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Open Access

Immer weniger Informations- und Wissensbestände sind im Internet frei zugänglich. Quelle: stock.xchng

Ausgehend von der Open-Access-Bewegung in den USA hat in den letzten Jahren auch in Europa eine intensive wissenschaftliche und politische Debatte über den freien Zugang zu digitalem Wissen eingesetzt.

Verstanden wird hierunter jenes Wissen, das in elektronischer Form vorliegt, also etwa digitale Textdokumente, Musikdateien, digitale Fotos und Videos, wobei das Prinzip des offenen Zugangs als Gegenpol zu einer zunehmenden Ökonomisierung und zu den strengen Copyrightbestimmungen gesehen wird.

Ihren Beginn nahm die Open-Access-Bewegung in der so genannten Zeitschriftenkrise der 1990-er Jahre. Wesentlich ist hierbei, dass zunehmend steigende Preise für wissenschaftliche Zeitschriften dazu führten, dass viele WissenschaftlerInnen – angesichts oft knapper werdender Forschungsbudgets – keinen oder nur mehr einen eingeschränkten Zugriff auf die Publikationen ihrer KollegInnen hatten.

→ Study on the Economic and Technical Evolution of the Scientific Publication Markets in Europe (Studie im Auftrag der EU-Kommission, 2006)
→ Publikationsstrategien im Wandel (Studie der DFG, 2005)

Wissenschafter wie Stevan Harnad, Kognitionswissenschaftler an der University of Southampton, traten dafür ein, digitale Kopien der gedruckten Artikel im Internet frei zugänglich zu machen.

→ Public Library of Science
→ Timeline of the Open Access Movement (Peter Suber)

Weltweit begannen sich wissenschaftliche Initiativen zu bilden, die für den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen eintraten: 2001 wurde die Budapest Open Access Initiative unterzeichnet, 2003 folgten die Bethesda- und die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen.

→ Budapest Open Access Initiative
→ Bethesda-Erklärung
→ ECHO-Charter
→ Berliner Erklärung über den Zugang zu wissenschaftlichem Wissen
→ Wiener Erklärung
→ Initiative A2K (Access to Knowledge)

Neu an der Berliner Erklärung ist, dass sie sich im Gegensatz zu früheren Open-Access-Erklärungen nicht nur auf die Forderung nach freier Zugänglichkeit der wissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur im Internet beschränkt, sondern auch das kulturelle Erbe, d.h. das in Archiven, Bibliotheken und Museen verwahrte Kulturgut, mit einbezieht. Die Deklaration wurde von allen wichtigen deutschen Forschungsinstitutionen und vom FWF (Wissenschaftsfonds), der zentralen Forschungsförderungsinstitution in Österreich, unterzeichnet.

Die zentrale Argumentationslinie in der Forderung nach Open Access ist der offene Zugang zu digitalem (oft durch eine öffentliche Förderung entstandenem) Wissen und somit auch die Gewährleistung dafür, dass dieses Wissen in der scientific community kommuniziert wird – ist in der Wissenschaft doch besonders auch die Verbreitung, die Diskussion und Rezeption wissenschaftlicher Studien, Fragestellungen und Thesen das, was zählt.

Wesentliches Ergebnis der 2006 im Auftrag der Europäischen Kommission erarbeiteten Study on the Economic and Technical Evolution of the Scientific Publication Markets in Europe war daher auch die Empfehlung, die Ergebnisse öffentlich-geförderter Forschung über das Internet entgeltfrei zugänglich zu machen. Positiv zu Open Access haben sich in letzter Zeit auf europäischer Ebene auch European Research Advisory Board und der European Reserach Council ausgesprochen. Eine Petition an die EU, getragen von mehren europäischen Fördergebern, soll den freien Zugang zu Wissen aus öffentlicher Forschung unterstützen.

