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„Was braucht eine gelungene Integration?“

Wiener Charta Gespräch



Am 18. September 2012 von 14:00 bis 16:00 Uhr fand im Demokratiezentrum Wien eine Diskussionsrunde im Rahmen der Wiener Charta statt. ExpertInnen aus Praxis und Wissenschaft, SchülerInnen des Schulzentrums Ungargasse und zwei Moderatorinnen der Stadt Wien, sprachen über das Thema Integration.

Nach einer langen Diskussion über die Konstruktion des „Eigenen“ und des „Anderen“, Differenzen und Kulturen einigten sich die TeilnehmerInnen auf einige gemeinsame Grundsätze und Ziele, die durch individuelle oder kollektive Anstrengung zu einem positiven Umgang mit der Herausforderung Integration beitragen können:

Durch Werschätzung, Kennenlernen und Neugierde kann man sich am Anderssein der Anderen erfreuen. Differenzen zwischen den Menschen sollten jedoch nicht ethnisiert werden, denn alle sind anders: woher das Anderssein rührt, ist sekundär, Verschiedenheit ist etwas Besonderes. Dabei sollte man nicht produzieren, was man eigentlich bekämpfen möchte: jemanden zum anders zu machen.

Oft werden soziale Probleme hinter „Integration“ versteckt. Diese sollten direkt aufgegriffen werden. Der Schlüssel zu einem gelungenen Zusammenleben liegt im Bildungssystem, das weniger selektiv sein muss, um allen Menschen im Land die Chance auf gute Ausbildung bis zum Zugang zur Universität zu ermöglichen. Auch Ängste, Barrieren und Hierarchien im zwischenmenschlichen Umgang und bei den betroffenen Behörden müssen abgebaut werden. Die rechtlichen Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenlebens dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Jeder Mensch hat Vorurteile, diese sollten laufend hinterfragt und gegen die Realität geprüft werden. Positive Beispiele einer kulturell durchmischten Gesellschaft sollten bekannter gemacht werden, wie es beispielsweise in Berlin geschieht. Der Respekt vor dem Menschen (nicht dem/der Fremden) muss im Vordergrund stehen: Anderssein passiert auf individueller Ebene, alle anderen sind anders als man selbst und Leitdifferenzen (wie Nachname, Musikgeschmack, Modestile, ...) ändern sich laufend.

Die Debatte um die Pflicht der Anpassung Fremder an eine österreichische Kultur lässt außer Acht, dass einerseits keine verbindliche, von allen StaatsbürgerInnen konsensual vertretene österreichische Leitkultur bzw. ideale Gesellschaft existiert und andererseits Kultur eine dynamische Angelegenheit ist, die permanent, etwa durch Kommunikation, Austausch und Migration, überformt wurde und wird.

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