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Geschichte des AKW Temelin

1980
Es fällt die in der damaligen CSSR die Entscheidung, in Temelin ein AKW mit vier Reaktoren zu bauen. Gleichzeitig beginnen die Proteste gegen das Atomkraftwerk in Österreich, vor allem in Oberösterreich, der CSSR und im benachbarten Deutschland.

1983
Der Bau am AKW Temelin beginnt.

1989
Mit dem Ende des sozialistischen Systems beginnt ein Umdenken in der Energiepolitik. Von den ursprünglich 4 geplanten Reaktoren des sowjetischen Typs WWER-1000 wird der Bau an den Blöcken 3 und 4 eingestellt.

1993
Im März beschließt die tschechische Regierung die Fertigstellung von Reaktor 1 und 2 und schreibt die technische Nachrüstung der Steuerungselektronik und die Versorgung mit nuklearem Brennstoff aus. Den Zuschlag bekommt die amerikanische Firma Westinghouse (330 Millionen $). Seither werden immer wieder Vorwürfe von unlauterem Wettbewerb gegen Westinghouse laut.

1994
10. März: Die US Export-Import-Bank (ExIm-Bank) stimmt trotz Bedenken der zuständigen Unterausschüsse des US-Parlaments für die Vergabe der Kreditgarantien (317 Millionen $). Einer der Höhepunkte des Widerstandes gegen die Fertigstellung des AKWs in der Zeit der Beschlussfassung durch die ExIm-Bank ist der Besuch einer österreichischen Regierungsdelegation mit Bundeskanzler Franz Vranitzky in Washington.

1994-1999
Das Datum für die projektierte Inbetriebnahme von Temelin wird immer wieder verschoben: Noch 1993 ist eine Fertigstellung von Reaktor 1 bis 1995 geplant, danach wird 1997 als Termin genannt. Im Herbst 1996 wird die Inbetriebnahme mit Ende 1999 ins Auge gefasst. Parallel dazu verdoppelten sich die Gesamtkosten von 40,1 Mrd. Kronen (1990) auf mehr als 80 Mrd. Kronen (Stand Anfang 1996). Vertrauliche Regierungsquellen sprechen inzwischen von Kosten jenseits der 100 Milliarden-Kronen-Marke. (Quelle: www.aai.at)

1998
Im September beginnt eine internationale ExpertInnenkommission, in der auch zwei österreichische Mitglieder vertreten sind, die Wirtschaftlichkeit des AKWs zu prüfen. Nach Abschluss der Untersuchung gelangt die Kommission zu einer kritischen Stellungnahme.

1998
Aufgrund der wachsenden Kosten ist der Projektbetreiber CEZ gezwungen, einen neuen Kredit zu beantragen. Im November 1998 wird ein Kreditvertrag über 5 Mrd. CZK (280 Mio. DM) mit der Deutschen Bank, der Bayrischen Landesbank und der Sumitomo Bank Ltd. unterzeichnet.

1998
September: Jörg Haider setzt den jüdischen Wiedergutmachungsforderungen die Forderungen der Sudentendeutschen auf Entschädigung wegen ihrer aufgrund der Beneš-Dekrete erfolgten Vertreibung und Enteignung in der CSSR nach 1945 entgegen: "Wenn jüdische Emigranten Forderungen stellen, dann ist sozusagen die Wiedergutmachung endlos. Wenn Sudetendeutsche dasselbe von der österreichischen Regierung verlangen, dass sie gegenüber den tschechischen Behörden ihre Wiedergutmachungsforderungen durchsetzen sollen, dann wird gesagt, irgendwann muss einmal ein Schlussstrich unter die Geschichte gezogen werden. [...] Man kann nicht Gleiches ungleich behandeln" (ORF, ZIB 2, 9.9.1998).

1999
Am 12. Mai entscheidet die tschechische Regierung mit einer knappen Mehrheit von 11 zu 8 Stimmen für den Fertigbau des AKW.

1999
Juni: Im Anti-Atom-Aktionsplan, der einstimmig im österreichischen Nationalrat beschlossen wird, heißt es zum AKW Temelín: "Sollte bei dieser Überprüfung nicht nachgewiesen werden können, dass Temelín dem ,Stand der Technik' entspricht, wird Österreich (...) die tschechische Regierung darauf hinweisen, dass der Stand der Technik eine Voraussetzung für eine EU-Mitgliedschaft ist."

