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Digital Rights

Das Copyrightzeichen - Symbol herkömmlicher Lizenzierungspolitik.

Urheberrecht und Copyright – zentrale Frage in der Wissensgesellschaft
Eine der zentralen Fragen in der Debatte um die moderne Wissensgesellschaft und den freien Zugang zu Wissen betrifft – zusammen mit der zunehmenden Ökonomisierung – die Frage des rechtlichen Schutzes von Wissen und damit verbundene Nutzungs- und Weitergaberechte bzw. -hindernisse. Ein Faktum ist, dass heute besonders strenge Urheberrechts- bzw. Copyrightbestimmungen einem freien Zugang zu Wissen entgegenstehen. Zugleich sind in den letzten Jahren aber auch eine Reihe alternativer Lizenzierungsmodelle entstanden, die Open Access bzw. eine (häufig abgestufte) Nutzung von Wissen oder digitalen Gütern ermöglichen sollen und auf die neuen Publikations- und Kommunikationsmöglichkeiten reagieren.

Entstehung des Copyrights/Urheberrechts
Was eine individuelle Leistung darstellt, ob diese und in welcher Form dies geschützt werden soll, war und ist bis heute von historischen, gesellschaftlichen, kulturellen und technischen Gegebenheiten bestimmt. Der Gedanke dass einem Autor/einer Autorin ein ideelles Recht auf ein Werk zusteht, wurde erst im 18. Jahrhundert geboren. Davor war die Vorstellung individuellen geistigen Eigentums nicht existent. Die "Rechte" eines Werkes lagen bei Druckereien, der Kirche, der herrschenden Klasse oder waren für die damals freilich noch sehr kleine "Allgemeinheit", der Bildung möglich war, frei verfügbar.

Als Geburtsstunde des individuellen Rechts auf geistiges Eigentum gilt das englische "Statute of Anne" aus dem Jahr 1710. In Folge entwickelten sich das Copyright im angloamerikanischen und das Urheberrecht im deutschen Sprachraum. Sie dienen dem Schutz wirtschaftlicher Interessen und dem Schutz des Schöpfers/der Schöpferin am Werk, wobei ein geschütztes Werk oft gegen ein Entgelt weiterverwendet werden kann, sodass dem Urheber/der Urheberin ein finanzieller Vorteil entsteht. Generell kann erst durch die Zuschreibung eines Autors/einer Autorin zu einem Werk sichergestellt werden, dass diese für ihr Werk in finanzieller Hinsicht honoriert werden und Anerkennung finden.

→ Jeanette Hofmann: Wem gehört das Wissen? (WZB-Mitteilungen 2007)

Verbreiterung von Gestaltungs- und Kommunikationsmöglichkeiten
Aufgrund ökonomischer, sozialer, politischer und auch technischer Möglichkeiten war eine Beteiligung breiter Bevölkerungsgruppen an der Schaffung von künstlerischen und wissenschaftlichen Werken, die eine Verbreitung finden, beschränkt. Zugleich war die Kommunikation zwischen den ErzeugerInnen und den RezipientInnen nur sehr eingeschränkt möglich bzw. gering. Durch die Entstehung des Internets, die Digitalisierung und die Möglichkeit des beliebig häufigen, verlustfreien Kopierens von Werken und Daten entstand jedoch eine gänzlich neue Situation. Die Rollenverteilung weniger ErzeugerInnen "von oben" zu vielen KonsumentInnen "nach unten" veränderte sich, neue Möglichkeiten des Schaffens und der Verbreitung von Werken und der Kommunikation entwickelten sich. Aus einer Kultur des "read only" (im Sinne einer Einwegkommunikation) entstand mit der Weiterentwicklung des Internets eine "read write"-Kommunikation. Ein weltweiter Datenaustausch und die Verteilung von Information durch das Internet mit p2p-Netzwerken und die Schaffung gemeinsamer Inhalte durch das Web 2.0 wurde erleichtert.

→ Jeanette Hoffman: Das "digitale Dilemma" und der Schutz des geistigen Eigentums (www.bildung2010.de – Portal für Bildungspolitik)

Neue Anforderungen an das Copyright/Urheberrecht
Damit entstand eine Situation, der das althergebrachte Urheberrechtssystem nicht mehr gewachsen ist. Auf die neuen Möglichkeiten einer leichteren Verbreitung und Kopierbarkeit von digitalen Gütern wurde einerseits mit neuen (technischen) Schutzmechanismen wie dem Digital Rights Management (DRM) reagiert – so werden heute CDs und DVDs kopiergeschützt, obwohl jeder Käufer/jede Käuferin das Recht besitzt, eine Privatkopie anzufertigen – , andererseits wird aber auch versucht, neue Wege im Umgang mit dem Copyright bzw. Urheberrecht zu finden. Deutlich wird an beiden Zugängen, dass der Umgang mit Information und Wissen sich verändert und an Bedeutung gewonnen hat.

