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Eurofrisur

Original-Bildtext
"Manche Eurobegeisterte ließen im Vorjahr sogar die Schere an den Kopf."

Bildanalyse
Jedes Thema braucht einen Aufmacher, im vorliegenden Fall sind es sogar zwei. Überschrift und Fotografie stehen nebeneinander, als wären sie am gemeinsamen Ort der Zeitungsseite nur zusammengekommen, um ihre Kräfte zu messen: die des Worts gegen die des Bilds. "Fast die Hälfte der Europäer rechnet Euro noch um", verkündet die Schrift, während das Foto nicht gerade das Gegenteil, wohl aber etwas deutlich anderes zeigt: Es gibt Menschen, die sich vom Friseur ein Eurozeichen in ihre Haartracht schneiden lassen.

Kein Kräftemessen ohne fundamentale Gemeinsamkeiten: Wie das Foto gehört auch der Artikel einem Genre an, das in etwa mit "Alltagsreaktionen der Bürger/innen auf die Entscheidungen der großen Politik" zu beschreiben wäre. Aus dieser Perspektive scheint es beinahe, als würden Wort und Bild sich wechselseitig ergänzen: Was der Bericht verschweigt - die Einführung des Euro verursachte nicht nur Kosten, Mühen und Sorgen -, zeigt das Bild und umgekehrt. Dazu passt, dass auch der Rest der Seite von der Idee des Ausgleichs dominiert wird: Den zum Foto gehörenden Artikel ergänzt ein zweiter, in dem von einem gefestigten Preisgefüge nach der Einführung des Euro sowie von einem Wegfall von Wechselkursrisiken und damit verbundenen Wettbewerbsverzerrungen die Rede ist. Wie könnte man "Ein Jahr Euro" auch anders bilanzieren als durch die Aufrechnung von Gewinnen und Verlusten?

Aber so neutral verhalten Wort und Bild sich dann doch nicht zueinander: Erstens weist die Bildunterschrift dem Foto eine eindeutige Zeitstelle zu ("Manche Eurobegeisterte ließen im Vorjahr sogar die Schere an den Kopf"), eine Zuweisung, die zweitens dem Lead, d.h. in diesem Fall dem Übertitel, in die Hände spielt, der die Differenz zwischen Erwartung und Wirklichkeit thematisiert: "Die neue Währung (...) ist noch nicht so beliebt, wie von der EU erwünscht". Dokumentiert das Foto damit den Überschwang anfänglicher Begeisterung, unterzieht der Artikel diese einer nüchternen Kritik. Man könnte aber auch sagen, das Layout der Seite sorge dafür, dass der Realismus des geschriebenen Worts auf jenen Exzess des fotografisch Aufgezeichneten antwortet, ohne den die Lektüre des Artikels nur halb so attraktiv erscheinen würde. Schon wäre man versucht, diese Konstellation als bilderstürmerische zu bezeichnen, hätte Der Standard am 2. Januar 2003 nicht ein Gespenst besänftigt, das er mit der Auswahl des Fotos selbst erst herbeigerufen hatte: Das einer allzu offensichtlichen Euro-Propaganda.

Quelle: Der Standard, 2. Jänner 2003, S. 2 © APA-IMAGES/epa

Schlagworte: Bevölkerung, Europäische Union, Europäische Wirtschafts- und Währungspolitik, Währung

© Demokratiezentrum Wien

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