2000
Februar: Das Wiener Außenamt präzisiert eine Erklärung von Außenministerin Ferrero-Waldner, wonach es zu keiner Junktimierung der EU-Erweiterung mit der Frage der Beneš-Dekrete kommen wird.

2000
März: Einwendungen gegen die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) über eine Atommüllbehandlungsanlage im AKW können eingebracht werden. Dieses UVP-Verfahren ist das Resultat einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in Prag, der im Februar 1999 festgestellt hat, dass alle nachträglichen Bauänderungen in Temelin einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden müssen.

2000
Juli: Der erste Reaktor des AKWs wird mit Brennstäben beladen.

2000
August: Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider bezeichnet die Beneš-Dekrete als "eklatanten Verstoß gegen die Prinzipien des Menschen- und Völkerrechts" und kündigt an, dass Österreich wegen Temelín und wegen der Beneš-Dekrete den EU-Beitritt Tschechiens blockieren werde. Der Koalitionspartner ÖVP spricht sich gegen eine Junktimierung aus (Vgl.: Die Presse, 23.8.2000).

2000
August: Der oberösterreichische Landeshauptmann Pühringer gibt als Eigentümervertreter bekannt, das die oberösterreichische Landesgesellschaft Energie AG gegen die tschechische CEZ – den Betreiber des Atomkraftwerkes Temelín – eine Klage einbringen wird, da die CEZ mit billig und unsicher produziertem Strom Dumpingpolitik betreibe. Die Klage wird noch im August 2000 eingebracht.

2000
Herbst: UmweltaktivistInnen in Österreich verstärken ihre Proteste, es kommt zu Dauer-Demonstrationen und Grenzblockaden.

2000
5. September: Der österreichische Nationalrat fordert die Regierung einstimmig auf, einem Abschluss des Energiekapitels in den EU-Beitrittsverhandlungen mit Tschechien nicht zuzustimmen, solange nicht nachgewiesen ist, dass die Umwelt- und Sicherheitsstandards des AKWs dem EU-Standard entsprechen.

2000
9. Oktober: Die tschechische Atomaufsichtsbehörde SUJB erteilt die Betriebsgenehmigung für das AKW Temelin. Die Aktivierung des AKWs (Block 1) erfolgt. Seitdem wird die Reaktorleistung innerhalb des sogenannten Probebetriebs schrittweise erhöht. Der Betrieb des ersten Reaktors wird in Folge durch mehrere Pannen gestört, wobei der Reaktor mehrmals wieder herunter gefahren werden muss.

2000
13. Oktober: Steuerungsprobleme, Abschalten des AKWs.

2000
16. Oktober: Im Naturhistorischen Museum in Wien wird der diesjährige Konrad Lorenz Preis für Umweltschutz an Günther Nenning und Oberösterreichs überparteiliche Plattform gegen Atomgefahren vergeben.

2000
20. Oktober: AtomgegnerInnen aus Ober- und Niederösterreich übergeben der österreichsichen Bundesregierung einen Forderungskatalog zum AKW Temelin.

2000
26. Oktober: 2 Hauptzirkulationspumpen sind defekt.

2000
31. Oktober: Ein erstes Gipfeltreffen zwischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und dem tschechischen Premierminister Miloš Zeman bleibt ergebnislos.

2000
12./13. Dezember: Nach zähen Verhandlungen einigen sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Tschechiens Premierminister Miloš Zeman unter Mitwirkung von EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen im Stift Melk auf ein Maßnahmenpaket für Temelín. Damit beginn der "Melker Prozess". Das Paket beinhaltet offene Streitfragen wie eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nach europäischen Standards unter dem Monitoring der EU-Kommission, wobei die Nichtinbetriebnahme des AKWs (Nullvariante) berücksichtigt werden soll. Außerdem wird vereinbart, den kommerziellen Betrieb nicht aufzunehmen, bevor nicht alle Vereinbarungen umgesetzt sind. "Kleine" Punkte wie die Informations-Hotline für Störfälle oder das Frühwarnsystem werden prompt umgesetzt.

