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11. September 2001: Medien-Terror-Krieg

11.9.2001
8.45 Uhr (Ortszeit) / 14.45 Uhr (MEZ): Eine um 7.59 Uhr in Boston mit 92 Passagieren an Bord gestartete Boeing 767 (American Airlines Flug 11 nach Los Angeles) stürzt in den Nordturm des World Trade Center (WTC). Zunächst glaubt man an ein Unglück.

9.03 Uhr (Ortszeit) / 15.03 Uhr (MEZ): Eine weitere, um 8.14 Uhr in Boston gestartete Boeing 767 (United Airlines Flug 175 nach Los Angeles) stürzt mit 65 Menschen an Bord in den Südturm des WTC.

9.43 Uhr (Ortszeit) / 15.43 Uhr (MEZ): Eine um 8.43 Uhr in Washington gestartete Boeing 757 (American Airlines Flug 77 nach Los Angeles) stürzt ins Pentagon. Ein Teil des Gebäudes wird verwüstet. Das Pentagon, das Weiße Haus, weitere Ministerien und das Capitol werden evakuiert.

10.05 Uhr (Ortszeit) / 16.05 Uhr (MEZ): Der um 9.43 Uhr getroffene Südturm des WTC stürzt zusammen.

10.23 Uhr (Ortszeit) / 16.23 Uhr (MEZ): Vor dem US-Außenministerium in Washington explodiert eine Autobombe, es gibt keine Toten oder Verletzten.

10.28 Uhr (Ortszeit) / 16.28 Uhr (MEZ): Der Nordturm des WTC stürzt zusammen.

10.29 Uhr (Ortszeit) / 16.29 Uhr (MEZ): Eine um 8.01 Uhr in Newark gestartete Boeing 757 (United Airlines Flug 93 nach San Francisco) stürzt mit 45 Menschen an Bord in ein unbewohntes Gebiet, 80 Kilometer südlich von Pittsburgh. Es gibt keine Überlebenden.
Über das wahre Ziel der Maschine wird unter anderem spekuliert, dass sie Kurs auf das Weiße Haus oder Camp David, den Präsidentenlandsitz, genommen haben könnte.

13.27 Uhr (Ortszeit) / 19.27 Uhr (MEZ): In Washington und New York wird der Notstand ausgerufen. US-Präsident Georg Bush erklärt dem Terrorismus den Krieg und spricht von einer "nationalen Tragödie" .

11.9.2001
In Folge des Terrorangriffs auf das WTC kommt es zu beachtlichen Einbrüchen in den Aktienmärkten; die Flugzeugindustrie gerät in eine schwere Krise und kündigt unmittelbar nach dem Anschlag verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an.

12.9.2001
Der UN-Sicherheitsrat verurteilt die Terroranschläge und fordert die Bestrafung der Drahtzieher. Die NATO verkündet zum ersten Mal in ihrer über 50-jährigen Geschichte den kollektiven Verteidigungsfall, der die Beistandspflicht beinhaltet. US-Präsident Bush bezeichnet den Angriff als "Akt des Krieges".

12.9.2001
Das FBI gibt bekannt, dass die Attentäter von New York und Washington identifiziert worden seien. US-Justizminister John Ashcroft ergänzt, einige Terroristen hätten eine Flugausbildung in den USA (Florida) absolviert. Erstmals werden als mögliche Terroristen Mohammad Atta und ein Mann namens Marwan genannt.

12.9.2001
CNN zeigt Bilder von jubelnden PalästinenserInnen, die weltweit auf Empörung stoßen. Es kommen Gerüchte auf, die Bilder seien nicht aktuell, diese werden jedoch widerlegt.

13.9.2001
Die Hannoversche Neue Presse berichtet, dass die CIA bereits vor einem Monat von einem in Deutschland einsitzenden Schubhäftling vor den Terroranschlägen gewarnt worden sei, dem Mann wurde jedoch nicht geglaubt. In Folge kommt es zu mehreren Vorwürfen, dass Warnungen oder Hinweise nicht beachtet worden sind.

14.9.2001
Die Europäische Union sichert der US-Regierung uneingeschränkte Solidarität und Hilfe zu. Spuren des Terrors führen auch nach Deutschland.

15.9.2001
Der US-Kongress ermächtigt Präsident Bush, auf die Angriffe mit militärischer Gewalt zu reagieren. Bush spricht von einem "langen Feldzug".

16.9.2001
Die USA nehmen Afghanistan und das Taliban-Regime, das dem Führer der Al Qaida, Osama bin Laden, Gastrecht gewährt, ins Visier. Pakistan sagt den USA Unterstützung zu und verstärkt seine Truppen an der Grenze.

17.9.2001
China und Russland wollen die Amerikaner bei der Terrorbekämpfung unterstützen. Moskau ist jedoch gegen eine Stationierung von US-Truppen in zentralasiatischen Ländern und fordert wie China ein Mandat des UN-Sicherheitsrats für einen Vergeltungsschlag, was die USA zurückweisen.

18.-20. 9.2001
US-Präsident Bush strebt eine weltweite Koalition gegen den internationalen Terrorismus an und trifft sich mit den Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien, Indonesien und den Außenministern Chinas, Russlands, Saudi Arabiens und Deutschlands.

20.9.2001
Der Rat der muslimischen Geistlichen der Taliban beschließt, dass Osama bin Laden Afghanistan freiwillig verlassen soll, die USA bestehen jedoch weiterhin auf eine Auslieferung bin Ladens und der führenden Mitglieder seiner Organisation Al Qaida. Die Geistlichen drohen bei einem US-Angriff mit dem "Heiligen Krieg."

21.9.2001
Die USA verlegen in großem Umfang Kampfflugzeuge, Kriegsschiffe und spezielle Bodentruppen in die Golfregion. Die Operation trägt die Bezeichnung "Infinite Justice" ("Unbegrenzte Gerechtigkeit").

