Land seit dem Übergang Ungarns zur pluralistischen Demokratie Österreich einen Besuch ab.

September: Das erste österreichische Oberstufenrealgymnasium wird in Budapest eröffnet.

1991
Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt. Bildung der Visegrád-Gruppe (zusammen mit Polen und der damaligen Tschechoslowakei).

14.-16.5: Die Volksbefragung in Wien über die Abhaltung der EXPO 1995 in Wien und Budapest ergibt ein klares Nein (15,15% Ja-Stimmen, 27,94% Nein-Stimmen).

Herbst: Budapest spricht sich gegen eine Abhaltung der EXPO in Budapest aus.

1992
Mit 31.12.1992 hört die CSFR auf zu existieren; ab 1.1.1993 existieren auf seinem Territorium die Slowakische Republik und die Tschechische Republik.

1993
Gründung des österreichischen Kulturinstituts in Prag.

1994
31.3.: Ungarn stellt einen Antrag auf Beitritt zur EU.

1995
1.1.: Beitritt Österreichs zur EU.

27.6.: Die Slowakische Republik stellt einen Antrag auf Beitritt zur EU.

1996
17.1.: Die Tschechische Republik stellt einen Antrag auf Beitritt zur EU.

1998
31. 3.: Die EU nimmt getrennte Verhandlungen mit sechs Bewerberländern - Zypern, Ungarn, Polen, Estland, Tschechische Republik und Slowenien (Luxemburg-Gruppe) - über die Bedingungen des Beitritts dieser Länder zur EU auf.

November: Die Kommission legt über alle zehn mittel- und osteuropäischen Länder sowie über Zypern und die Türkei Berichte vor.

11./12.12.: Auf seiner Wiener Tagung stellt der Europäische Rat "mit Befriedigung fest, dass die sechs Beitrittskonferenzen mit Zypern, Ungarn, Polen, Estland, der Tschechischen Republik und Slowenien in die Phase inhaltlicher Verhandlungen eingetreten sind und zu ersten konkreten Ergebnissen geführt haben. Er fordert den Rat, die Kommission und die beitrittswilligen Länder auf, diese Dynamik aufrechtzuerhalten, damit im ersten Halbjahr 1999 intensive Verhandlungen möglich werden".

1999
12.3.: NATO-Beitritt Ungarns und der Tschechischen Republik.

19.4. und 19.5.: Während der deutschen Ratspräsidentschaft werden am 19. April und am 19. Mai Beitrittsverhandlungen mit Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik, Estland, Slowenien und Zypern auf Stellvertreterebene (Botschafter der EU-Staaten und Verhandlungsführer der sechs Kandidatenländer der "ersten Gruppe") abgehalten. 15 der 31 Kapitel zur "Übernahme des gemeinschaftlichen Besitzstandes" (Acquis communautaire) werden angesprochen oder vorläufig abgeschlossen. Die Sitzungen dienen der Vorbereitung der Verhandlungsrunde auf Ministerebene (Außenminister) am 21. und 22. Juni 1999.

21./22.6.: Die Außenminister der EU-Staaten kommen in Luxemburg mit ihren Amtskollegen der sechs Kandidatenländer zu ihrer zweiten Ministerkonferenz zusammen. Mit Ungarn und der Tschechischen Republik werden folgende Kapitel der Beitrittsverhandlungen auf Stellvertreterebene bestätigt bzw. offiziell gebilligt: Fischerei, Statistiken, Telekommunikation, Industriepolitik, Verbraucherschutz, Bildung, Forschung und Klein- und Mittelbetriebe.

2000
14.6.: Das Kapitel Landwirtschaft wird in den Beitrittsverhandlungen eröffnet. Insgesamt sind pro Land zwischen 16 und 22 Kapitel vorläufig abgeschlossen. Die anderen Kapitel wurden wegen Anträgen auf Übergangsfristen durch Beitrittsländer oder wegen zusätzlichen Informationsbedarfs der EU zurückgestellt.

Dezember 2000
Tagung des Europäischen Rates in Nizza: Eine "Wegskizze" für die weiteren Verhandlungen und die institutionelle Reform sollen die Union in die Lage versetzen, möglichst bald neue Mitgliedsstaaten aufzunehmen. Sind Staaten für einen Beitritt entsprechend der Kriterien vorbereitet, dann soll die EU in der Lage sein, sie ab Ende 2002 aufzunehmen. Damit verbindet die EU die Hoffnung, dass diese Länder an den Europawahlen 2004 teilnehmen können.

Jänner 2001
Zwischen 7 und 16 der insgesamt 31 Kapitel des gemeinsamen Besitzstandes sind vorläufig abgeschlossen. Öffnung der verbleibenden Verhandlungskapitel des gemeinsamen Besitzstandes.

Juni 2001
Der Europäische Rat von Göteborg bestätigt, dass der Erweiterungsprozess unumkehrbar ist und versichert, dass an der "Wegskizze" als Rahmen für einen erfolgreichen Verhandlungsabschluss festzuhalten ist.

Oktober 2002
Der Europäische Rat von Gent unternimmt eine Halbzeit-Prüfung der Umsetzung der Erweiterungsstrategie, auf die man sich in Nizza geeinigt hat.

Auf dem Kopenhagener Gipfel (12./13. Dezember) beschließt die EU die Aufnahme von zehn weiteren Mitgliedern, darunter Ungarn und die Tschechische Republik. In den Kandidatenländern müssen allerdings noch Referenden durchgeführt werden.

April 2003
Das Europäische Parlament stimmt am 9. April der Erweiterung der EU mit überwältigender Mehrheit zu. Die Straßburger Versammlung billigt mit 458 gegen 68 Stimmen und bei 41 Enthaltungen die Aufnahme von zehn neuen Ländern ab Mai 2004. Das Parlament ratifiziert jeden einzelnen Beitrittsvertrag und ebnet den Weg für die Unterzeichnung durch die Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel am 16. April in Athen.

Beitrittsreferendum in Ungarn (12. April): 83,8 Prozent sprechen sich für einen EU-Beitritt aus; die Wahlbeteiligung liegt bei 45,6 Prozent.

Unterzeichnung des Erweiterungsvertrags der EU in Athen (16. April). Mit der Aufnahme von Polen, Ungarn, Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, der Slowakei, Slowenien, Malta und Zypern wächst die Bevölkerung in der EU von derzeit 370 Millionen auf rund 450 Millionen Menschen.

Juni 2003
Beitrittsreferendum in der Tschechischen Republik (15./16. Juni): 77Prozent der TschechInnen sprechen sich für den EU-Beitritt aus; die Beteiligung beträgt 55 Prozent.

2004
Am 1. Mai erhält die EU zehn neue Mitglieder, darunter Ungarn und die Tschechische Republik.

Quellen:
Chronologie, in: Osteuropa im Wandel (Informationen zur Politischen Bildung Band 1). Dachs-Verlag, Wien 1991, S. 79ff
Forum Politische Bildung (Hg.): EU 25 - Die Erweiterung der Europäischen Union (Informationen zur Politischen Bildung, Band 19).- Innsbruck/Wien/München/Bozen 2003, S. 91

Letztes Update: 04/2015

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