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Grätzloasen

Eine Initiative, die von der zentralen Geschäftsstelle der LA 21 Wien geleitet, von BürgerInnen umgesetzt wird und relativ große Sichtbarkeit im Stadtbild genießt, ist die Grätzloasen-Programmlinie. Ausgangspunkt für Grätzloasen ist laut Website der LA 21 Wien eine „kreative Idee, die den öffentlichen Raum belebt“ (Graetzloase.at 2018). Die Aktionen sollen eine gemeinschaftliche Nutzung anregen und das Zusammenleben im Grätzl auf einfallsreiche, nicht profitorientierte und zeitlich begrenzte Art fördern. Die Schwerpunkte können im Gebiet Kultur, Natur, Freizeit oder Erholung liegen. Durch die Inanspruchnahme und Belebung des öffentlichen Raumes als Begegnungsraum diverser und aktiver BürgerInnen soll ein Bewusstsein für öffentlichen Raum als zentrale Ressource lebenswerter Stadtteile geschaffen werden (ebd.).

Unter öffentlichem Raum werden „städtische Räume im Freien, die für alle zugänglich sind und sich im öffentlichen Eigentum befinden“ (ebd.), verstanden. Ideen für Grätzloasen können über ein Antragsformular von EinwohnerInnen, Vereinen, Schulen oder lokalen Unternehmen eingereicht werden. Werden diese von der Auswahljury der LA 21 berücksichtigt, kann die Idee von der LA 21 mit Öffentlichkeitsarbeit, Materialkosten, Beratung und Vernetzung mit politischen und administrativen Stellen unterstützt werden.

In der Praxis wandeln die Grätzloasen-Aktionen Park- oder Straßenraum, saisonal oder auch nur für einige wenige Stunden, in öffentliche Räume zum Verweilen oder für Veranstaltungen um. Somit werden idealerweise öffentliche Begegnungsräume und nachbarschaftliche Verbindungen, sozusagen Mikro-Öffentlichkeiten, im Grätzl geschaffen. Grätzloasen entstehen sehr oft im Zusammenspiel mit dem Freiraum-Konzept der Stadt Wien, in dem bis zu zwei Parkplätze zu Aufenthaltsräumen umgestaltet werden können und mit sogenannten „Parklets“ ausgestattet werden. Neben häufigen Ideen wie Begrünung oder „Garteln“ finden dort u.a. Kunstausstellungen, Konzerte, Handarbeitsworkshops für Kinder, gemeinsame Nachbarschaftsfrühstücke und vieles mehr Platz. Abseits von der Parkraumumgestaltung werden innerhalb dieser Programmlinie aber auch öffentliche Plätze wie Parks, Straßen oder Gebäudemauern zu Orten von Grätzlfesten, Bepflanzungs- und Ernteaktionen, City Golf, Gewürzmisch-, Märchen-, Zumba- oder Brotbackworkshops (ebd.). 

Die soziale, nachbarschaftliche Dimension der Agenda 21 ist im Rahmen der Grätzloasen-Initiativen evident. Etwas impliziter macht die Programmlinie aber auch eine wichtige ökonomische Dimension sichtbar, da die Beanspruchung und Einnahme von öffentlichem Raum eine zentrale Intervention gegen die neoliberale Privatisierung öffentlichen Eigentums zu Verwertungszwecken darstellt und somit das Bewusstsein für gemeinschaftlichen, städtischen Besitz fördert.

 

 

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Einleitung

Das Wiener Petitionswesen: Petitionen als Demokratie-Instrumente
Der Beschluss des Wiener Petitionsgesetzes
Der Weg einer Wiener Petition – Einreichung und Behandlung

Die Lokale Agenda 21 Wien
Ziele der Lokalen Agenda 21 Wien
Organisationsstruktur
Wer kann teilnehmen & Wer nimmt tatsächlich teil?
Die Agendagruppen in der Praxis
Grätzloasen

Literatur

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