21.9.2001
Bei ihrem EU-Sondergipfel in Brüssel sagen die EU-Staats- und Regierungschefs den USA ihre – auch militärische – Unterstützung im Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu. Ein Maßnahmenpaket gegen den Terrorismus wird verabschiedet (Verbesserung der Aufklärungsarbeit, verstärkte Kooperation der Geheimdienste und neue Methoden der "Identifizierungssicherung", wie z.B. Fingerabdruck im Pass).

23.9.2001
Die USA verstärken ihre Streitmacht im Persischen Golf und im Arabischen Meer. Nach den Arabischen Emiraten bricht auch Saudi Arabien die diplomatischen Beziehungen zum Taliban-Regime ab.

25.9.2001
US-Verteidigungsminister Rumsfeld erklärt, dass die USA keinen großen Militärschlag und keine große Invasion planen, sondern vielmehr eine Vielzahl kleinerer Aktionen. Die Militäraktion wird von "Infinite Justice" ("Grenzenlose Gerechtigkeit") in "Enduring Freedom" ("Dauerhafte Freiheit") umbenannt.

26.9.2001
Die USA wollen bei den militärischen Vorbereitungen als Antwort auf die Terroranschläge vorerst nicht auf die NATO zurückgreifen.

28.9.2001
Der russische Präsident Wladimir Putin betont, Russland werde sich gemeinsam mit Amerika stärker im Kampf gegen den Terror engagieren. In Afghanistan werde Russland militärisch nicht eingreifen aber die USA unterstützen.

29.9.2001
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig eine Resolution, in der alle UN-Mitgliedsstaaten verpflichtet werden, jegliche Unterstützung für terroristische Organisationen oder Einzeltäter auf ihren Territorien zu unterbinden. Vor allem sollen die Finanzstrukturen radikaler Gruppen zerschlagen werden.

30.9.2001
Die amerikanische Regierung will mit Hilfe der oppositionellen Nordallianz das Regime in Kabul stürzen. Die USA und Großbritannien ziehen mit Unterstützung regionaler Verbündeter einen massiven Truppenring mit 30.000 Soldaten um Afghanistan.

1.10.2001
Die US-Regierung warnt die Bevölkerung vor Terroranschlägen mit Bio- oder Chemiewaffen. Das Pentagon geht davon aus, dass mehrere Staaten, die Terroristen unterstützen, über Chemie- und Biowaffen verfügen.

2.10.2001
Die US-Regierung legt der NATO in Brüssel Beweise vor, dass die Terrorangriffe aus dem Ausland gesteuert worden seien und Osama bin Laden und die Al Qaida hinter ihnen stünden. Daraufhin verkündet die NATO erstmals in ihrer 52-jährigen Geschichte den Bündnisfall nach Artikel 5 des Washingtoner Vertrages, der alle NATO-Mitgliedsstaaten im Falle eines Angriffs von außen zum gegenseitigen Beistand verpflichtet.

3.10.2001
Die US-Regierung bittet um die Gewährung von Überflug- und Landerechten oder den Austausch von Informationen.

3.10.2001
Beim 8. Gipfeltreffen zwischen der EU und Russland in Brüssel vereinbaren die TeilnehmerInnen eine enge Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus.

4.10.2001
Die NATO beschließt acht Maßnahmen zur Unterstützung der USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Dazu gehören unter anderem eine engere Zusammenarbeit der Geheimdienste, erhöhter Schutz von US-Einrichtungen, Gewährung von Überflugrechten und die Öffnung von Häfen und Flughäfen für die amerikanischen und alliierten Streitkräfte.

5.10.2001
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und der britische Premierminister Tony Blair werben in islamischen Staaten für den Feldzug gegen den internationalen Terrorismus.

6.10.2001
Die zehn NATO-Anwärterstaaten (Albanien, Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Rumänien, Slowakei und Slowenien) erklären ihre uneingeschränkte Unterstützung für die Anti-Terror-Offensive der USA.

7.10.2001
Die USA beginnen mit ihren Angriffen auf Afghanistan (18.27 MEZ), an denen sich auch Großbritannien beteiligt. Ziele sind Flugabwehrstellungen, Flugplätze und Bodenkräfte der Taliban sowie Stützpunkte von Terroristen. Gleichzeitig mit den Angriffen werfen die USA Hilfsgüter für die Zivilbevölkerung ab.

7.10.2001
Bin Laden übernimmt erstmals Verantwortung für die Terrorangriffe in den USA am 11. September. "Eine Gruppe von Muslimen hat Amerika zerstört", sagt er in einer Videobotschaft, die vom Fernsehsender Al-Jazeera ausgestrahlt wird.

9.10.2001
Wie in den vergangenen Tagen appelliert Osama bin Ladens Organisation Al Qaida via Satellitenfernsehen (Al-Jazeera) direkt an die islamische Welt und droht den USA mit neuen Anschlägen.

10.10.2001
Die Islamische Weltkonferenz (OIC), die in Katar tagt, verurteilt die Anschläge in den USA, fordert jedoch, die Militäraktionen nicht auf andere Länder auszudehnen und ZivilistInnen zu schonen. Al Qaida kündigt weitere Anschläge mit entführten Flugzeugen an.

11.10.2001
Die US-Luftwaffe greift am 5. Angriffstag zum ersten Mal auch am Tag Ziele in Afghanistan an.

12.10.2001
US-Präsident Bush bietet den Taliban eine "zweite Chance", falls sie sich doch noch für die Auslieferung bin Ladens entschließen. In diesem Falle wolle er die Militäraktion gegen Afghanistan "überdenken".

14.10.2001
Die Taliban erklärten sich bereit, Osama bin Laden an ein neutrales Land auszuliefern, wenn die USA Beweise für dessen Beteiligung an den Anschlägen vom 11. September vorlegen. US-Präsident Bush lehnt jede Verhandlung mit den Taliban ab. Zahlreiche Milzbrandfälle schüren in den USA die Angst vor Bio-Waffen.

16.10.2001
Die EU beschließt, schärfer gegen die Geldwäsche vorzugehen.

17.10.2001
Bioterror-Anschläge mit Milzbranderregern halten die USA weiter in Atem. Nach Anschlägen auf mehrere Senatoren wird das Abgeordnetenhaus geschlossen. Präsident Bush kündigt den Einsatz von Bodentruppen in Afghanistan an. Die Taliban bieten einen "Waffenstillstand" an.

