zur normalen Ansicht

Wissen > Timelines > Die erste ÖVP-FPÖ-Koalition 

Die erste ÖVP-FPÖ-Koalition – ihre Bildung, "Maßnahmen" der EU-14, Turbulenzen

August 1999
ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel hat im Wahlkampf angekündigt, in Opposition zu gehen, falls seine Partei an dritter Stelle landet.

3.10.1999
Nationalratswahl - die ÖVP liegt um 415 Stimmen hinter der FPÖ an dritter Stelle:

SPÖ: 1,532.448, 33,2% der abgegebenen Stimmen 65 Mandate
ÖVP: 1,243.672 Stimmen, 26,9% der abgegebenen Stimmen, 52 Mandate
FPÖ: 1,244.087, 26,9% der abgegebenen Stimmen, 52 Mandate
LIF: 168.612, 3,7% der abgegebenen Stimmen, 0 Mandate
Die Grünen: 342.260, 7,4% der abgegebenen Stimmen, 14 Mandate
KPÖ: 22.016, 0,5% der abgegebenen Stimmen, 0 Mandate

4.10.1999
Bundespräsident Thomas Klestil beauftragt den SPÖ-Vorsitzenden Viktor Klima zu "Sondierungsgesprächen" über Inhalte eines möglichen Regierungsprogramms mit ÖVP, der FPÖ und den Grünen.

12.10.1999
Die ÖVP legt sich erneut auf die Oppositionsrolle fest.

22.10.1999
EU-Kommissar Franz Fischler hat Einwände gegen den Oppositionskurs seiner Partei und weiß von "ernsthaften Bedenken" in Brüssel gegen eine Regierungsbeteiligung Haiders.

25.10.1999
Die SPÖ bezeichnet es als vorrangiges Ziel, erneut eine Partnerschaft mit der ÖVP einzugehen.

27.10. - 3.12.1999
"Sondierungsgespräche" unter den Parteien zur möglichen Bildung einer Regierung.

6.12.1999
Noch-Bundeskanzler Viktor Klima berichtet dem Bundespräsidenten von den Sondierungsgesprächen.

9.12.1999
Bundespräsident Klestil beauftragt Viktor Klima mit der Regierungsbildung.

13.12.1999
Der ÖVP-Parteivorstand beschließt, Regierungsverhandlungen aufzunehmen.

17.12.1999
Die Verhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP beginnen.

15.1.2000
Die FPÖ präsentiert ein alternatives Regierungsprogramm.

20./ 21.1.2000
Die Regierungsverhandlungen scheitern. Hintergründe sind Gerüchte über Parallel-Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ, Widerstände der SP-Gewerkschaften und die Forderung der ÖVP nach Übernahme des Finanzressorts, wogegen sich die SPÖ wehrt. Die ÖVP fordert weiters, dass alle Verhandler, auch die Vertreter der Gewerkschaft, für den Pakt stimmen. Metallarbeiter-Gewerkschafter Rudolf Nürnberger weigert sich jedoch, den Pakt zu unterzeichnen.

21.1.2000
Bundespräsident Klestil erteilt Klima erneut den Auftrag, eine Regierung, eventuell auch eine Minderheitsregierung, zu bilden.

22.1.2000
FPÖ und ÖVP beschließen - ohne Auftrag des Bundespräsidenten - Verhandlungen über eine Regierungsbildung aufzunehmen.

26.1.2000
Viktor Klima scheitert erneut beim Versuch, eine Regierung zu bilden.

31.1.2000
FPÖ und ÖVP können sich auf einen Koalitionspakt einigen und erstatten dem Bundespräsidenten Bericht. Bundespräsident Klestil äußert Bedenken gegen diese Koalition. Die portugiesische EU-Präsidentschaft kündigt bilaterale "Maßnahmen" gegen die österreichische Regierung im Fall einer FPÖ-Regierungsbeteiligung an. Die 14 EU-Partnerstaaten sprechen sich in einer Erklärung gegen eine ÖVP-FPÖ-Regierungskoalition aus.

1.2.2000
Die ÖVP bringt im Ministerrat einen Antrag für eine gemeinsame Erklärung der Bundesregierung zur EU-Kritik ein. Die SPÖ lehnt eine Unterstützung dieses Antrags ab.

