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Der Aufstieg der 4. Macht

1788
In England erscheint erstmals "The Times".

1826
In Frankreich erscheint erstmals "Le Figaro".

1835
Charles-Louis Havas gründet in Frankreich die erste Nachrichtenagentur, die Agence Havas.

1848
Gründung der Tageszeitung "Die Presse" in Österreich. Sie ist ein Ergebnis der bürgerlichen Revolution.

1849
In Wien wird von Joseph Tuvora die Österreichische Korrespondenz, die erste "Österreichische Nachrichtenagentur" ins Leben gerufen.

1851
In London wird die Nachrichtenagentur Reuters gegründet.

1851
Gründung der "New York Times".

1860
Die "Österreichische Korrespondenz" wird vom "k. k. Telegraphen-Korrespondenz-Bureau" abgelöst.

1877
Gründung der "Washington Post".

1888/89
Gründung der "Arbeiter-Zeitung" im Anschluss an den Einigungsparteitag der Sozialdemokratischen Partei in Österreich.

1898
Dreyfuß-Affaire: In einem offenen Brief an Frankreichs Präsident in der Zeitung "L ´Aurore" verteidigt Emile Zola den französischen Hauptmann jüdischer Abstammung Alfred Dreyfuß, der wegen angeblichen Landesverrats zu lebenslänglicher Verbannung verurteilt wurde. In kürzester Zeit sind 300.000 Exemplare verkauft. Ein Rekord für damalige Verhältnisse.

1900
In der österreichisch-ungarischen Monarchie wird die Stempelsteuer abgeschafft. Damit wird der Weg zu Massenblättern frei. Erstmals erscheint die "Österreichische Kronen Zeitung" als Boulevard-Blatt (Massenpresse gepaart mit Sensationsmeldungen).

1903
Gründung der nationalpopulistischen Tageszeitung "Daily Mirror" (London).

1912
Die kommunistische "Prawda" erscheint erstmals, Herausgeber ist Lenin.

1917
Erstmalige Verleihung des Pulitzer Preises für publizistische Beiträge auf journalistischem, literarischem und musikalischem Gebiet. Der Preis wird jährlich vergeben.

1919
New Yorks "Daily News" ist das erste Sensationsblatt des Boulevards.

1920
Eröffnung der ersten Radiostation in den USA.

1922
Sendung von ersten Radioprogrammen durch BBC in England und "Radiola" in Frankreich. In der Sowjetunion entstehen Radiohörer-Kollektive (KomIntern).

1922
Das "k. k. Telegraphen-Korrespondenz-Bureau" wird in "Amtliche Nachrichtenstelle" (ANA) umbenannt.

1923
Die "Time" (USA) erscheint als erste Wochenzeitung mit allgemeinen Nachrichten.

1924
Der RAVAG (Radioverkehrs AG) wird die 1. Rundfunkkonzession in Österreich erteilt.

1925
Gründung der Nachrichtenagentur TASS in Moskau.

1933
Gleichschaltung der Medien in Nazi-Deutschland. Jüdischen JournalistInnen wird durch das Reichschriftleitergesetz eine journalistische Tätigkeit verwehrt. Es wird mit der Herstellung des "Volksempfängers" begonnen. Der Propaganda kommt im NS-Staat eine wichtige Bedeutung zu.

1933
Gründung des Privatsenders "Radio Luxembourg" als Reaktion auf die Beschlagnahme deutscher Medien durch Hitler.

1933-1938
Der austrofaschistische "Ständestaat" beseitigt sukzessive, v.a. nach dem Bürgerkrieg von 1934, die Meinungs- und Pressefreiheit. Die Presseerzeugnisse der politischen Gegner werden verboten.

1934
Die Deutsche Reichsrundfunkgesellschaft beginnt mit der technischen Entwicklung des Fernsehers. Seit 1935 regelmäßiger Versuchsbetrieb (Kurzfilme, Wochenschauen).

1938/39
Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich wird die österreichische Medienlandschaft zerschlagen; auch in Österreich gilt nun das Schriftleitergesetzes. Es kommt zur Ermordung und Emigration zahlreicher jüdischer JournalistInnen. Zentrales Pressemedium wird auch in Österreich der "Völkische Beobachter".