20.10.2001
Die Staats und Regierungschefs der EU stellen sich auf ihrem Gipfeltreffen in Gent demonstrativ hinter die US-Militäraktionen gegen das Taliban-Regime.

20.11.2001
Die Europäische Kommission nimmt die verschärfte Geldwäsche-Richtlinie an.

26.10.2001
Die Taliban nehmen den afghanischen Oppositionspolitiker Abdul Hak gefangen und richten ihn hin. In den USA werden Spuren von Anthrax in den Poststellen des Weißen Hauses, des US-Außenministeriums und des CIA gefunden. Die Zahl der Anthrax-Infektionen steigt auf 13, drei Betroffene sterben. Nach CIA-Erkenntnissen sind die Urheber der Biowaffen-Anschläge US-Extremisten.

26.10.2001
Die US-Justizbehörden geben bekannt, dass sie seit den Terroranschlägen am 11. September bereits 952 Menschen unter Terrorismusverdacht festgenommen haben. Eine Vertreterin des Justizministeriums teilt mit, dass "die überwiegende Mehrheit" noch in Haft sei.

26.10. 2001
Der amerikanische Senat ratifiziert ein Antiterrorgesetz. Dieses sieht unter anderem vor: Verdächtige Nicht-US-AmerikanerInnen dürfen bis zu sieben Tage ohne Anklage in Untersuchungshaft gehalten werden, der große Lauschangriff auf Telefon und Internet ist ab sofort mit minimaler Kontrolle durch Gerichte erlaubt, das Bank- und Arztgeheimnis wird eingeschränkt, die Akten von Universitäten, PsychiaterInnen und Kreditinstituten können von Behörden ab sofort ohne gerichtliche Genehmigung eingesehen werden, Geldbewegungen aller Art sind ab sofort der Kontrolle der Behörden unterworfen. Einzahlungen über 10.000 Dollar fallen automatisch in die Kategorie verdächtiger Finanzbewegungen, Hausdurchsuchungen dürfen künftig ohne Hausdurchsuchungsbefehl und Begründung durchgeführt werden. KritikerInnen sprechen deshalb von einer massiven Einschränkung der Bürger- und Menschenrechte.

27.10.2001
In Pakistan versammeln sich Tausende Islamisten aus mehreren Ländern an der Grenze zu Afghanistan. Sie sind bewaffnet und wollen die Taliban im Kampf gegen die USA unterstützen.

4.11.2001
Die Arabische Liga weist den Aufruf Osama bin Ladens an alle Moslems in der Welt, einen Heiligen Krieg gegen den Westen zu führen, zurück. Bin Laden spreche nicht im Namen aller Muslime, so Generalsekretär Amr Mussa.

6.11.2001
Die US-Regierung bekräftigt in einer per Rundfunk ("Voice of America") in 53 Sprachen in Zentralasien verbreiteten Erklärung ihren Willen, die Angriffe auf Afghanistan auch während des islamischen Fastenmonats Ramadan fortzusetzen.

10.11.2001
Die oppositionelle Nordallianz bricht den Widerstand der Taliban-Milizen und dringt in die strategisch bedeutende Stadt Masar-i-Scharif ein. Der Marsch auf die Hauptstadt Kabul beginnt.

13.11.2001
Die oppositionelle Nordallianz erobert die afghanische Hauptstadt Kabul. Die Taliban fliehen in den Süden des Landes. Die UNO schlägt einen Fünf-Punkte-Plan zur Befriedigung Afghanistans vor (Übergangsregierung unter Beteiligung aller ethnischen Gruppen, abgesichert durch eine internationale Friedenstruppe).

13.11.2002
US-Präsident Bush erlässt eine Verfügung, der zufolge AusländerInnen, die verdächtigt werden, in den internationalen Terrorismus verwickelt zu sein, auf Veranlassung des Präsidenten vor spezielle Militärgerichte gestellt werden können.

14.11.2001
Der Vormarsch der Nordallianz geht unvermindert weiter. Schwere Kämpfe in der Taliban-Hochburg Kandahar.

19.11.2001
Der von den Taliban entmachtete afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani kehrt nach Kabul zurück. Der Militärchef der Al Qaida und "rechte Hand" von Osama bin Laden, Mohammed Atef, kommt bei einem US-Angriff ums Leben. Die USA setzen auf Osama bin Laden ein Kopfgeld von 25 Mio. Dollar aus.

27.11.2001
Auf dem Petersberg bei Bonn beginnt unter der Schirmherrschaft der UNO eine Afghanistan-Konferenz mit Vertretern der wichtigsten Volksgruppen des Landes. Ziel ist es, die Voraussetzungen für eine breitangelegte, multiethnische afghanische Übergangsregierung zu schaffen.

28.11.2001
Nach dem Fall der nordafghanischen Stadt Kundus verbleibt den Taliban nur noch ihre Hochburg Kandahar im Süden des Landes.

7.12.2001
Kandahar fällt. Die Taliban-Kämpfer ergeben sich oder fliehen wie Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar. Ein paschtunischer Stammesrat übernimmt die Kontrolle über Kandahar.

8.12.2001
Osama bin Laden und seine Gefolgsleute werden in dem ausgedehnten Bunker-, Tunnel- und Höhlenlabyrinth Tora Bora nahe der ostafghanischen Stadt Dschalabad vermutet.

11.12. 2001
US-Präsident Bush sagt in Washington, dass eine im Besitz der Amerikaner befindliche Videoaufzeichnung Osama bin Laden als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September überführe.

11.12.2001
Die erste Anklage wegen den Terroranschlägen vom 11. September liegt vor: Sie richtet sich gegen Zacarias Moussaoui, einen Franzosen marokkanischer Herkunft.

13.12.2001
CNN veröffentlicht ein Video, in dem sich Osama bin Laden als Mitverantwortlicher für die Terror-Anschläge vom 11. September offenbart. Die Hijacker, die die Flugzeuge steuerten, hätten bei ihrer Einreise in die USA lediglich gewusst, dass sie ihr Leben einer Operation opfern sollten, erzählt ein gut gelaunter und häufig lachender Bin Laden auf dem Video. Umfang und Art der "Operation" sei den Terroristen zunächst aber nicht bekannt gewesen.