2.2.2000
Die EU-Kommission legt eine Erklärung vor, in der sie die Bedenken der 14 EU-Mitgliedsstaaten teilt. In der österreichischen Präsidentschaftskanzlei wird eine Präambel formuliert, die dem ÖVP-FPÖ-Regierungsprogramm vorangestellt werden soll. Ein Versuch, der EU-Kritik entgegenzuwirken.

3.2.2000
Bundespräsident Klestil bemüht sich um Schadensbegrenzung und ersucht die EU-Staaten "Österreich weiterhin als gleichwertigen Partner in der internationalen Staatengemeinschaft" zu behandeln. Klestil lehnt weiters zwei vorgeschlagene Minister aus den Reihen der FPÖ ab. Es sind dies der Wiener FPÖ-Chef Hilmar Kabas, der aufgrund eines rassistischen FPÖ-Wahlkampfs in Wien aus Sicht des Bundespräsidenten für das Ministeramt untragbar war, und der FPÖ-Wirtschaftsmann Thomas Prinzhorn, dessen verbale Untergriffe dem Bundespräsidenten missfielen.

4.2.2000
Die schwarz-blaue Regierung wird angelobt. Die Mitglieder der Neo-Regierung begeben sich unterirdisch zum offiziellen Akt, da oberirdisch tausende DemonstrantInnen gegen die Schüssel-Haider-Koalition lautstark protestieren. Die bilateralen "Maßnahmen" der EU-14 gegenüber Österreich treten mit der Angelobung in Kraft, das heißt, die diplomatischen bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und den übrigen Mitgliedsstaaten auf Minister- und Kanzlerebene werden bis auf weiteres eingefroren.

8.2.2000
Declaration: Responsibility for Austria - A Future in the Heart of Europe. Die neue FP/ÖVP-Regierung schaltet eine bezahlte Anzeige in der "International Herald Tribune" und wirbt darin um das Verständnis der Welt. In der Anzeige ist eine englische Übersetzung der Präambel zum schwarz-blauen Koalitionsübereinkommen zu lesen, die Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und FP-Chef Jörg Haider auf Wunsch des Bundespräsidenten unterschrieben haben.

9.2.2000
In seiner Regierungserklärung sagt Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel:

"Unsere europäischen Partner und andere Länder nehmen Anstoß an der Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen Partei. Von 15 Mitgliedsländern haben 14 beschlossen, die bilateralen Kontakte zum Partnerland Österreich einzufrieren. Härte, Ausmaß, Geschwindigkeit der "Maßnahmen" und die Art des Vorgehens haben Österreich schockiert. Vieles von dem, was jetzt über Österreich berichtet wird, ist nicht gerechtfertigt. Vieles wird undifferenziert dargestellt. ... Es ist Zeit, die Skeptiker im In- und Ausland durch eine Politik der richtigen Taten und der richtigen Worte zu überzeugen. Ich fordere alle Kritiker im Inland sowie unsere europäischen und transatlantischen Partner auf, ihre Vorurteile und vorgefassten Meinungen zu überdenken. ... Die bilateralen "Maßnahmen" der 14 Länder finden im Geist und im Wortlaut der europäischen Verträge keine Deckung."

19.2.2000
Großdemonstrationen gegen Schwarz-Blau. In Wien gehen zwischen 150.000 (Schätzungen der Polizei) und 250.000 (Schätzungen der Veranstalter) Personen aus Protest auf die Straße. Der Schriftsteller Doron Rabinovici sagt bei der Abschlusskundgebung auf dem Wiener Heldenplatz in seiner Rede:

"Wir wollen nicht stillhalten, wenn irgendwer in Österreich aufgrund seiner Herkunft verhöhnt, bespuckt, angerempelt oder verprügelt wird. (...) Demokratie verlangt nicht die Kapitulation. Im Gegenteil: Demokratie in Österreich braucht unseren Protest. Für die Demokratie gehen wir auf die Straße; um nicht weniger geht es. (...) Seit Anfang Februar ziehen junge Menschen täglich durch Österreichs Städte. Ihre Losung lautet Widerstand, und von nun an wird es, höre ich, wöchentlich Demos geben."