1944
In Frankreich erscheint erstmals die von Mitgliedern der Résistance gegründete Zeitung "Le Monde".

1945
Nach Kriegsende gründen die Alliierten Zeitungen (Sowjetunion: "Die Österreichische Zeitung"; USA: "Wiener Kurier", Großbritannien: "Weltpresse", Frankreich "Welt am abend") und Radiosender (sowjetische Zone: "Radio Wien", amerikanische Zone: "Sendergruppe Rot-Weiss-Rot", britische Zone: "Sendergruppe Alpenland"; französische Zone: "Sendergruppe West") in Österreich. Gleichzeitig entstehen auch die österreichischen Printmedien wieder. "Das neue Österreich" erscheint bis 1947 als Dreiparteienblatt (ÖVP, SPÖ, KPÖ); bis 1963 als Zweiparteieinblatt (ÖVP, SPÖ); 1967 wird das Blatt eingestellt.

1945
In vielen europäischen Ländern wird der Rundfunk zum Staatsmonopol.

1946
In Österreich wird die APA (Austria Presse Agentur) als vom Staat unabhängige private Genossenschaft der österreichischen Tageszeitungen gegründet.

1946
Die erste politische Wochenzeitschrift in Europa erscheint: "Diese Woche", der Vorläufer vom "Spiegel": Vorbild: Das US-Nachrichtenmagazin "Time".

1947
In Deutschland wird "Der Spiegel" gegründet.

1949
In Österreich wird die erste Austria Wochenschau ausgestrahlt.

1952
In Deutschland gründet Axel Springer die "Bild Zeitung", den Prototyp eines Boulevardblattes.

1953
Das erste freie österreichische Radioprogramm wird ausgestrahlt.

1954
Der "Neue Kurier" geht aus dem "Wiener Kurier" (der US-Alliierten) hervor.

1954
Gründung der Eurovision: Zusammenschluss von Rundfunkgesellschaften zum Austausch von Fernsehprogrammen in Westeuropa.

1957
Gründung des Österreichischen Rundfunks (ORF). Hauptgesellschafter ist der Bund, die Länder haben eine Minderheitenbeteiligung.

1959
Wiedergründung der "Kronen Zeitung".

1962
Spiegel-Affaire: Herausgeber Rudolf Augstein und ein Redakteur werden wegen Landesverrats festgenommen.

1963
Die Enzyklika "Pacem in Terris" fordert das Recht jedes Menschen auf objektive Berichterstattung.

1964
Das österreichische Rundkfunkvolksbegehren wendet sich (als erstes Volksbegehren der Zweiten Republik) gegen den Parteienproporz und die politische Einflussnahme im Rundfunk. Treibende Kraft sind die unabhängigen Printmedien und der Kurier-Chefredakteur Hugo Portisch.

1967
ORF-Reform: Teilweise Umsetzung der Forderung des Rundfunkvolksbegehren; Stärkung der Position des Generalintendanten.

1970
Gründung der Wochenzeitschrift "Profil". Sie trägt wesentlich zur Aufdeckung politischer Skandale in Österreich bei ("Entdeckerjournalismus").

1972
Carl Bernstein und Bob Woodward von der "Washington Post" decken den Watergate-Skandal auf, zwei Jahre später folgt der Rücktritt von Präsident Nixon.

1974
Neuregelung des ORF: Der ORF wird als öffentlich-rechtliche Anstalt (mit Programmauflagen) konstituiert; ein Kuratorium wird eingerichtet, die Stellung des Generalintendanten (etwa in Programmfragen) wird geschwächt; der ORF wird zu einem eigenen Wirtschaftskörper als Einrichtung des Bundes.

1975
Einführung der öffentlichen Presseförderung in Österreich.

1978
Beginn der Verkabelung in Österreich.

1980
In den USA gründet Ted Turner CNN, den ersten 24-Stunden-Nachrichtensender.

1980
Silvio Berlusconi gründet "Canale 5", das mächtigste private Fernsehen in Italien.

1981
Der Musiksender MTV wird gegründet.

1982
Die Austria Wochenschau wird eingestellt. (Ihr folgen die Wochenschauen "Scope" von 1982 bis 1985 und "Hallo Kino" von 1985 bis 1994).

1984
In Deutschland starten privat-kommerzielle Fernsehsender (Sat 1, RTL).

1988
Fusion von "Krone" und "Kurier" (Media Print). Starke Konzentration auf dem österreichischen Medienmarkt.

1988
Gründung der Tageszeitung "Der Standard".

1989
Das World Wide Web (WWW) entsteht. Die Geschichte des Internets reicht jedoch bis in die 1950er Jahre zurück.

1989
Fusion von Time und Warner in den USA zu einem der ersten Medien- und Werbekonzerne der Welt.

1989
Beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte werden fünf Beschwerden gegen das ORF-Monopol eingebracht. Den Beschwerden wird 1993 stattgegeben.