14.12.2001
Die USA verstärken ihre Bodentruppen rund um die Bergfestung Tora Bora. Auf die Ergreifung von Taliban-Chef Mullah Omar setzen die USA ein Kopfgeld von 10 Millionen Dollar aus.

14./15.12.2001
Einigung über den europäischen Haftbefehl.

18.12. 2001
Die Bergfestung Tora Bora fällt. Der Aufenthaltsort von Mullah Omar und Osama bin Laden bleibt jedoch unbekannt.

20.12.2001
Der UN-Sicherheitsrat in New York erteilt das Mandat nach Artikel VII der UN-Charta für eine "Internationale Sicherheits-Unterstützungstruppe" (ISAF) in Afghanistan für zunächst sechs Monate mit Option auf Verlängerung.

22.12.2001
In Kabul wird die neue afghanische Regierung unter Ministerpräsident Hamid Karsai eingesetzt. Eine internationale Schutztruppe soll in Kabul und Umgebung für Sicherheit sorgen und die Interimsregierung schützen.

26.12.2001
In einem von Al Jazeera ausgestrahlten Band, das einen erschöpften Bin Laden in Kampfuniform zeigt, wirft dieser dem Westen vor, einen Kreuzzug gegen die muslimische Welt zu führen.

27.12.2001
Die amerikanischen Behörden korrigieren erneut die Zahl der Opfer vom 11. September. Nach Angaben der Stadt New York wurden 2940 Menschen in den Zwillingstürmen des World Trade Centers getötet. Insgesamt kamen bei den Terroranschlägen in New York, Washington und Pennsylvania 3173 Menschen ums Leben.

28.12.2001
Die neue afghanische Regierung fordert das Ende der Bombardierung Afghanistans.

29.12.2001
Die EU verabschiedet ein Anti-Terror-Paket und friert die Vermögen mehrerer palästinensischer Gruppierungen und Personen ein. Das Anti-Terror-Paket enthält außerdem eine von allen 15 EU-Staaten akzeptierte Definition des Terrorismus und eine Vereinbarung zu einer stärkeren Kooperation im Kampf gegen diesen.

31.12.2001
Das Verteidigungsministerium in Kabul erklärt sich damit einverstanden, dass die US-Luftangriffe in Afghanistan bis zur vollständigen Zerschlagung der Taliban- und Al Qaida-Einheiten fortgesetzt werden.

10.1.2002
Die USA beginnen, Gefangene der Al Qaida und der Taliban auf den Marinestützpunkt Guantanamo Bay in Kuba zu verlegen. Die Haltung der USA, den Talibankämpfern den Schutz der Genfer Konvention zuzubilligen, sie aber nicht als Kriegsgefangene anzuerkennen und die Al Qaida-Kämpfer als gesetzlose Kämpfer einzustufen, wird vom Internationalen Roten Kreuz und Amnesty International kritisiert.

24.1.2002
Der Taliban-Kämpfer US-amerikanischer Herkunft, John Walker Lindh, muss sich erstmals vor einem US-Gericht in Alexandria, Virginia, verantworten. Walker ist am 2. Dezember während einer Gefangenenrevolte in der Festung Mazar-e-Sharif von US-Truppen gefasst worden.

29.1.2002
Irak, Iran und Nordkorea werden von Bush als "Achse des Bösen" bezeichnet.

19.2.2002
Die Arabische Zeitung Al-Hayat berichtet, dass Osama bin Laden am Leben und auf freiem Fuß sei.

2./3.4.2002
Die USA und ihre Verbündeten beginnen im Osten Afghanistans die bisher größte Offensive gegen die Taliban- und Al Qaida-Truppen.

11.4.2002
Die Al Qaida bekennt sich zu dem fehlgeschlagenen Attentat auf den afghanischen Verteidigungsminister General Mohammed Fahim in Jalalabad, berichtet die arabische Zeitung Al-Hayat.

15.4.2002
Der arabische TV-Sender Al-Jazeera zeigt kurze Videoaufnahmen von Osama bin Laden und seinem Stellvertreter Ayman el Sawahiri. Sawahiri bezeichnet darin die Anschläge vom 11. September in den USA als "großen Sieg". Bin Laden ist im Video nicht zu sehen, ergreift aber das Wort.

17.4.2002
Nach 29 Jahren im italienischen Exil tritt der frühere afghanische König Mohammed Zahir Shah unter massiven Sicherheitsvorkehrungen seine Heimreise nach Afghanistan an.

17.5.2002
Truppen der internationalen Antiterrorkoalition in Afghanistan beginnen im Osten des Landes eine neue Offensive. In der arabischen Tageszeitung Al-Sharq al-Awsat taucht ein Interview mit Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar auf, in dem er den USA mit Rache droht. Zugleich erklärte er, Osama bin Laden, sei noch am Leben.

23.6.2002
Die Al Qaida bekennt sich zum Anschlag auf die Synagoge der tunesischen Ferieninsel Djerba vom 11. April. Al-Jazeera spielt ein Tonband ab, auf dem die Stimme des Al Qaida-Sprechers Suleiman Abu Gheith zu hören ist, der gleichzeitig mit neuen Anschlägen gegen US-Ziele droht.

9.7.2002
Al Qaida-Sprecher Sulaiman Bu Ghaith kündigt in einem Interview mit der algerischen Zeitung El Youm via Internet für die nahe Zukunft weitere Terror-Anschläge an.

10.7.2002
Der arabische TV-Sender Middle East Broadcasting Center (MBC) spielt ein Tonband mit der Stimme eines angeblich hochrangigen Al Quaida-Mitglieds ab. Dieses bestätigt, dass Osama bin Laden und Mullah Mohammed Omar am Leben seien.

19.8.2002
Der US-Fernsehsender CNN zeigt Videoausschnitte, in dem angebliche Al Qaida-Mitglieder chemische Kampfmittel an Hunden testen. Nach CNN-Angaben stammt das Video aus Afghanistan und sei bereits vor den Anschlägen des 11. Septembers aufgenommen worden. Es wird vermutet, es handle sich um das "Privatarchiv" von Osama bin Laden.

