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Wien in Europa

Wien zwischen Ost und West
Reale Reisezeiten in europäische Städte. Subjektiv werden sie häufig als länger empfunden.
Quelle: Statistische Mitteilungen der Stadt Wien 1/2000

Wandel und Umbruch in Europa haben die österreichische Hauptstadt geprägt. Während sie zur Zeit des Kalten Krieges nur wenige Kilometer vom Eisernen Vorhang entfernt lag, profitiert sie heute von der geographischen Nähe zu den osteuropäischen Metropolen: So ist Bratislava in nur einer Stunde Zugfahrt zu erreichen, Budapest ist zweieinhalb Stunden entfernt und nach gut vier Stunden Fahrt gelangt man in die tschechische Hauptstadt Prag.

Im Jahr 2005 veröffentlichte der britische Historiker Tony Judt sein Buch "Postwar", in dem er auf fast 1000 Seiten die Geschichte Europas von 1945 bis in die Gegenwart schildert. Am Beginn des preisgekrönten Bandes schreibt Judt, dass ihm die Idee für das Buch in Wien gekommen sei. Dort habe er im Dezember 1989 auf dem Rückweg von Prag am Westbahnhof umsteigen müssen. Wien im Jahr 1989 sei ein guter Ort und eine gute Zeit gewesen, um über Europa nachzudenken, so Judt weiter. Selbst die Hauptstadt eines neutralen, aber zum ideologischen Westen gehörenden Staates, seien einige der Warschauerpaktsstaaten nur wenige Kilometer entfernt gewesen. Diese Gegensatz, schildert Judt eindrücklich, habe besonders gut an den beiden Fernverkehrsbahnhofen Wiens abgelesen werden können: Während am belebten Westbahnhof moderne Züge nach München, Zürich oder Paris abgereist seien, hätten am düsteren und heruntergekommenen Südbahnhof alte schmutzige Züge aus Budapest oder Belgrad halt gemacht.

Die Stadt Wien ist von den Spuren ganz unterschiedlicher europäischer Vergangenheiten geprägt. Die Türkenbelagerungen vor Wien (1526 und 1683) sind in Form von Denkmälern noch immer im Stadtbild präsent und erinnern an das vergangene Selbstverständnis als Bollwerk gegen den muslimischen Osten. Die Spätzeit der Habsburgermonarchie war von großen Binnenwanderungsbewegungen geprägt. Vor allem aus Böhmen und Mähren kamen die Menschen um 1900 nach Wien. Seit den 1960er Jahren versuchte der österreichische Außenminister und spätere Bundeskanzler Bruno Kreisky von Wien aus neue Beziehungen mit den sowjetischen Satellitenstaaten aufzubauen. Mit seiner Nachbarschaftspolitik wollte er die Beziehungen zu den kommunistischen Nachbarstaaten verbessern.

EU-Institution in Wien
Heute befindet sich außerdem eine Institution der Europäischen Union in Wien. Seit Anfang des Jahres 2007 hat die Europäische Agentur für Grundrechte (FRA) hier ihren Sitz.

→ Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA)

Solche Agenturen sind keine EU-Organe, sondern durch einen eigenen EU-Rechtsakt geschaffene Stellen, die besondere Aufgaben innerhalb der Europäischen Union übernehmen. Die FRA arbeitet auch mit dem Europarat eng zusammen. In der offiziellen Darstellung der Agentur heißt es über ihre Aufgaben: "Das Ziel der Agentur besteht darin, den relevanten Organen und Einrichtungen der Gemeinschaft und ihrer Mitgliedsstaaten bei der Durchführung des Gemeinschaftsrechts in Bezug auf die Grundrechte Unterstützung zu gewähren und ihnen Fachkenntnisse bereitzustellen, um ihnen die uneingeschränkte Achtung der Grundrechte zu erleichtern, wenn sie in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich Maßnahmen einleiten oder Aktionen festlegen."

© Demokratiezentrum Wien

Wissensstation

→ "Hapsburg Cities": Wien, Prag, Budapest und ihr Verhältnis in der historischen Entwicklung

Literaturhinweise

→ Erhard Busek, Österreichs Rolle in einer sich neu formierenden Region, in: Matthias Pape (Hrsg.), Österreich - von der Monarchie zum EU-Partner, Baden - Baden 2000, S. 15-24.

→ Tony Judt, Postwar. A History of Europe Since 1945, New York 2005 [die deutsche Ausgabe erschien ein Jahr später unter dem Titel "Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart".

→ Georg Kreis, Europa und seine Grenzen. Mit sechs weiteren Essays zu Europa, Bern, Stuttgart, Wien 2004.

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