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Baustelle Parlament

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Bildbeschreibung
Das Europäische Haus ist eine politische Metapher, die sowohl in der täglichen Berichterstattung und Kommunikation, in den Karikaturen, als auch in Schulbüchern vorkommt. Sichtbar gemacht werden soll das Gemeinsame am Projekt Europa, die Europäische Integration als ein offener Prozess, an dem gebaut wird, dessen Endprodukt noch offen ist.

Die Illustration "Europa baut sein Parlament" ist einem österreichischen Schulbuch der 4. Klasse entnommen und mit Hilfe dieser Bildmetapher soll zweierlei dargestellt werden: Zum einen soll herausgearbeitet werden, dass das Europäische Parlament die Institution ist, in der die europäischen BürgerInnen mitreden und damit am Projekt Europa mitbauen, mitbestimmen können. Sichtbar wird dies u.a. durch den Hinweis auf die Europawahl. Zum anderen sind die Mitgliedsländer über die nationalen Symbole (Fahnen) dargestellt als diejenigen, die Europa bauen. Zum damaligen Zeitpunkt - 1979 - waren dies die 9 Mitgliedsländer Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Dänemark, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande und Großbritannien.

Bildanalyse
Das europäische Integrationsprojekt wird in vielfachen Kontexten mit den Metaphern "Europäisches Haus" oder "Europa als Baustelle" (siehe Kategorie 1 -> Link) bildlich dargestellt. Europa als ein offener Prozess, an dem gebaut wird, dessen Endprodukt noch offen ist; die europäische Union als Haus, in dem die europäischen Nationen friedlich unter einem Dach zusammen leben.
Die politische Metapher des Europäischen Hauses wird bereits früh im europäischen Einigungsprozess verwendet, allerdings auf West- und Zentraleuropa beschränkt. Diese verengte Perspektive wird durch die Einigungsbemühungen gegen Ende des Kalten Krieges aufgebrochen. "Europa ist unser gemeinsames Haus". Mit diesem programmatischen Satz appellierte Michail Gorbatschow an die "europäische Familie", "ihren Frieden im gemeinsamen Europäischen Haus" zu finden. Damit wurde die Debatte intensiviert und gesamteuropäisch unter Bezugnahme auf eine gemeinsame europäische Geschichte diskutiert, wer am europäischen Haus mitgestaltet und mitbaut und wer letztendlich darin wohnen soll. Der damalige Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Hans Dietrich Genscher, replizierte auf Gorbatschow mit dem Satz: "Wir sind bereit, den Begriff eines gemeinsamen europäischen Hauses zu akzeptieren und mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten, um es tatsächlich zu einem gemeinsamen Haus zu machen." Der Sozialdemokrat Willi Brandt hingegen reagierte zurückhaltend: "Die Sowjets wissen natürlich sehr wohl, dass damit die Frage aufgeworfen wird, inwieweit die Sowjetunion im ganzen zu einem europäischen Haus gehört."
Das Haus Europa ist in der täglichen Berichterstattung und Kommunikation, in den Karikaturen, in den Schulbüchern eine wiederkehrende Chiffre in unterschiedlichen Kontexten, mit unterschiedlichen Ausformungen und Schwerpunktsetzungen. Weder das Fundament, noch die Größe, Ausstattung oder auch die Mieter des Hauses Europas sind fixe Bezugsgrößen. Hingegen ist in die Vision eines gemeinsamen Hauses die Schutzfunktion eingeschrieben, die Sicherheit, die ein gemeinsames Dach bietet sowie die Mitgestaltung und Mitbestimmungsfunktion, die das gemeinsame Bauen am Haus Europa beinhaltet. Wer drinnen ist und wer draußen bleiben muss, ist ebenfalls ein wiederkehrender Topos.

Quelle: Entdeckungsreisen 4. Von der Zwischenzeit bis zur Gegenwart, ?BV P?dagogischer Verlag, Wien 1998 (1. Auflage), S. 103

Schlagworte: Demokratie, Europäische Integration, Europäische Union, Parteien, Parteiensystem, Zivilgesellschaft, Politisches System, Gesellschaft, Medien, Regierung, Deutschland

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