11.9.2002
Zahlreiche Gedenkveranstaltungen, Medienberichte etc. zum ersten Jahrestag der Anschläge auf das WTC. In den USA steigt die Angst vor neuen Anschlägen. Hohe "Terroralarmstufe".

14.9.2002
"Der Irak hat ganz klar Verbindungen zum Terrorismus, darunter auch Al Qaida", sagt US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice dem US-Fernsehsender Fox. Zuvor hatte die britische Zeitung "Sunday Telegraph" berichtet, dass von der Regierung Blair zur Veröffentlichung geplante Irak-Dossier enthalte auch Beweise dafür, dass führende Mitglieder der Al-Qaida im Irak ausgebildet worden seien und weiterhin in Kontakt mit der Führung in Bagdad stünden.

Nach der Festnahme des Al-Qaida-Führungsmitgliedes Ramzi Binalshib in Pakistan haben die USA eine Terrorzelle bei Buffalo (US-Bundesstaat New York) ausgehoben. Die fünf festgenommenen Männer hätten der Al Qaida tatkräftige Unterstützung gewährt, heißt es. Es seien aber keine konkreten Anschlagspläne entdeckt worden.

26.9.2002
US-Verteidigungsminister Rumsfeld erklärt im Pentagon, die USA hätten solide Beweise" und "sehr glaubwürdige Berichte" über die Anwesenheit von Al Qaida-Mitgliedern im Irak.

8.10.2002
Ayman al-Zawahiri, die "rechte Hand" von Osama Bin Laden, droht laut Al-Jazeera mit neuen Anschlägen auf die USA, aber auch Frankreich und Deutschland.

22.10.2002
Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Hamburg der erste Prozess gegen einen mutmaßlichen Hintermann der Anschläge vom 11. September 2001. Der Marokkaner Mounir El Motassadeq soll die Finanzierung der Hamburger Terrorzelle organisiert und Kontakt zum Al Qaida-Netz gehalten haben.

3.11.2002
Mit der gezielten Tötung von Kaid Sinain al-Harithi im Jemen ist der US-Krieg gegen den Terrorismus in eine neue Phase eingetreten. Zum ersten mal haben US-Sondereinsatzkräfte mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen außerhalb von Afghanistan aufgespürt und liquidiert.

12.11.2002
Al Jazeera wird neuerlich ein Band zugespielt, auf dem Osama bin Laden den USA und ihren Verbündeten mit neuen Anschlägen droht.

25.11.2002
Einführung eines "Ministeriums für Heimatschutz" zum 1. Januar 2003, das mit rund 170.000 Mitarbeitern die nach dem Verteidigungsministerium zweitgrößte Behörde wird. Es handelt sich um die größte Umstrukturierung der US-Regierung seit 1947.

Ende November 2002
Die CIA geben die Festnahme von Abd al-Rahim al-Nashiri, dem Drahtzieher des Anschlags auf den US-Zerstörer "Cole" bekannt. Hiermit ist ihnen ein wichtiger Schlag gegen das Terrornetz von Osama bin Laden gelungen.

28.11.2002
Terroristen verüben in Kenia zwei Anschläge, bei denen mindestens 13 Menschen sterben. Hinter den Anschlägen wird die Al Qaida vermutet.

16.12.2002
Der US-Geheimdienst CIA ist einem Zeitungsbericht zufolge zur Tötung von Personen befugt, deren Namen sich auf einer vom US-Präsidialamt gebilligten Liste mutmaßlicher Extremisten-Anführer befinden.

20.1.2003
Der muslimische Extremist Osama bin Laden hat nach einem Bericht der in London erscheinenden saudischen Zeitung Asharq al-Awsat einen neuen Aufruf erlassen, in dem er die Muslime zur Einheit im Kampf gegen den "äußeren Feind" aufruft.

11.2.2003
Al Jazeera strahlt eine Osama bin Laden zugeschriebene Tonbandaufnahme aus. Darin ruft er Muslime in aller Welt auf, das irakische Volk zu verteidigen. Er fordert zu Selbstmordattentaten auf und warnt arabische Staaten davor, die USA zu unterstützen.

1./2.3.2003
Mit Khalid Sheikh Mohammed wird eines der wichtigsten Mitglieder der Al Qaida-Führung in Pakistan verhaftet.

7.3.2003
Zwei Söhne von Osama bin Laden sollen in Afghanistan verhaftet worden sein.

11.3.2003
Ein US-Bundesgericht entscheidet, dass die 650 in Guantánamo/Kuba festgehaltenen Taliban und Al Qaida-Terrorverdächtigen keine Rechte in den USA haben. Daher können sie sich auch nicht an Gerichte in den USA wenden, die ihre Festnahme überprüfen könnten. Der Grund: Guantánamo ist unter kubanischer Jurisdiktion.

19.3.2003
Die USA greifen den Irak wegen – so ihre Begründung – der Herstellung von atomaren und chemischen Waffen an. Zudem ist dem Irak von Seiten der USA immer wieder vorgeworfen worden, dass der Irak Al Qaida-Kämpfern Unterschlupf gewährt.

10.4.2003
Bagdad und somit auch das Regime von Sadam Hussein fällt.

1.5.2003
George Bush erklärt den Irak-Krieg für beendet.

Anfang Mai 2003
Bei einer Anschlagsserie in Saudi-Arabien vor der Ankunft von US-Außenminister Colin Powell kommen mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Für den Anschlag wird die Al Qaida verantwortlich gemacht.

19.5.2003
Im Kampf gegen den Terrorismus verstärken die USA ihre Grenzkontrollen für ausländische Einreisende mit Visum drastisch. Ab dem 1.1.2004 soll die Identität von Einreisenden mit einem neuen Kontrollsystem überprüft werden: Die Reisedokumente der BesucherInnen sollen bei ihrer Ankunft gescannt, also durchleuchtet werden. Jede/r Einreisende wird fotografiert und muss seine/ihre Fingerabdrücke nehmen lassen. Die Daten werden dann mit einer Datenbank abgeglichen, in der Verbrecher und Terroristen erfasst sind. Die Einreisekontrollen sollen noch mit einem System zur Gesichtserkennung und dem Scannen des Auges "perfektioniert" werden. Reisende aus Ländern wie Österreich, bei denen der Visazwang abgeschafft wurde, müssen ab 26. Oktober 2004 Pässe mit biometrischen Merkmalen vorlegen.