2000
22. Dezember: Das AKW liefert erstmals Strom ins Netz, fällt aber wegen einer defekten Turbinenklappe nach wenigen Stunden wieder aus.

2000
27. Dezember: Erster Turbinendefekt.

2001
12. Jänner: Ölaustritt, Brand.

2001
17. Jänner: Starke Vibrationen in der Turbine.

2001
27. Februar: Brand im Materiallager.

2001
8. März: Ein Sicherheitsventilaustausch ist nötig.

2001
22. März: Ein Zurückfahren des AKWs ist notwendig.

2001
19. April 2001: Initiativantrag im Oberösterreichischen Landtag betreffend weitere Anti-Temelin-Initiativen der Bundesregierung.

2001
21. April: Turbinenprobleme.

2001
"Planmäßiges" Abschalten der Turbine.

2001
31. Mai: Radioaktiver Wasseraustritt im Primärkreislauf.

2001
26. Juni: Absinken der Bodenplatte wegen Vibrationen der Turbine, Betriebsunterbrechung

2001
19. August: Panne am Regulator des Systems.

2001
23. August: Turbinenprobleme, Abschaltung des AKWs.

2001
17. September: Pumpenstörung im AKW.

2001
20. September: Unstabilität der Drehung des Turbinengenerators.

2001
24. Oktober: Die Eintragungswoche für das von der FPÖ ausgehende Volksbegehren "Veto gegen Temelin" wird für 14.-21. Jänner 2002 festgelegt.

2001
9. November 2001: 72 Prozent der TschechInnen sprechen sich in einer Umfrage für die "umweltfreundliche" Nutzung der Kernkraft aus. Dagegen lehnen 26 Prozent der 1000 Befragten solche Anlagen ab (Mitteilung der Agentur Sofres Factum).

2001
19. November: AtomkraftgegnerInnen besetzen die ÖVP-Zentrale.

2001
21. November: Die EU-Kommissare Günter Verheugen und Loyola de Palacio erteilen in einem Schreiben an EU-Parlamentspräsidentin Nicole Fontaine der vom EU-Parlament Anfang September angeregten Temelin-Ausstiegskonferenz eine offizielle Absage.

2001
21. November: VP/FP-Entschließungsantrag im Nationalrat: Die Regierung soll dem tschechischen EU-Beitritt nicht zustimmen, solange keine Verpflichtung vorliegt, alle Sicherheitsmängel zu beheben.

2001
29. November: Verhandlungen zwischen Bundeskanzler Schüssel und Ministerpräsident Miloš Zeman unter Vermittlung von EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen in Brüssel. Abschluss des "Melker Prozesses". Ergebnis: Tschechien verpflichtet sich zu technischen Verbesserungen, Österreich verzichtet auf die "Nulloption" und Blockade des tschechischen EU-Beitritts. Regelmäßige Treffen zwischen Österreich und Tschechien zum Thema Temelin sind vorgesehen. Das gemeinsame Schlussdokument wird sowohl von der Opposition als auch von der FPÖ kritisiert. Die Kritik bezieht sich sowohl auf eine fehlende rechtliche Verankerung, einen zu großen Interpretationsspielraum für Tschechien, die mangelnde Kontrollmöglichkeit für Österreich, das Fehlen von verpflichtenden Maßnahmen als auch – vor allem von Seiten der FPÖ – auf ein Abgehen von der Null-Variante. Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider überlegt die Durchführung eines Volksbegehrens zum Ergebnis der Verhandlungen; es kommt zu einer Belastung der ÖVP-FPÖ-Koalition.

2001
Dezember: Beladen des 2. Blocks in Temelin mit Brennstäben.

2001
2. Dezember: Der erste Block des Atomkraftwerks wird wieder – mit 75 Prozent der Leistung – ans Stromnetz angeschlossen, nachdem tags zuvor die Reaktorleistung ungeplant auf unter zwei Prozent gesunken ist.

2001
3. Dezember: Im Oberösterreichischen Landtag wird ein Initiativantrag betreffend die Nichtinbetriebnahme des AKWs eingebracht.

2001
3. Dezember: Die FPÖ kündigt an, im Nationalrat einen Antrag auf Nicht-Abschluss des Energiekapitels mit Tschechien einzubringen.