19/20. 2.2000
Message from Austria to all International Herald Tribune Readers! Eine privat finanzierte Anzeige, die über "www.undergroundresistance.org" organisiert wurde, erscheint in der "International Herald Tribune":

"An dieser Stelle haben Sie vor zwei Wochen eine Erklärung der neuen, österreichischen Bundesregierung gelesen. ... Wieso die österreichische Bundesregierung den Weg bezahlter Anzeigen wählt, um der Weltöffentlichkeit die Grundwerte und die Selbstverständlichkeiten jeder entwickelten Demokratie mitzuteilen, überlassen wir Ihrer Beurteilung. ... Wir wenden uns bewusst an Sie als Leser dieser Zeitung, weil große Teile der österreichischen Bevölkerung die Handlungsweisen der neuen, österreichischen "Mitte"-Rechts-Regierung nicht mittragen. Tausende Menschen demonstrieren jeden Tag friedlich in den österreichischen Städten als Zeichen des Protests gegen die momentane politische Situation. KünstlerInnnen, Kulturschaffende und viele Initiativen organisieren den Widerstand und sind Teile einer echten Volksbewegung, wie sie Österreich seit dem Ende des 2. Weltkriegs noch nicht erlebt hat..." .

28.2.2000
Jörg Haider kündigt seinen Rückzug von der FPÖ-Parteispitze an.

29.2.2000
Rücktritt von Justizminister Krüger. Nachfolger wird Dieter Böhmdorfer, der Anwalt Jörg Haiders.

23./24.3.2000
Beim EU-Gipfel in Lissabon wirbt Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für eine Beendigung der so genannten "Sanktionen" ("Maßnahmen") gegen Österreich. EU-Ratspräsident Antonio Guterres blockt ab.

6.4.2000
Eine Delegation der Europäischen Volkspartei (EVP) will sich ein Bild von der Lage in Österreich machen und bis Juni einen Bericht vorlegen. Die ÖVP suspendiert inzwischen ihre EVP-Mitgliedschaft. Ein ursprünglich von europäischen Schwesternparteien beantragter Ausschluss der ÖVP aus der EVP ist damit vom Tisch.

Mitte April 2000
Haider verkündet erstmals seine Idee einer Volksbefragung zu den "Maßnahmen" der EU-14.

1.5.2000
Wechsel an der FPÖ-Spitze, Susanne Riess-Passer folgt Jörg Haider als FPÖ-Chefin nach.

5.5.2000
Die ÖVP-FPÖ-Bundesregierung beschließt einen Aktionsplan. Einer der 18 darin enthaltenen Punkte ist eine Volksbefragung, die im Herbst 2000 abgehalten werden soll, falls die "Sanktionen" bis zum Ende der portugiesischen Präsidentschaft nicht aufgehoben werden.

7./8.5.2000
Beim informellen Treffen der EU-Außenminister auf den Azoren wird über die bilateralen "Maßnahmen" gegen Österreich diskutiert. Die österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (ÖVP) greift erstmals die Idee eines "Weisenrates" als mögliches Ausstiegsszenario auf und fordert die gleichzeitige Suspendierung der "Maßnahmen" der EU-14.

13.5.2000
Der Vorschlag eines Weisenrates, wie ihn Außenministerin Benita Ferrero-Waldner artikuliert hatte, ist für den FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler "völlig ausgeschlossen". (Salzburger Nachrichten, 9. September 2000).

16.5.2000
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel fordert in einem Brief an die EU-AmtskollegInnen die Aufhebung der "Maßnahmen" bis zum EU-Gipfel in Feira (19.-20.6.2000).

27.5.2000
Außenministerin Benita Ferrero-Waldner zeigt sich mittlerweile auch skeptisch gegenüber einer Beobachtung Österreichs durch ein Team europäischer Persönlichkeiten ("Weisenrat"). Sie schlägt vor, dass die EU-Kommission über die Entwicklungen in Österreich seit der Regierungsbildung Bericht legen soll.

6.6.2000
Die Europäische Volkspartei (EVP) bescheinigt Österreich, dass es seit Antritt der schwarz-blauen Koalitionsregierung zu "keinen Beeinträchtigungen des demokratischen Systems" gekommen sei und lädt die ÖVP wieder zur vollen Mitarbeit in der EVP ein.