21.5.2003
Der arabische Fernsehsender Al Jazeera strahlt einen angeblich aus der Führungsriege der Al Qaida stammenden Aufruf zu neuen Anschlägen aus.

25.5.2003
Die USA bezichtigen den Iran, Al Qaida-Kämpfer zu beherbergen.

Juni 2003
Wie bekannt wird, plante die Al Qaida vor einem Jahr einen Anschlag auf die Brooklyn-Bridge in New York.

August 2003
Die USA setzen die visafreie Durchreise von Fluggästen aus. Die Neuregelung betrifft nicht EU-BürgerInnen.

Die Al Qaida ruft zum Widerstand gegen die amerikanischen Soldaten im Irak auf.

10.9.2003
Einen Tag vor dem zweiten Jahrestag der Anschläge auf New York und Washington strahlt Al Jazeera ein Video aus, das angeblich neue Aufnahmen von Osama Bin Laden und seines Vertrauten Ajman El Sauahri zeigt.

Anfang November 2003
Der Supreme Court der USA beschließt, sich mit dem Schicksal der auf dem US-Militärstützpunkt auf Kuba einsitzenden Gefangenen zu beschäftigen.

15.11.2003
Bei zwei Terroranschlägen auf Synagogen in Istanbul sterben mindestens 23 Menschen. Zu ihnen bekennt sich laut der Nachrichtenagentur Anadolu die Kampffront des Großen Islamischen Ostens (IBDA-C), die Behörden vermuteten jedoch die Terrororganisation Al Qaida hinter den Taten.

20.11.2003
Erneute Anschläge in Istanbul.

4.1.2004
Nach drei Verhandlungswochen einigen sich die afghanischen Delegierten auf eine demokratische Verfassung. Diese gibt dem Präsidenten die von ihm gewünschte starke Stellung. Afghanistan ist eine "Islamische Republik", AnhängerInnen anderer Religionen wird aber das Recht auf Ausübung ihres Glaubens zugestanden.

5.2.2004
Das Verfahren vor einem Hamburger Strafgericht gegen den Marokkaner Abdelghani Mzoudi wird aus Mangel an Beweisen mit einem Freispruch eingestellt.

11.3.2004
Bei Terroranschlägen in Madrid sterben 200 Menschen; es gibt über 1500 Verletzte. Nachdem die spanische Regierung zuerst ausschließlich die Terrororganisation ETA verdächtigt hatte, schließt sie auch islamistische Terroristen als Täter nicht mehr aus. Nach den auf die Terroranschläge folgenden Wahlen kündigt der neue Regierungschef Rodríguez Zapatero den Abzug der spanischen Soldaten aus dem Irak an.

15./16. April 2004
Das Waffenstillstandsangebot der Al Qaida an die Europäer stößt auf breite Ablehnung. Der Vorschlag war auf arabischen TV-Sendern zugespielten Audio-Bändern enthalten. Ein Mann, der sich als Osama Bin Laden identifiziert, erklärt darauf, Europa werde von Terroranschlägen verschont, wenn alle europäischen Soldaten aus dem Irak und Afghanistan abgezogen würden.

9.10.2004
Beinahe drei Jahre nach dem Sturz der Taliban findet die erste freie Präsidentenwahl in der Geschichte Afghanistans statt.

7./.8.7.2005
Eine Serie von Anschlägen erschüttert London. Mehr als 50 Menschen werden getötet, es gibt über 700 Verletzte. Eine bislang nicht in Erscheinung getretene Gruppe des Terrornetzwerks Al Qaida bekennt sich zu den Anschlägen.

26.9.2005
Der größte Prozess gegen die Al Qaida in Europa (24 Angeklagte) endet in Madrid mit 18 Schuldsprüchen.

Dezember 2005
Medien berichten über angebliche US-Geheimgefängnisse in Europa (CIA-Affäre).

Jänner 2006
Osama bin Laden droht mit weiteren Anschlägen.

6.2.2006
Der Prozess gegen den mutmaßlichen Helfer der Attentate vom 11. September 2001, Zacarias Moussaoui, beginnt in Alexandria, Virginia. Seine Beteiligung an den Anschlägen hat Moussaoui bereits zugegeben, nun geht es um das Strafmaß.

September 2006
Präsident Bush bestätigt die Existenz von geheimen CIA-Gefängnissen außerhalb der USA, bestreitet aber vehement, dass die USA Folter anwenden oder hinnehmen würden. Dies verstoße gegen Moral und Rechtsstaat.

Dezember 2006
Saddam Hussein wird von einem irakischen Tribunal für schuldig befunden, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben und wird erhängt.

Jänner 2007
Als Antwort auf die scheinbar unkontrollierbare Sicherheitslage in Irak kündigt US-Präsident George W. Bush eine Truppenverstärkung an. Im Zuge des „Surge“ wurden 30.000 weitere SoldatInnen in Irak stationiert, um mehr  Sicherheit für die Zivilbevölkerung zu garantieren und die Aufständischen effektiver bekämpfen zu können.

August 2007
Erneut tauchen Medienberichte über Folterpraktiken der CIA im Kampf gegen den Terror auf. Die Bush-Administration spricht stattdessen von „erweiterten Verhörmethoden“.

November 2007
Die private Sicherheitsfirma Blackwater, die zahlreiche „Söldner“ im Irak stellt, gerät immer stärker in die Kritik der Öffentlichkeit. In einem FBI-Untersuchungsbericht wird aufgedeckt, dass Blackwater-Mitarbeiter ein Massaker an 17 Zivilisten in Irak angerichtet hätten. Der Einsatz von privaten Sicherheitsfirmen und deren weitgehende Immunität im „Krieg gegen den Terror“ wird in der Folge immer wieder heftig diskutiert.