2001
5. Dezember: Die EU-Botschafter stimmen dem Text für das Verhandlungskapitel Energie im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen mit Tschechien zu.

2001
10. Dezember: Die EU-Außenminister schließen das Energiekapitel zum tschechischen EU-Beitritt vorläufig ab. Außenministerin Benita Ferrero-Waldner stimmt zu, behält sich aber vor, das Kapitel wieder zu eröffnen, sollte Tschechien die vereinbarten Sicherheitsmaßnahmen nicht bis zum Abschluss des Beitrittsvertrages umsetzen.

2001
10. Dezember: Der erste Block des tschechischen AKWs wird wieder auf 15 Prozent hochgefahren.

2001
12. Dezember: Umweltminister Wilhem Molterer und der tschechische Außenminister Jan Kavan fixieren den Fahrplan zur Temelin-Nachrüstung.

2001
17. Dezember: Das Wirtschaftsministerium gibt laut Verordnung mit 17. Dezember 2001 die Stromeinfuhr aus den EU-Beitrittskandidaten Slowenien, Ungarn und Slowakei frei. Das ermöglicht auch die Einspeisung von Atom-Strom aus den Risiko-Kraftwerken Bohunice, Mochovce (beide Slowakei) und Krsko (Slowenien) in das österreichische Stromnetz. Zuvor war der Stromimport bereits aus dem (atomfreien) Polen, Albanien und einigen ehemaligen Sowjetrepubliken möglich. Weiter gesperrt sind Stromimporte aus Tschechien.

2001
19. Dezember: Niederösterreichische Atomgegner setzen ihre Proteste gegen das tschechische Atomkraftwerk Temelin fort: Friedensmarsch nach Temelin.

2001
28. Dezember: SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer kündigt eine Europäische Initiative gegen AKWS an.

2002
Jänner: Die Initiative "Stimme für Europa", die sich gegen das von der FPÖ als einziger Parlamentspartei massiv unterstützte Volksbegehren wendet, bildet sich. Zu den ProponentInnen zählen unter anderem Barbara Coudenhove-Calergi, Karl Blecha, Erhard Busek, Fritz Muliar, Christoph Leitl, Eva Rossmann und Herbert Krejci.

2002
9. Jänner: Die geplante Privatisierung des tschechischen Energiekonzerns CEZ, die auch das Atomkraftwerk Temelin betreibt, wird verschoben.

2002
10. Jänner: Der erste Reaktorblock des AKWs wird erstmals auf 100 Prozent Leistung hochgefahren. Erneuter Störfall.

2002
14.-21. Jänner: Eintragungswoche für das "Anti-Temelin-Volksbegehren". Im Vorfeld des Volksbegehrens macht neben der FPÖ vor allem die Kronen-Zeitung, die auflagenstärkste Zeitung Österreichs, gegen das AKW mobil. Von der SPÖ, den Grünen und auch von Teilen der ÖVP wird das Volksbegehren vor allem wegen seiner "antieuropäischen Zielrichtung" kritisiert. Zu einer Empfehlung, am Volksbegehren nicht teilzunehmen, durch die Grünen oder die SPÖ kommt es jedoch nicht. Die SPÖ wird deshalb von Ihrem früheren Parteivorsitzenden und Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky zu mehr Gradlinigkeit ermahnt.

Das Volksbegehren wird von 915.220 ÖsterreicherInnen (15,5 % der Wahlberechtigten) unterschrieben:

Burgenland: 32.188 Stimmen (14,8 % der Wahlberechtigten),
Kärnten 65.495 Stimmen (15,5% der Wahlberechtigten),
Niederösterreich 192.730 Stimmen (16,9 % der Wahlberechtigten),
Oberösterreich 226.721 Stimmen (23,5 % der Wahlberechtigten),
Steiermark 110.134 Stimmen (12,0 % der Wahlberechtigten),
Salzburg 47.581 Stimmen (13,4 % der Wahlberechtigten),
Tirol 41.282 Stimmen (8,7 % der Wahlberechtigten),
Vorarlberg 15.776 (6,7 % der Wahlberechtigten),
Wien 166.751 Stimmen (15,4%).