19.6.2000
Die von der österreichischen Regierung erhoffte Lösung beim EU-Gipfel von Feira bleibt aus, Portugal kündigt aber eine Initiative an.

27.6.2000
Der portugiesische EU-Ratsvorsitzende Antonio Guterres kontaktiert den Präsidenten des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs, Luzius Wildhaber. Dieser soll drei Persönlichkeiten mit der Erstellung eines Berichts zur Lage in Österreich beauftragen. Wildhaber macht seine Zustimmung von der Zusage Österreichs abhängig.

28.6.2000
ÖGB-Aktionstag gegen die Sparpläne der Regierung.

29.6.2000
Luzius Wildhaber erklärt sich bereit, ein dreiköpfiges Team zur Prüfung der Situation in Österreich zu ernennen. Diese so genannten "drei Weisen" sollen den Umgang der Bundesregierung mit Minderheiten, Flüchtlingen und ImmigrantInnen, sowie das Wesen und die Entwicklung der FPÖ unter die Lupe nehmen. Die 14 EU-Partnerstaaten wollen eine Aufhebung der bilateralen "Maßnahmen" gegen Österreich vom Bericht des Weisenrats abhängig machen. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) zeigt sich skeptisch, erklärt sich aber zur Zusammenarbeit mit dem Weisenrat bereit. Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (FPÖ) steht dem Weisenrat ablehnend gegenüber.

4.7.2000
Die österreichische Bundesregierung erklärt, die von ihr geplante Volksbefragung zu den EU-Maßnahmen vom Zeitpunkt, wann der Weisenrat seinen Bericht vorlegt, abhängig zu machen.

12.7.2000
Luzius Wildhaber gibt in Straßburg die Namen der drei "Weisen" bekannt. Es sind dies Martti Ahtisaari, ehemaliger finnischer Staatspräsident und Vorsitzender des Weisenrats, Jochen Frowein, Verfassungsrechtler aus der BRD, und Marcelino Oreja, ehemaliger spanischer Außenminister.

20.7.2000
Erste Beratungen der "Weisen" im Büro des finnischen Ex-Präsidenten Ahtisaari in Helsinki. Sie kündigen eine Reise nach Wien an und untermauern die Aufgabenstellung des Weisenrates. Geprüft werden soll die "Verpflichtung der österreichischen Regierung gegenüber den europäischen Werten, vor allem hinsichtlich Minderheiten, Flüchtlingen und ImmigrantInnen sowie die Entwicklung der politischen Natur der FPÖ".

28.-30.7.2000
Besuch der drei Weisen in Österreich. Sie treffen Bundespräsident Thomas Klestil, VertreterInnen der Regierung, die Chefs der politischen Parteien sowie RepräsentantInnen verschiedener Institutionen.

12.8.2000
FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler fordert erneut ein Treffen von Ex-FPÖ-Chef Jörg Haider mit den "Weisen". Komme es nicht zu einem solchen Gespräch, sei der Bericht "unvollständig" und es würde ihm nur "ein sehr geringer ernsthafter Charakter" zukommen, sagt Westenthaler.

28.-31.8.2000
Die drei Weisen ziehen sich in Heidelberg zur Schlussredaktion ihres Berichts zurück. Unterbrochen wird die Arbeitssitzung am 29. August, um am Vormittag in zwei Runden mit österreichischen Nicht-Regierungsorganisationen Gespräche zu führen. Am Nachmittag wird die FPÖ-Chefin und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer angehört. Ein Treffen mit dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider lehnen die drei Weisen bis zuletzt ab.

8.9.2000
Übergabe des Weisenberichts an den französischen Staatspräsidenten und EU-Ratsvorsitzenden Jacques Chirac im Elysee-Palast in Paris.

12.9.2000
Die französische Ratspräsidentschaft erklärt die Aufhebung der "Maßnahmen", wie sie im Weisenbericht empfohlen wurde.

15.10.2000
Bei der Steirischen Landtagswahl gewinnt die ÖVP (+ 11%), die FPÖ (-4,7%) verliert. Haider droht erstmals mit Neuwahlen.

