zur normalen Ansicht

Wissen > Bilder 

Bilder

Hier können Sie nach den auf unserem Wissensportal vorhandenen Bildern suchen.

Die Suche kann sowohl nach Titel als auch nach Schlagwort erfolgen.
Unsere Bildergalerien bieten zudem einen thematischen Zugang zu ausgewähltem Bildmaterial aus den Bereichen Politik, Gesellschaft und Zeitgeschichte.

TITEL von A-Z

A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z  alle 

SCHLAGWORTE von A-Z

A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z  alle


Barcode

Original-Bildtext
"New symbolism for a new coalition: Europe shown as the sum of the cultural identities of its current and future members. Whereas the number of stars on the current EU flag is fixed, the barcode can accomodate newcomers and gain impact."

Bildanalyse
Zur Behebung des "ikonographischen Defizits" EU-Europas hat der niederländische Architekt Rem Koolhaas zusammen mit dem Office of Metropolitan Architecture (OMA) auf Einladung der Europäischen Kommission unter anderem diesen "Barcode" entwickelt und als neue EU-Flagge vorgeschlagen. Die britische Tageszeitung The Independent machte in ihrer Ausgabe vom 8. Mai 2002 unter dem Titel "Goodbye stars, hello stripes: The new symbol of the EU" als erste den Vorschlag publik. Eine europaweite Diskussion über EU-Europa und die Formen seiner Repräsentation war die Folge. Koolhaas: "Apparently the 'flag' had hit a nerve of pent up Euro-sentiment throughout Europe. In a reaction to the barcode, Britian, the EU's staunchest anti-Europe member, emphatically professed its loyalty to the old European flag, symbol of everything it had loved to hate" (Koolhaas 2004:385).

Die Europäische Union hat also nicht "Hallo" gesagt zu den Streifen. Zu fest sind im kollektiven Gedächtnis offenbar Vorstellungen darüber verankert, wie offizielle Symbole auszusehen haben. Dazu kommt, dass mit dem maschinenlesbaren Code unerwünschte Assoziationen verbunden sind: Zum einen "Wirtschaft" bzw. "Warenverkehr" im Allgemeinen (ein Image, von dem die EU bestrebt ist, abzurücken), zum anderen die Vorstellung von lückenloser Überwachung, erlaubt ein Barcode doch, jedes in Umlauf befindliche Handelsgut eindeutig nach einer Vielzahl von Gesichtspunkten zu adressieren.

Die Konstruktion des Barcode weist aber noch in eine andere Richtung: Sie bewirkt eine Transformation, welche die nationalen Embleme der einzelnen Nationalflaggen in mehr oder weniger starke Streifen auflöst, die dann hintereinander angeordnet werden können. Wenn auch verändert, bleibt die Emblematik der Nationalstaaten damit erhalten, zugleich erlaubt der Barcode eine beliebige Erweiterung der Flagge, sollten in Zukunft neue Länder der Union beitreten. Auf diese Weise könnte zum Beispiel die unionsweit geübte Praxis entfallen, zur politischen Repräsentation die jeweilige Nationalflagge gemeinsam mit der EU-Flagge zu hissen: Jene wäre in dieser bereits enthalten.

Als Symbol der Integration in ein größeres Ganzes steht der Barcode nach dieser Lesart für den partiellen Verlust an nationalstaatlicher Souveränität, der mit dem Beitritt zur EU verbunden ist. Das mag einer der entscheidenden Gründe für die große Aufregung innerhalb EU-Europas gewesen sein, die der Vorschlag von Koolhaas ausgelöst hatte. Einen weiteren stellt ohne Zweifel das unauflösliche Band dar, das der Barcode zwischen der politischen Repräsentation und der politischen Ökonomie geknüpft hatte, waren die europäischen Institutionen doch spätestens seit dem Vertrag von Maastricht 1992 bestrebt, die EU vom Image eines reinen "Wirtschaftsraums" zu distanzieren. Mit seinem Entwurf hat Koolhaas diese Distanz aufgehoben und die Europäische Union wieder an die zentrale Wurzel erinnert, aus der alles Streben nach Friede, Freiheit und Wohlstand erwächst.

Der Barcode war Bestandteil des Logos der österreichischen EU-Präsidentschaft in der ersten Hälfte des Jahres 2006.

Quelle: Rem Koolhaas, Content. Köln 2004, S. 384

Schlagworte: Europäische Integration, Europäische Union, Identität

© Demokratiezentrum Wien

Politische Bildstrategien

Wissensmodul zum Thema Wahlplakat mit zahlreichen historischen Wahlplakaten

EU-Bildatlas

Visualisierte Vorstellungen von Europa. Wissensmodul mit zahlreichen Bildern zum Thema Europa

Europäisches Bildgedächtnis

Ikonen und Ikonographien eines europäischen politischen Bildgedächtnisses 

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org

legalporn4k.com