2002
15.-17. Jänner: Der Konflikt zwischen Tschechien und der FPÖ spitzt sich zu. Premiereminister Miloš Zeman sagt unter anderem: "Je früher Österreich den Herrn Haider und seine postfaschistische Partei loswird, desto besser". Vizekanzlerin Ries-Passer kontert, indem sie Zeman "demokratische Unreife" vorwirft und Tschechien als "nicht reif für Europa" bezeichnet. Jörg Haider nennt Zeman "Postkommunist" und "Wendehals" und junktimiert den EU-Beitritt Tschechiens abermals mit der Schließung des AKW Temelin. Die Bundesregierung protestiert in Prag offiziell gegen Zemans Äußerungen und dessen "Einmischung in die inneren Angelegenheiten". (Der Standard, 16.1.2002)

2002
Von Seiten der FPÖ wird ein EU-Beitritt Tschechiens zunehmend nicht nur mit der Nichtinbetriebnahme des AKWs, sondern auch mit einer Beseitigung der Beneš-Dekrete und einer Entschädigung der Sudentendeutschen junktimiert. Vom Koalitionspartner wird eine solche Junktimierung abgelehnt, Außenministerin Ferrero-Waldner zeigt sich aber konzessionsbereit und kündigt Gespräche an.

2002
25. Jänner: Neue Probleme im AKW Temelin.

2002
Ende Jänner: Block 1 in Temelin liefert kommerziellen Strom.

2002
7. Februar: Notabschaltung im AKW Temelin.

2002
8. Februar: Der tschechische Vizeaußenminister Rudolf Jindrák erklärt, dass die Tschechische Republik mit Österreich nicht über die Beneš-Dekrete verhandeln wird.

2002
11. Februar: Erneuter Störfall im AKW Temelin.

2002
28. Februar: Die Privatisierung des AKWs ist vorerst gescheitert. Am letzten Tag zur Meldung von Interessenten sind der tschechischen Regierung keine ausreichenden Kaufangebote bekannt.

2002
12. April: Erste Sitzung des Sonderausschusses zum Anti-Temelin-Volksbegehren: Die FPÖ hält am Veto gegen den EU-Beitritt Tschechiens bei keiner Schließung des AKWs fest.

2002
12. April: Laut einer Meinungsumfrage (Befragungszeitraum 26. März – 12. April) "ärgern" sich 48%, wenn sie das Wort "Temelin" hören.

2002
24. April: Neustart des ersten Reaktors nach zweimonatigen Reparaturarbeiten.

2002
26. April: Das Landesgericht Linz weist eine Unterlassungsklage des Landes Oberösterreich gegen den staatlichen Temelin-Betreiber CEZ ab.

2002
28. April: Das AKW liefert Strom ins Netz.

2002
3. Mai: "Temelin-Gipfel" zwischen dem Land Oberösterreich, Bundeskanzler Schüssel, Vizekanzlerin Riess-Passer und Umweltminister Molterer. Die Gesprächspartner einigen sich über die Aufnahme neuer Gespräche über das AKW mit der künftigen tschechischen Regierung sowie das Ziel Null-Option. Über ein allfälliges Veto gegen den EU-Beitritt Tschechiens wird keine Einigung erzielt.

2002
23. Mai: Erneute Unterlassungsklage des Landes Oberösterreich. In Tschechien wird von AtomgegnerInnen Beschwerde beim Verfassungsgerichthof eingebracht. Sie wollen die Aufhebung eines Paragraphen im Atomgesetz erwirken, in dem die exklusive Parteistellung des Betreibers in atomrechtlichen Verfahren festgeschrieben ist. Sie fordern, dass das gesamte Genehmigungsverfahren mit Anhörung der AtomgegnerInnen neu aufgerollt wird, da die Monopolregelung gegen die Verfassung verstoße.

2002
31. Mai: Neustart des zweiten Reaktors.

2002
10. Juni: Start des offiziellen Probebetriebs nach 19-monatigem Testlauf.

2002
11. Juni: Abschaltung des Turbogenerators im ersten Block wegen einer Fehlfunktion im Schutzsystem der Stromverteilungsanlage. Die Reaktorleistung wird auf fünf Prozent zurückgefahren. Der zweite Reaktor läuft mit einer Leistung von drei Prozent.