22.10.2000
Rücktritt von Sozialministerin Sickl. Ihr Nachfolger wird Herbert Haupt.

4.11.2000
Rücktritt von Infrastrukturminister Schmid, Nachfolgerin wird Monika Forstinger.

3.12.2000
Landtagswahl im Burgenland: Wahlsieger ist die SPÖ, die FPÖ verliert 1,9, die ÖVP 0,7%.

3.2.2001
Demonstrationen gegen 1 Jahr "Schwarz-Blau".

25.3.2001
Schwere FPÖ-Niederlage bei der Wiener Gemeinderatswahl (-7,8%). Die SPÖ erreicht wieder die absolute Mandatsmehrheit.

28.3.2001
Susanne Riess-Passer droht nach der Wien-Niederlage erstmals mit Rücktritt, "wenn die öffentliche Kritik in der FPÖ Schule macht".

19.10.2001
Die Ergebnisse der ÖGB-Urabstimmung gegen die Sozialpolitik der Regierung liegen vor: rund 88% sprechen sich "notfalls" für Streiks aus.

29.11.2001
Zur Überraschung des Koalitionspartners FPÖ einigen sich Kanzler Schüssel und der Tschechische Premierminister Zeman auf einen Kompromiss im Temelin-Konflikt.

21.1.2002
915.220 ÖsterreicherInnen unterschreiben das Anti-Temelin-Volksbegehren der FPÖ, in dessen Zentrum die Forderung steht, dass ein EU-Beitritt Tschechiens erst nach einer Stilllegung des AKWs Temelin möglich sein soll. Die ÖVP lehnt die "Veto-Keule" ab.

2.2.2002
Demonstrationen gegen 2 Jahre "Schwarz-Blau".

12.2.2002
Haider reist in den Irak und trifft mit Sadam Hussein zusammen, ohne dass das Außenministerium und Vizekanzlerin Riess-Passer informiert gewesen waren.

15.2.2002
Nach heftiger Kritik am Vorgehen Haiders kündigt dieser seinen Rücktritt aus der Bundespolitik mit den Worten "Ich bin schon weg" an.

17.2.2002
Der FPÖ-Vorstand erteilt Susanne Riess-Passer eine "Generalvollmacht", Jörg Haider scheidet aus dem Koalitionsausschuss aus.

19.2.2002
Rücktritt von Infrastrukturministerin Forstinger, ihr Nachfolger wie Matthias Reichhold.

9.6.2002
Wiederwahl von Susanne Riess-Passer. Haider wirbt für sie.

27.7.2002

Jörg Haider trifft mit Vertretern des belgischen Vlamms Blok sowie der italienischen Lega Nord zusammen. Susanne Riess-Passer ist darüber nicht informiert.

14.8.2002
Der Ministerrat verschiebt aufgrund der aktuellen Hochwasserkatastrophe die für 2003 geplante Steuerreform um ein Jahr. Jörg Haider akzeptiert dies nicht, seine UnterstützerInnen sammeln Stimmen für einen Sonderparteitag, Vizekanzlerin Riess-Passer droht indessen mit ihrem Rücktritt. Ein Machkampf in der FPÖ zeichnet sich ab.

31.7.2002
Haider kündigt an, die FPÖ im Wahlkampf nicht zu unterstützten: "Ich bin nicht der Klempner der FPÖ".

1.8.2002
Gemeinsame Pressekonferenz von Haider und Riess-Passer; Haider bezeichnet sie als "unbeflecktes Lamm".

8.9.2002
Nach dem Sonderparteitag der FPÖ in Knittelfeld, bei dem es vordergründig um die angekündigte Steuerreform, de facto um eine Abrechnung mit der Regierungspolitik und den freiheitlichen Regierungsmitglieder geht, erklären Vizekanzlerin Riess-Passer, Finanzminister Grasser und Klubobmann Westenthaler ihren Rücktritt.

9.9.2002
Bundeskanzler Schüssel kündigt Neuwahlen für Ende November 2002 an (24. November). Auch Infrastrukturminister Reichhold erklärt seinen Rücktritt. In der FPÖ herrscht Chaos, es kommt zu einer Rücktrittswelle von FPÖ-Mitgliedern, die Partei macht sich auf die Suche nach einer neuen Führung.