Die Frage von Lizenzen und Urheberrecht ist unweigerlich mit der Grundsatzdiskussion darüber, wem Wissen und Werke gehören und wie diese von Dritten verwendet werden können, verbunden. Eine große Herausforderung in der demokratischen Wissensgesellschaft ist es, einen Weg zu finden, der nicht nur den neuen technischen Möglichkeiten entspricht, sondern der Förderung von gemeinsamen kreativen Kulturgütern und Wissen dient. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein zu strenges Urheberrechtsgesetz den freien kreativen Umgang mit Werken behindert, andererseits sollen die Rechte der UrheberInnen, ideell wie wirtschaftlich betrachtet, aber auch gewahrt bleiben.

→ iRights - Urheberrecht in der digitalen Welt
→ Aktuelles Themenmodul auf www.wissensgesellschaft.org
→ Aktuelles Themenmodul zum Thema Copyright/Urheberrecht auf derstandard.at
→ Aktuelles Themenmodul auf zeit.de

Das Copyleft-Zeichen - Symbol einer alternativen

Alternative Herangehensweisen
Das Recht auf geistiges Eigentum hat sich – wie kritische BeobachterInnen konstatieren – zu einem Recht für große Konzerne entwickelt, um ihre (wirtschaftlichen) Interessen durchzusetzen. Die Rechte der UserInnen stehen dabei – wie ebenfalls an der aktuellen Situation krisitiert wird – kaum mehr im Vordergrund, ganz im Gegenteil wird versucht, deren Möglichkeit an einer kreativen Kultur teilzunehmen, von gesetzlicher wie von technischer Seite zu behindern. Alternativen wie freie Software, GPL oder Creative Commons haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, eine demokratischere Entwicklung abseits von rein wirtschaftlichen Interessen zu fördern.

GPL und freie Software
Die GNU General Public Licence (GPL) wurde 1989 von Richard Stallman geschaffen, der auch das GNU Projekt, ein Projekt für freie Software, begründet hat. Die GPL erlaubt die freie Vervielfältigung, Verbreitung und Veränderung eines Werkes oder einer Software, auch zu kommerziellen Zwecken. Allerdings muss der Autor/die Autorin genannt werden, und die Lizenz steht unter dem Prinzip des Copylefts, das die Freiheit von Weiterbearbeitungen und Fortentwicklungen eines freien Ur-Werkes erzwingt. Das bedeutet, dass ein Werk, das in seiner Verarbeitung GPL lizenzierte Arbeiten verwendet, von den LizenznehmerInnen nur zu den Bedingungen der GPL lizenziert werden, sonst gehen die großzügigen Nutzungsrechte verloren.

→ GNU-Projektseite
→ GNU-Lizenz

Die Creative Commons-Lizenz bietet verschiedene Möglichkeiten der Lizenzierung - je nach Wunsch und Bedarf: www.creativecommons.org

Creative Commons
Creative Commons bzw. die CC-Linzenz(en) wurden 2001 in den USA von Lawrence Lessig ins Leben gerufen. Ausgangspunkt seiner Überlegung war, dass durch die Digitalisierung und die Möglichkeiten der Vernetzung ein großes Potential für die Entwicklung einer kreativen Kultur entstanden ist, die durch das jetzige Rechtssystem noch behindert wird. Seit langer Zeit entstehen neue Schöpfungen auf Basis älterer Werke, was durch das Internet beschleunigt wird. Dadurch dass die Wissens-, Film- und Musikindustrie jedoch auf einem strengen Copyright besteht, kann sich – so Lessing – jedoch keine freie Kultur entwickeln. Die Verwendung von lizenzierten Werken ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Meist profitieren von einem Copyright nicht die KünstlerInnen und AutorInnen, sondern die dahinter stehenden Medienunternehmen. Die Creative Commons Lizenz propagiert daher nicht Werke mit gänzlich freien Inhalten, vielmehr sollen die AutorInnen ein Werk selbst unter die Lizenz stellen, welche für sie passend erscheint. Aus diesem Grund gibt es mehrere Abstufungen, die die Nutzung an einem Werk regelt.

→ Hassan Mehdi: Geistiges Eigentumsrecht - Alternativkonzepte aus den USA und der EU (Demokratiezentrum Wien 2005)
→ Creative Commons
→ Creative Commons Österreich

Eva Ganglbauer
(Last Update 09/2008)

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