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Partizipation

Was heißt Partizipation?
Der Begriff Partizipation leitet sich vom lateinischen Wort particeps = an etwas teilnehmend ab und wird mit Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung, Mitbestimmung und Einbeziehung übersetzt. In Europa konnten die Teilhaberechte, v.a. das Wahlrecht, sukzessive ausgebaut und im Laufe der Jahrhunderte von immer größeren Teilen der Bevölkerung ausgeübt werden. Die Wahlaltersenkung in Österreich auf 16 Jahre zeigt, dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist.

In der wissenschaftlichen Literatur wird heute darauf hingewiesen, dass Partizipation etwas ist, das sich nicht nur auf politische Teilhabe beschränken lässt, sondern sehr viele Bereiche des Lebens umfassen kann. Partizipation kann in der Familie, im Kindergarten und der Schule, aber auch im Unternehmen, im öffentlichen Raum, in Freizeiteinrichtungen oder in der Politik gelebt werden. Wird Partizipation ernst genommen, basiert sie auf einem partnerschaftlichen Verhältnis und der Bereitschaft, Macht abzugeben auf der einen und der Bereitschaft, sich zu engagieren auf der anderen Seite. Jugendpartizipation wird von Barbara Tham als "die aktive Beteiligung junger Menschen an den sie betreffenden Angelegenheiten in Politik und Gesellschaft […]" beschrieben. Zentral ist bei dieser Definition der Hinweis darauf, dass es sich um Angelegenheiten handelt, die die Jugendlichen betreffen. Die Politik schreibt ihnen vermehrt das Recht und die Kompetenz zu, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, die ihr Umfeld oder sie selbst direkt betreffen. Das hat zum einen positive Auswirkungen auf die Gemeinschaft, wie den Aufbau eines partnerschaftlichen Verhältnisses zwischen Politik, Verwaltung und der (jungen) Bevölkerung, zum anderen zeigen die Erfahrungen, dass gerade junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung sehr von diesen Möglichkeiten profitieren.

Wie weit reicht Partizipation?

Partizipationspyramide - Die Stufen der Partizipation/Quelle: funtasy projects - www.funtasy-projects.ch

Was die Reichweite oder Tiefe von Partizipation betrifft, wird u.a. auf die Partizipationspyramide von funtasy projects verwiesen. Darin betonen die Autoren, dass Partizipation fünf Stufen umfasst, die sich gegenseitig bedingen. Diese sind: Information – Mit-Sprache – Mit-Entscheidung – Mit-Beteiligung – Selbstverwaltung/Autonomie. Der Grad der Teilhabe baut primär auf der Frage auf, ob und in welchem Ausmaß die Beteiligten mitentscheiden können, oder nicht.

Für das Partizipationsangebot in Wien sind die ersten vier Stufen wesentlich:

Information ist die niedrigste Stufe und zugleich Voraussetzung für alle anderen Stufen der Partizipationspyramide. Als aktuelles Beispiel in Wien sei an dieser Stelle der Bürgerstammtisch Hauptbahnhof (4. Bezirk) genannt. Die Planungen sind bereits abgeschlossen, aber interessierte BürgerInnen können zum Bürgerstammtisch kommen, sich informieren, Fragen stellen oder Anregungen geben. Sie können jedoch keine Entscheidungen mehr treffen oder beeinflussen.

Die nächsthöhere Stufe wird als Mit-Sprache bezeichnet. Damit ist u.a. gemeint, dass Anliegen bzw. Wünsche von den TeilnehmerInnen bearbeitet und den EntscheidungsträgerInnen präsentiert werden, um sie mit ihnen zu diskutieren. Umgekehrt kann aber auch die Politik an die Bevölkerung herantreten und ihnen bei konkreten Bau- oder Umgestaltungsprojekten die Möglichkeit der Mit-Sprache geben. Charakteristisch für diese Stufe ist auch, dass die Kinder und Jugendlichen keine verbindlichen Entscheidungen treffen können, sondern dies ausschließlich den PolitikerInnen vorbehalten bleibt. Zwar wählen sie Delegierte und Themen, sie haben aber keinen Einfluss auf die Letzt-Entscheidung. Der Großteil der Partizipationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in Wien gehört dieser Stufe an. Allerdings ist die Tendenz erkennbar, dass mittlerweile auch Partizipationsmodelle konzipiert und durchgeführt werden, in denen PolitikerInnen und Kinder bzw. Jugendliche bereits intensiver zusammenarbeiten (Jugend Bezirks Vertretung 15). Ein besonderes Beispiel ist das Projekt Word Up! 20 im 20. Bezirk, wo zwar der Bezirk entscheidet, ob ein Projekt umgesetzt wird, die TeilnehmerInnen bei positivem Beschluss aber selbst entscheiden, wie die ausgewählten Projekte mit einer bestimmten Budgetsumme umgesetzt werden sollen. 

Können die Beteiligten tatsächlich entscheiden, ob etwas zustande kommt, oder nicht, sprechen die Autoren von Mit-Entscheidung. Ein Bespiel hierfür ist etwa das bereits abgeschlossene Beteiligungsverfahren Trunnerpark im zweiten Gemeindebezirk. 

Zur nächsthöheren Stufe, der Mit-Beteiligung, sind jene sechs Bezirke zu zählen, die an der Lokalen Agenda 21 für Wien teilnehmen. Dies sind der 3. (Agenda Wien Landstraße), der 4. (LA 21 Plus Wieden), der 8. (Agenda Josefstadt), der 9. (LA 21 Plus Alsergrund), der 22. (LA 21 Plus Donaustadt) und der 23. Bezirk (LA 21 Plus Liesing). Die LA 21-Prozesse ermöglichen eine umfassende Beteiligung von Jugendlichen und Erwachsenen. Aber auch zwei Projekte für Kinder und Jugendliche werden diesem Anspruch gerecht, nämlich der erfolgreiche Aufbau eines Mädchencafés in Neubau und die Jugendbeteiligungsprojekte Hernals. Beide wurden zwar vorab durch den Bezirk genehmigt und somit auch finanziert, aber bei der Umsetzung haben die Beteiligten volle Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheit. 

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