2002
14. Juni: Der erste Block läuft wieder.

2002
18. Juni: Vladimir Spitla, der Chef der tschechischen Sozialdemokraten, wird mit der Führung von Gesprächen zur Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Neue Hoffnung für die Temelin-GegnerInnen.

2002
6. Juli: Das Linzer Landesgericht weist eine Unterlassungs- und Feststellungsklage betreffend die Haftung des Temelin-Betreibers CEZ und Westinghouse mit der Begründung ab, dass sich private Kläger ein solches Verfahren nicht leisten können ohne den notwendigen Unterhalte zu gefährden. Unter den Privatklägern befindet sich auch der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer.

2002
10. Juli: Abschaltung des zweiten Reaktorblocks für sechs Wochen.

2002
10. Juli: Im Parlament stimmen die Grünen einem Antrag der ÖVP-FPÖ-Koalition zu Temelin zu, der unter anderem ein Ausstiegsangebot (finanzielle Beteiligung an einem Ausstieg aus der Kernenergie), die Initiative zu einem europaweiten Ausstieg aus der Atomenergie und ein "Nein" zu einer Erhöhung des Euratom-Kreditrahmens für neue Ost-AKWs umfasst. Die SPÖ lehnt den Antrag ab. Hiermit wird die weitere Vorgehensweise in der Frage Temelin beschlossen. Schützenhilfe bekommt Österreich auch vom bayrischen Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber, der betont, dass Temelin abgeschaltet werden muss, wenn die Betreiber die Probleme nicht in den Griff bekommen.

2002
11. Juli: Als konkrete Ausstiegshilfe für Temelin schlagen die Grünen 50 Millionen Euro vor.

2002
14. Juli: In einem Gespräch mit dem Brüssler Korrespondenten der tschechischen Nachrichtenagentur CTK sagte die stellvertretende Vorsitzende der Europäischen Kommission und für Wirtschaft und Verkehr, Loyola de Palacio, das AKW entspreche dem EU-Sicherheitsstandard.

2002
25. Juli: Der EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen verkündet, dass Temelin kein Beitrittshindernis sei.

2002
26. Juli: Neustart des zweiten Reaktorblocks.

2002
6. Oktober: Greenpeace startet eine Initiative für ein atomfreies Europa.

2002
15. Oktober: Eine Messung beim AKW Temelin zeigt eine einhundertfache Erhöhung der Radiationbelastung.

2002
26. Oktober: Für zusätzliche Arbeiten am AKW Temelin zeichnet sich eine weitere Kostensteigerung von mindestens 500 Millionen Kronen (ca. 16 Millionen EUR) ab.

2002
7. / 8. November: Österreichisch–Tschechisches Expertentreffen in Prag zu den Sicherheitsnachbesserungen. Die von der tschechischen Nuklearaufsichtsbehörde SUJB vorgeschlagenen Nachrüstungsmaßnahmen bringen keine ausreichende Lösung der gravierenden Sicherheitsprobleme sagt der Atombeauftragte des Landes Oberösterreich für grenznahe Atomanlagen, Radko Pavlovec.

2002
20. November: Das Europäische Parlament fordert die Veröffentlichung des Kontrollberichts zu den Sicherheitsmaßnahmen für das AKW Temelin. Damit folgt das Parlament einer Forderung der grünen Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter (D) und Mercedes Echerer (Ö). Sie kritisieren, dass sich die Tschechische Regierung bis heute geweigert habe, die geforderten Sicherheitsvorkehrungen umzusetzen, die in den Forderungen des Rates an die Tschechische Regierung enthalten sind und eine notwendige Bedingung für den Abschluss des Energiekapitels darstellen.

2002
1. Dezember: Der erste Block des AKH Temelin muss wegen einer technischen Kontrolle für mehrere Wochen abgeschaltet werden.

2002
12./13. Dezember: Auf dem Kopenhagener Gipfel beschließt die EU die Aufnahme von 10 weiteren Mitgliedern (Polen, Ungarn, Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, die Slowakei, Slowenien, Malta und Zypern). Es kommt zu keiner Verankerung der im Melker Vertag zugesicherten Aufnahme der Sicherheitsfrage in den Beitrittsvertrag der Tschechischen Republik.

