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Wahlplakat der FPÖ für die Wiener Gemeinderatswahl vom 10. November 1991
Quelle: Plakatdokumentation Kunisch
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Zugehörigkeit als Wahlkampfthema

Transportiert wurde das angestrebte Wien-Bild auf den Wahlplakaten der politischen Parteien jedoch nicht nur durch positiv formuliere Absichterserklärungen, wie sich Wien – je nach Parteienstandpunkt – entwickeln soll, sondern auch durch Negativbotschaften. Besonders in den 1990er und 2000er Jahren wurde in diesem Zusammenhang von Seiten der FPÖ die Frage aufgeworfen, wer zu Wien gehöre und wer nicht. MigrantInnen wurden in immer ausländerfeindlicheren Wahlaussagen, davon ausgeschlossen, dass Wien auch ihre "Heimatstadt" ist.

Wien – Chicago im Wahlkampf

International am meisten Aufmerksamkeit erregten in diesem Zusammenhang die Wahlgänge 1991 und 1996, als die FPÖ plakatierte, dass "Wien ... nicht Chicago werden (darf)". Chicago wurde dabei als eine Chiffre für eine (durch Migration hervorgerufene) steigende Kriminaliät verwendet. Sie wendete sich gegen MigrantInnen schlechthin und fragte freilich weder nach dem realen Anteil der MigranntInnen an der österreichischen Kriminalitätsstatistik noch nach den Lebensbedingungen der MigrantInnen. Vielmehr zielten die Slogans darauf ab, ein Feindbild zu stilisieren. Ausdruck dieser Politik war nicht zuletzt das "Ausländer raus" ("Österreich zuerst")-Volksbegehren der FPÖ aus dem Jahr 1992, gegen das am 23.1.1993 in ganz Österreich hunderttausende Menschen demonstrierten.

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V.a. in Wien versammelten sich im Rahmen des "Lichtermeers" zigtausende WienerInnen auf dem Heldenplatz, um gegen die Politik der FPÖ zu demonstrieren, aber auch, um nicht in der internationalen Öffentlichkeit Wien als eine Stadt bestehen zu lassen, die solche Parolen unbeantwortet lässt. Besonders der Wahlkampf 2005, in dem die FPÖ "Wien darf nicht Istanbul werden" plakatierte, zeigte neuerlich, dass ausländerfeindliche Wahlslogans zum fixen Bestandteil des politischen Konzepts der FPÖ gehören. Sie erfordern eine Gegenrede, auch – wie KritikerInnen der FPÖ und ihrer Plakatkampagne anmerkten – um den Kampf ums Stadtbild und die Definitionshoheit, wer Wiener oder Wienerin ist, nicht dieser Partei zu überlassen.

Literatur: Csendes, Peter / Opll, Ferdinand (Hg.), Wien. Geschichte einer Stadt (Band 3: Von 1790 bis zur Gegenwart), Wien/Köln/Weimar 2006; Mattl, Siegfried, Wien im 20. Jahrhundert (Geschichte Wiens Band IV), Wien 2000, Drexler, Martin W. Drexler / Eiblmeyer, Markus / Maderthaner, Franziska (Hg.): Idealzone Wien. Die schnellen Jahre (1978-1985), Wien 1998; Rauchenberger, Josef, Stichwort Demokratie. 50 Jahre Zeitgeschehen, Wien 1994.

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Text und Gestaltung: Maria Wirth
Last Update: 01/2010

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