1993
Mit dem Regionalradiogesetz wird privater Rundfunk in Österreich erlaubt.

Der Verband Freier Radios Österreich (VFRÖ) wird als Zusammenschluss privater Radiosender gegründet. Im Jahr 2013 hat er 15 Mitglieder

1995
"Der Standard" ist die erste Tageszeitung im deutschsprachigen Raum im Internet.

1996
Bertelsmann-Ufa schließt sich mit CLT zusammen und gründet den audiovisuellen Riesen
CLT/Ufa, bestehend aus 14 TV- und Radiostationen.

1997
Novellierung des Regionalradiogesetzes.

1998
Mehrere Privatradios gehen in Österreich auf Sendung (zwischen 1993 und 1997 nur zwei Privatsender).

2000
Es kommt zur Kooperation zwischen der News-Gruppe (u.a. mit dem Wochenmagazin Format.) und dem "Profil", an dem die marktbeherrschende Mediaprint beteiligt ist. Damit schreitet die Konzentration auf dem österreichischen Medienmarkt weiter voran.

2001
Das Privatradiogesetz löst das Regionalradiogesetz ab.

2001
Das Privatfernsehgesetz wird beschlossen.

2003
Der österreichische Privatfernsehsender ATV+ nimmt seinen Betrieb auf (terrestrisches Fernsehen).

2004
Der Wiener Stadtsender Puls TV geht on air.

Die Gratis Tageszeitung Heute wird gegründet. Das Boulevardblatt wird von Hans Dichands Schwiegertochter Eva Dichand herausgegeben. Es gehört zu 74% der Familienstiftung der Dichands und zu 26% der Periodika Privatstiftung von Günther Havranek. „Heute“ entwickelte sich in kurzer Zeit zu einer der meist gelesenen Tageszeitungen, in Wien liest jedeR Zweite das Blatt.


2006
Die Tageszeitung Österreich wird von Wolfgang Fellner gegründet. Das Boulevardblatt wird gratis an Busstationen aufgelegt sowie in Trafiken verkauft. „Österreich“ wird häufig aufgrund der niedrigen Qualität und nicht überprüfter Fakten kritisiert. Die Tageszeitung Kurier prägte in diesem Zusammenhang den Begriff „Hyänenjournalismus“, wobei auf die besonders reißerische und ethisch oft fragwürdige Berichterstattung Bezug genommen wird.

2009
Die beiden Zeitungsgiganten Styria und Moser Hodling planen eine Fusion, die vom Kartellgericht überprüft und letztlich nicht durchgeführt. Styria ist der umsatzstärkste Medienkonzern Österreichs, durch die Fusion wäre es zu Marktführerschaft in mehreren Bundesländern und in verschiedenen Bereichen des Medienbetriebs gekommen: Printmedien, Radio, Vertrieb und Druck.

2010
Der Journalist und Herausgeber Hans Dichand stirbt am 17. Juni im Alter von 89 Jahren. Dichand war seit der Neugründung der Kronen Zeitung deren Herausgeber und Miteigentümer. Die von der Kronen Zeitung (auf Dichands Wunsch hin) vertretene Meinung wurde immer wieder als wichtiger Einflussfaktor in der österreichischen Politik gesehen. Besonders vor den Nationalratswahlen 2006 und 2008 wurde heftig über den Einfluss der Kronen Zeitung auf das Wahlergebnis diskutiert.


Quellen:
Csoklich, Fritz, Massenmedien, in: Weinzierl, Erika / Skalnik, Kurt (Hg.): Das neue Österreich. Geschichte der Zweiten Republik, Verlag Styria, Graz/Wien/Köln, 1975, S. 259-276

Fidler, Harald / Merkle, Andreas: Sendepause. Medien und Medienpolitik in Österreich. edition lex liszt 12, Oberwart 1999

Duchkowitsch, Wolfgang: Einführung in die Medien- und Kommunikationsgeschichte (Skriptum), WUV-Verlag, Wien 2000

www.apa.co.at, 14.3.2013

Steinmaurer, Thomas, Österreichs Mediensystem – Ein Überblick, in: Steinmaurer, Thomas (Hg.): Konzentriert und verflochten. Österreichs Mediensystem im Überblick. Mit Beiträgen von Elfriede Scheipl und Thomas Ungerböck (= Beiträge zur Medien- und Kommunikationsgesellschaft 10), Studien Verlag, Innsbruck/Wien/München/Bozen 2002; Eigenrecherchen)

 

Letztes Update: 04/2015

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