19.9.2002
Matthias Reichhold nimmt das Angebot an, FPÖ-Obmann zu werden. Sozialminister Haupt soll - wie bereits eine Woche zuvor verkündet wurde - Spitzenkandidat bei der kommenden Nationalratswahl sein.

31.10.2002
Matthias Reihhold tritt aus gesundheitlichen Gründen als FPÖ-Obmann zurück. Herbert Haupt übernimmt seine Aufgaben.

8.11.2002
Haupt legt sich fest: Sollte die FPÖ unter 15 % kommen, geht die FPÖ in Opposition.

24.11.2002
Bei den Nationalratswahlen verliert die FPÖ (-16,90) schwer, die ÖVP (+15,39) gewinnt enorm dazu und wird zur stärksten Partei; SPÖ (+3,36) und GRÜNE (+2,07) gewinnen leicht:

ÖVP: 2.076.831, 42,30% der abgegebenen Stimmen, 79 Mandate
SPÖ: 1.792.499 WählerInnen, 36,51% der abgegebenen Stimmen, 69 Mandate
FPÖ: 491.328 WählerInnen, 10,01% der abgegebenen Stimmen, 18 Mandate
GRÜNE: 465.021 WählerInnen, 9,47% der abgegebenen Stimmen, 17 Mandate
KPÖ: 27.567 0,56% der abgegebenen Stimmen, kein Mandat
LIF: 48.085 WählerInnen, 0,98% der abgegebenen Stimmen, kein Mandat
Die Demokraten: 2.439 WählerInnen 0,05% der abgegebenen Stimmen, kein Mandat

26.11.2002
Bundespräsident Thomas Klestil erteilt ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel den Auftrag zur Regierungsbildung.

3.12.2002
Beginn der Sondierungsgespräche mit der SPÖ.

5.12.2002
Beginn der Sondierungsgespräche mit der FPÖ.

6.12.2002
Erste Gesprächsrunde der ÖVP mit den Grünen.

10.12.2002
ÖVP und FPÖ bilden vier Untergruppen.

17.12.2002
Die Grünen brechen die Gespräche vorerst ab.

20.12.2002
Der neu gewählte Nationalrat konstituiert sich.

4.1.2003
Das SPÖ-Präsidium gibt grünes Licht für weitere Gespräche.

6.1.2003
Schüssel präsentiert ein Zehnpunktepapier für die Verhandlungen.

8.1.2003
ÖVP und SPÖ vereinbaren Gespräche in sechs Untergruppen.

21.1. 2003
Das SPÖ-Präsidium gibt grünes Licht für Koalitionsverhandlungen.

22.1.2003
Nach einer abschließenden Sondierungsrunde zwischen ÖVP und SPÖ erklärt Schüssel, noch mit FPÖ und Grünen sprechen zu wollen.

31.1.2003
ÖVP und Grüne vereinbaren die Intensivierung der Gespräche. Die SPÖ legt ihre zwölf Punkte vor.

5.2.2003
Der Erweiterte Bundesvorstand der Grünen spricht sich für Koalitionsverhandlungen aus.

15./16.02.2003
Die schwarz-grünen Gespräche scheitern.

17.2.2003
Bundespräsident Klestil drängt Schüssel, "raschest eine Entscheidung" zu treffen.

18.2.2003
Schüssel und Gusenbauer vereinbaren "intensivierte" Gespräche. Das FPÖ-Präsidium fordert Exklusivgespräche mit der ÖVP.

20.2.2003
Die ÖVP beschließt Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ aufzunehmen.

28.2.2003
Die neue ÖVP-FPÖ-Regierung wird angelobt. Noch während der Verhandlungen hatte Landeshauptmann Haider der ÖVP "Siegesrausch" vorgeworfen und gesagt, die FPÖ dürfe nicht der "billige Jakob" der ÖVP sein.

Quellen:
Der Standard, 9./10.9.2000, S. 9; Salzburger Nachrichten, 9.9.2000, S. 3; Der Standard, 13.9.2000; Der Standrad, 9.9.2002, Der Standard, 19.9.2002, 1.11.2002,21.2.2003, 6.2.2003, 1.3.2003

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org