April 2008
Skandal um „unabhängige Analysten“, welche in verschiedenen Printmedien und Radiosendern den Krieg gegen den Terror und die aktuellen Ereignisse im Irak „analysiert“ und „kommentiert“ hatten. Es stellte sich heraus, dass viele von ihnen vom Pentagon bezahlt wurden, um die öffentliche Meinung zum „Krieg gegen den Terror“ zu beeinflussen.

Dezember 2008
Bei einer Pressekonferenz während des letzten Irak-Besuchs von US-Präsident George W. Bush zieht ein irakischer Journalist seinen Schuh aus und bewirft den Präsidenten damit. Diese Geste drückt im Irak eine äußerst starke Beleidigung und Respektlosigkeit aus.

Jänner 2009
Nach seiner Angelobung als 44. US-Präsident widmet sich Obama neben der Bekämpfung der Wirtschaftskrise auch einer De-Eskalationsstrategie im Irak. Seine Wahlkampf-Forderung nach einem raschen Abzug der US-Soldaten aus Afghanistan und Irak brachte ihm bei der Wahl zusätzliche Stimmen ein. Tatsächlich wurden die US-Truppen in Afghanistan jedoch vorerst verstärkt, um die Sicherheitslage zu stabilisieren und einen Truppenabzug 2014 zu ermöglichen, wie es heißt.

In einer der ersten von Obama gesetzten Amtshandlungen ordnet er die Schließlung des umstrittenen Gefangenenlagers Guantánamo Bay auf Kuba an. Damit sollte der Status der Gefangenen als Rechtlose beendet werden. Die Schließung des Lagers erwies sich aus verschiedenen Gründen schwierig, unter anderem wollte kaum ein Staat Ex-Guantánamo-Häftlinge aufnehmen. Der US-Kongress blockierte ein Vorhaben, die Häftlinge aus Guantánamo in die USA zu überführen und sie dort vor Tribunale zu stellen. Es sind noch immer über 160 Menschen in Guantánamo inhaftiert.

Juni 2009
Die US-Streitkräfte übergeben die Kontrolle über erste Gebiete im Irak an irakische Sicherheitskräfte.

November 2009
Erneute Truppenaufstockung in Afghanistan um etwa 30.000 SoldatInnen.

Mai 2010
Der US-Soldat Bradley Manning wird verhaftet und wegen „Geheimnisverrats“ angeklagt, nachdem bekannt wird, dass er geheime Dokumente, Videos und diplomatische Depeschen an Wikileaks weitergegeben hatte. Damit wurde die Kritik an der Vorgehensweise der USA in Irak und Afghanistan weiter angeheizt.

August 2010
Mit der Heimkehr der letzte US Kampftruppe ist die "Operation Irakische Freiheit" beendet. Übergangstruppen bleiben jedoch bis Ende 2011 für die Operation "neue Morgendämmerung" im Land, um irakische Truppen in Hinblick auf den völligen US-Truppenabzug auszubilden.

Dezember 2010
Nach weiteren Veröffentlichungen geheimer Dokumente über die Kriege in Irak und Afghanistan durch Wikileaks wird der Gründer der Internetplattform, Julian Assange, in London festgenommen. Ihm wird sexueller Missbrauch und Vergewaltigung einer Mitarbeiterin in Schweden vorgeworfen. Assange und viele seiner Befürworter sehen in der Verhaftung jedoch den Versuch der USA, den Wikileaks-Chef einzuschüchtern und an der weiteren Veröffentlichung brisanter Dokumente zu hindern. Er flüchtet in die ecuadorianische Botschaft in London und ersucht um politisches Asyl.

1. Mai 2011
Osama Bin Laden wird in seinem Haus in Abottabad, Pakistan, von einer Navy Seal-Mission getötet.

Anfang 2013
Seit 2011 werden in Irak und Afghanistan unbemannte Flugzeuge, so genannte Drohnen, immer häufiger eingesetzt, um angebliche Al-Qaida Mitglieder und Terrorverdächtige gezielt zu töten, ohne US-SoldatInnen in Gefahr zu bringen. Nachdem dabei auch ein US-Bürger getötet wurde, entbrannte eine heftige Debatte in den USA um die Möglichkeiten und Grenzen dieser Drohneneinsätze. Besonders umstritten sind so genannte „signature strikes“, bei denen Ziele, also Menschen angegriffen werden, von denen die USA vermuten, es handle sich um Terroristen, ihre Identität jedoch nicht zweifelsfrei geklärt werden kann. Unklar ist dabei, wie die USA solche Verdächtige identifizieren, bzw. welche Aktivitäten bereits als „terroristisch“ und „verdächtig“ eingestuft werden. Besonders die fehlende Transparenz bei solchen neuen Strategien und Vorgehensweisen ruft weltweit starke Kritik in der Öffentlichkeit hervor.

Auch manche europäische Regierungen (v.a. Deutschland) denken laut über die Anschaffung von Drohnen nach, wobei unklar ist, welchen Zweck diese „Drohnen“ erfüllen könnten und ob die rechtliche Grundlage für diese Art von Waffensysteme gegeben ist.

Mai 2014
US Präsident Obama kündigt den Abzug der Kampftruppen aus Afghanistan für Ende 2016 an. Die 32.000 Truppen würden nach 2014 auf 9.800 herabgesetzt. Einige US und NATO Truppen werden jedoch in Afghanistan bleiben, um die afghanischen Soldaten auszubilden, und um Schutz für die Botschaft in Kabul einzusetzen. Sie werden auch die Behörden bei militärisch un Sicherheits-Aufgaben unterstützen.

Sommer 2014
US Truppen werden wieder in Irak geschickt, um dem Vormasch des ISIL ("Islamischer Staat im Irak und in Levante") zu entgegnen. Die djihadistische Gruppe fordert die Errichtung eines islamischen Staates, der sich über die sunitisch geführten Gebiete des Irak und Syriens erstreckt. Die Gruppe hat im Juni 2014 ein Kalifat gegründet und verlangt die weltweite Kontrolle über die Islamische Gemeinschaft.
Die Vereinten Nationen stufen den IS als terroristiche Organisation ein, dessen Politik weiterhin Flüchtlingswelle in die benachbarten Staaten und innerhalb Syriens und Irak auflöst. OCHA Data schätz die Anzahl der Flüchtlinge (displaced persons) auf über 1.8 Millionen nur im Jahr 2014.

