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Europaflagge

Bildanalyse
Die Europaflagge ist Anfang der fünfziger Jahre auf Anregung des Europarats als europäisches Emblem entwickelt worden; zur offiziellen Annahme der Flagge durch das Europäische Parlament kam es aber erst am 11.4.1983 (vgl. Diem 1995). Sie zeigt zwölf goldene Sterne vor blauem Grund, wobei die Zwölfzahl als Symbol der Vollkommenheit fungiert, die Sterne - im Gegensatz zur Sonne, einem bevorzugt imperialen Herrschaftszeichen - als archetypische Brüderlichkeitssymbole den Zusammenschluss rechtsstaatlicher Demokratien darstellen, das Blau als Symbol von Himmel und Meer schließlich die beinahe ins Unendliche reichende Sehnsucht nach Frieden. Die amtliche Erläuterung des Europarats beschreibt die Flagge wie folgt: "Gegen den blauen Himmel der westlichen Welt stellen die Sterne die Völker Europas in einem Kreis, dem Zeichen der Einheit, dar. Die Zahl der Sterne ist unveränderlich auf zwölf festgesetzt, diese Zahl versinnbildlicht die Vollkommenheit oder Vollständigkeit (...). Wie die zwölf Zeichen des Tierkreises das gesamte Universum verkörpern, so stellen die zwölf goldenen Sterne alle Völker Europas dar, auch diejenigen, welche heute an dem Aufbau Europas in Einheit und Frieden noch nicht teilnehmen können" (zit. n. Diem 1995:416).

Welche Völker gemeint sein können, die gemäß dieser Erläuterung noch nicht am Aufbau Europas teilnehmen, ist klar: jene, die dem Einfluss der Sowjetunion ausgesetzt waren. Erscheint die Emblematik der Europaflagge damit zugleich als symbolischer Einsatz während des Kalten Kriegs, wird auch verständlich, warum der ursprüngliche Entwurf von Duncan Sandy, dem Schwiegersohn von Winston Churchill, bald wieder verworfen wurde: Zeigte dieser zunächst ein rotes "E" auf weißem Grund, das bereits im August 1948 bei einer Tagung des Europarats in Straßburg in ein grünes "E" umgewandelt wurde, setzte sich aufgrund der Schlichtheit dieser Symbolik schnell die Ansicht durch, dass ein reines Buchstabenzeichen "zuwenig an emotionaler Bindungskraft auszuüben vermochte" (ibid.).

Ob das beim Sternenkreis vor blauem Grund grundlegend anders ist, sei dahingestellt. Bemerkenswert bleibt immerhin, dass "der Archetyp des goldenen Sternenkranzes an das Bild aus der auf endzeitliche Vollkommenheit abzielenden Johannes-Apokalypse erinnert: 'Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau, mit der Sonne umkleidet, der Mond unter ihren Füßen und über ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen'" (ibid. 417). Auch wenn, wie Diem festhält, dem Europarat bei der Beschlussfassung nicht bewusst gewesen sein sollte, dass es sich beim goldenen Sternenkranz um ein Symbol aus der christlichen Mythologie handelt, wird man die Wahl ausgerechnet dieses Symbols dennoch nicht als Zufall werten dürfen: Sie erscheint vielmehr als Ausdruck jener Exklusivität, der regelmäßig immer dann wiederkehrt, wenn die Grenzen EU-Europas zur Neuverhandlung anstehen. Wie sich noch am Beispiel der offiziellen Flagge zeigen lässt, ist ohne Abgrenzung gegenüber einem jeweiligen Außen die europäische Einheit offenbar nach wie vor kaum denkbar.

Literatur: Peter Diem: Die Symbole Österreichs. Wien 1995.

Quelle: Audiovisual Library © European Commission 2005

Schlagworte: Europäische Integration, Europäische Union, Identität

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