→ European Research Advisory Board (EURAB)
→ ERC Scientific Council Statement on Open Access (December 2006)

Angesprochen wird in der Debatte auch die Vermeidung eines digital divide und einer wachsenden Kluft zwischen jenen, die sich den Zugang zu (digitalem) Wissen leisten können, und jenen, für die das aufgrund wachsender Zugangskosten immer schwieriger wird. Nicht selten stehen sich hierbei die finanzstarken amerikanischen Universitäten und die oft mit bescheideneren Budgets auskommen müssenden europäischen Universitäten gegenüber.

→ Michael Nentwich: Plädoyer für Open Access in der Wissenschaft
→ Oliver Rathkolb: Strategien gegen das "schwarze Loch" der digitalen Informationsgesellschaft

Als Google 2004 sein "Print"-Projekt startete und im großen Ausmaß daran ging, Bücher zu digitalisieren und diese ins Internet zu stellen, stellte sich für viele EuropäerInnen daher auch die Frage nach der kulturellen und politischen Deutungsmacht und wessen kulturelles Erbe – das Amerikas oder das Europas – in der digitalen Wissensgesellschaft mittel- und langfristig überhaupt wahrgenommen wird.

Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, reagierte hierauf mit der Ankündigung einer Europäischen Digitalisierungsoffensive – in einer gemeinsamen europäischen Kraftanstrengung sollen Millionen von Büchern, Zeitschriften, Video- und Filmaufnahmen in den Bibliotheken und Archiven digitalisiert und online zugänglich gemacht werden. Erste Schritte folgten mit der Initiative i2010 Digitale Bibliotheken. In deren Rahmen wurden in einer Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament "Herausforderungen, die dem vollständigen Ausschöpfen des kulturellen und wirtschaftlichen Potenzials Europas entgegenstehen" ebenso aufgezeigt wie ein erster Maßnahmenkatalog zur Überwindung der gegenwärtigen Zersplitterung im Bereich digitaler Bibliotheken. Gleichfalls wurde eine Online-Befragung zur gegenwärtigen Situation digitaler Bibliotheken und Archive durchgeführt.

→ Hassan Mehdi: Das "Google Print"-Projekt (Demokratiezentrum Wien, 2005)
→ Viviane Reding: The role of libraries in the information society
→ i210 Digital Librarieshttp://europa.eu.int/rapid/pressReleasesAction.do?reference=SPEECH/05/566&format=HTML&aged=0&language=EN&guiLanguage=en

Heftig diskutiert wird in den letzten Jahren auch die Frage nach der Qualitätssicherung digitaler Güter im Internet sowie deren Wartung. Angesprochen wird etwa die Frage, wer bei einer Online-Publikation jene Aufgaben übernimmt, die sonst die Verlage übernehmen und von einem sprachlichen über ein inhaltliches Lektorat bis zu einer Vertretung der AutorInnen reichen. Thematisiert wird aber auch die Frage, wie und von wem einmal ins Netz gestellter Content weiter betreut wird, welche technischen Standards hier zu berücksichtigen sind, und wer eine langfristige Archivierung dieses digitalen Wissens übernimmt.

Georg Siebeck: Freibier in der Wissenschaft
(Der Beitrag wurde in leicht veränderter Form publiziert in: Börsenblatt, Nr. 43, 2004, S. 11)
→ Georg Siebeck: What Publishers Really Do for the Academic World
(Vortrag, Congress of the International Publishers Association, Berlin Juni 2004)

Maria Wirth
(Last Update 07/2009)

© Demokratiezentrum Wien

Konferenz

Open Access to Digital Archives and the Open Knowledge Society
Internationale Konferenz, Wien, 21. bis 22. Oktober 2005,
veranstaltet vom Demokratiezentrum Wien

Projekt

Creative Access

Forschungsprojekt im Rahmen des vom WWTF geförderten Calls SciENCE for creative industries

Wissensdatenbank

KB:Law|© - Knowledge Base Copyright Law

Im Rahmen des Projekts Creative Access entstandene innovative juristische Wissensbasis zu urheberrechtlichen Fragen in der Wissensgesellschaft

Timeline

Die Timeline gibt einen Überblick über die Geschichte des Internets

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