2003
25. Februar: Der zweite Block des Reaktors (zuvor 75%) wird in Vollbetrieb genommen.

2003
16. April: EU-Gipfeltreffen in Athen, bei dem die Aufnahme von 10 neuen EU-Mitgliedsstaaten beschlossen wird.

2003
16. Mai: Der 46. Störfall seit dem Start der nuklearen Kettenreaktion im Oktober 2000 betrifft einen Generator.

2003
23. Mai: Die EU-Kommission will Österreichs Importverbot für Atomstrom aus der Tschechischen Republik zu Fall bringen, um in Österreich eine völlige Öffnung des Energiemarktes zu erreichen. Damit käme auch Strom des AKW Temelin nach Österreich.

2003
30. Mai: Das Umweltministerium veröffentlicht Teilberichte zur Sicherheitsprüfung des AKWs Temelin. Die ExpertInnen sehen teilweise Verbesserungen, allerdings auch offene Fragen.

2003
12. Juli: Der tschechische Industrieminister Urban erklärt in einem Interview, dass die tschechische Regierung an ihrer Atompolitik festhalten werde. In den kommenden 30 Jahren soll die Energieversorgung aus Atomkraftwerken um 50 Prozent wachsen. Bereits bis zum Jahr 2005 soll bis zu 30 Prozent der Energieversorgung aus AKWs stammen. Der Bau neuer Reaktoren ist geplant; neue Kraftwerke sollen nicht errichtet werden. Temelin soll ausgebaut werden.

2004
9. Februar: Der zweite Block des südböhmischen Atomkraftwerkes Temelin wird abgeschaltet. Wie Temelin-Sprecher Milan Nebesar bestätigt, wird es sich um eine etwa 70-tägige geplante Pause handeln, in der erstmals in diesem Block ein Viertel der Brennstäbe ausgetauscht und gleichzeitig eine Garantie-Revision durchgeführt wird.

2004
April: Erneuter Störfall.

2004
1. Mai: Die Tschechische Republik wird in die Europäische Union aufgenommen.

2004
9. Juni: EU-Experten im Atomkraftwerk Temelin nach erneutem Störfall.

2004
4. September: Kurz nach 16:00 Uhr wird neuerlich der Reaktor in Block II im AKW Temelin abgeschaltet. Grund für den 69. Störfall ist eine Panne im Steuerungssystem der Turbospeisepumpen.

2004
20. Dezember: Nach dem Ausfall eines Überwachungsgerätes ist ein Fass mit radioaktivem Wasser übergelaufen – 20.000 Liter radioaktives Wasser sind im Primärkreislauf ausgetreten.

2005
28. Mai: Bei einem weiteren Störfall fließen ca. 3.000. Liter radioaktiver Flüssigkeit aus.

Quellen:
www.grenzblockade.at/temelin.htm, 17.12.2001; www.temelin.at.tt/11.2.2002; www.aai.at/akws/temelin/temelin.html, 17.12.2001; Der Standard, 15.8.1998; Der Standard, 10.2.2000; Der Standard, 10.8. 2000; Der Standard, 31.8.2000; Der Standard, 29.11.2001, S. 2; Der Standard, 1./2.12.2001; S. 3, Die Presse, 5.12.2001; Der Standrad, 10.12.2001; Die Presse, 12.12.2001; Die Presse, 12.1.2002; Der Standard, 16.1.2002; Der Standard, 22.1.2002; Der Standard, 26.1.2002; Der Standard, 2.3.2002; Der Standard, 9.2.2002; Der Standard, 13.4.2002; Kurier, 19.04.2002; Kurier, 27.04.2002; Kurier, 04.05.2002; Kurier 23.05.2002; Kurier 18.06.2002; Kurier 06.07.2002; Kurier 10.07.2002; Kurier 12.07.2002; Kurier 1407.2002; Radio-Prag www.radio.cz/de/artikel/25905/limit, 8.8.2002; temelin.wvnet.at/06102002.htm, 1.7.2003; Kurier, 17.05.2003, 24.05.2003, 31.05.2003; www.energiepartnerschaft.org, 1.7.2003; www.radio.cz, 16.2.2006; www.antiatom.info, 16.2.2006.

Letzes Update: 04/2015

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