Die US Luftwaffe hat zwischen August und September 174 Anschläge auf IS Ziele durchgeführt. Trotz des Versuchs, keine Bodentruppen einzusetzen, sind 1.600 militärische Einheiten im Irak zum Schutz der diplomatischen Vertretungen im Einsatz.

Luftschläge werden auch in Syrien durchgeführt, nachdem der IS die Kontrolle über ein Gebiet, das sich vom Norden Syriens bis zur näheren Umgebung Baghdads ausbreitet, übernommen hat.

7. Jänner 2015
Zwei bewaffnete und vermummte Täter stürmen am Vormittag die Redaktion der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" und töten insgesamt 12 Menschen, darunter den Chefredakteur des Blatts, Stephane Charbonnier und sieben weitere Redaktionsmitglieder, weitere Angestellte der Zeitschrift sowie Polizisten. Die beiden Attentäter können vorerst flüchten. Die Polizei kann die Angreifer identifizieren: Charif und Said Kouachi. Am nächsten Tag überfallen sie eine Tankstelle nördlich von Paris.

8. Jänner 2015
Ein Mann namens Amedy Coulibaly erschießt in einem Vorort südlich von Paris eine Polizistin und kann flüchten. Es ist unklar, ob ein Zusammenhang zwischen dieser Tat und dem Anschlag auf die Zeitschrift "Charlie Hebdo" besteht.
Inzwischen geben die USA bekannt, dass die Brüder Kouachi seit einigen Jahren auf einer Terrorliste gestanden hätten und vermutlich ein Traininglsager der Al-Qaida im Jemen besucht hatten.

9. Jänner 2015
Die Attentäter Charif und Said Kouachi bringen ein neues Fluchtauto in ihre Gewalt, um ihre Flucht fortzusetzen. Dabei liefern sie sich eine Verfolgungsjagd und Schusswechsel mit der Polizei. Sie nehmen eine Geisel und verschanzen sich in einem Industriegebiet nahe des Flughafens Charle de Gaulle. Die Geisel wird später freigelassen. Die Attentäter verkünden am Telefon, dass sie den "Märtyrer-Tod" sterben wollten.
Der Attentäter Coulibaly nimmt in einem jüdischen Supermarkt in Paris mehrere Geiseln. Per Telefon sagt er einem französischen TV-Sender, dass seine Taten gemeinsam mit dem Anschlag auf die Zeitschrift "Charlie Hebdo" geplant worden wären. Die Attentäter forderten, dass Frankreich sich aus dem Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" zurückziehe.
Gegen 17 Uhr eskalieren beide Situationen: Die Brüder Kouachi stürmen aus ihrem Versteck und feuern auf die Polizei, beide werden erschossen. Der jüdische Supermarkt, in dem Coulibaly noch immer Geiseln hält. wird gestürmt und der Attentäter getötet.

Bereits kurz nach den Anschlägen wird klar, dass die Attentäter einen islamistischen Hintergrund hatten und die Redaktion der Satirezeitschrift stürmten, weil diese bereits mehrmals Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht hatte. Die Überlebenden in der Redaktion beschließen, dass auch die nächste Ausgabe der Zeitschrift erscheinen würde - man wolle sich nicht einschüchtern lassen. Französische und internationale Medien erklären sich solidarisch mit der Zeitschrift.

11. Jänner 2015
PolitikerInnen, Medien, zivilgesellschaftliche Organisationen in ganz Europa und darüber hinaus erklären sich solidarisch mit den Opfern der Anschläge in Paris. Unter dem Motto "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") werden in vielen europäischen Städten in den nächsten Tagen Kundgebungen abgehalten, um der Opfer der Anschläge zu gedenken und um ein Zeichen für Meinungsfreiheit und demokratische Grundwerte und gegen Gewalt zu setzen. In Paris nehmen führende PolitikerInnen aus vielen Ländern der ganzen Welt an einer großen Kundgebung teil, die etwa 1,5 Millionen Menschen mobilisieren konnte. Auch in Wien findet eine Demonstration statt.

14. Jänner 2015
Die neue Ausgabe der Zeitschrift "Charlie Hebdo" erscheint. Die Auflage beträgt über eine Million Exemplare und ist bald vergriffen, die Zahl wird daraufhin auf 5 Millionen erhöht. Normalerweise betrug die Auflage 60.000 Stück.

In vielen Ländern entbrennen Debatten darüber, wie die Grenze zwischen Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit definiert werden müsse oder könne. Nach den Anschlägen fanden auch mehrere Übergriffe auf muslimische Kulturzentren statt, ebenso wie antisemitische Übergriffe gemeldet wurden. Die Debatte um den Respekt vor religiösen Gefühlen und mögliche Grenzen der Meinungsfreiheit knüpft an den so genannten "Karikaturenstreit" 2005 an.
Es wird bekannt, dass in dem jüdischen Supermarkt, in dem am 8. Jänner das Attentat verübt wurde, ein muslimischer Franzose mehreren JüdInnen das Leben gerettet hatte, indem er sie versteckte und nach draußen bringen konnte. Er wird als Held gefeiert und wenige Tage später wird ihm in einer großen Zeremonie die französische Staatsbürgerschaft verliehen.

Quellen:
http://www.investigatingpower.org/timelines/9-11/ - 15.3.2013
http://www.pbs.org/flashpointsusa/20040629/infocus/topic_01/timeline_sep2001.html - 15.3.2013
www.bbc.com/news/world-middle-east-29235083 - 17.09.2014
http://www.unocha.org/iraq
http://www.un.org/press/en/2014/sc11580.doc.htm - 24.9.2014
http://www.tagesschau.de/ausland/anschlag-charlie-hebdo-reaktionen-101.html - 11.2.2015 


Letztes Update: 04/2015

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