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Die Geschichte des Internets

1957
Nachdem es der Sowjetunion als erster Supermacht gelingt, einen Satelliten ist Weltall zu schicken ("Sputnik-Schock"), ist die USA bestrebt, den technologischen Vorsprung des Gegners so schnell wie möglich wieder aufzuholen. Aus diesem Grund gründet das US-Verteidigungsministerium die Forschungsbehörde ARPA (Advanced Research Projects Agency), die mit allen Forschungseinrichtungen Amerikas zusammenarbeitet.

1964
An einer Forschungsstelle der ARPA, der kalifornischen Rand Corporation, entwickelt Paul Baran eine Netzwerk-Technologie, die die "Überlebensfähigkeit einer Kommandostruktur im Falle eines sowjetischen Nuklearangriffs" gewährleisten soll. Im Konzept von Baran werden Daten nicht mehr auf einem zentralen Rechner gesammelt, sondern in ein Computernetzwerk eingespeist. Die Daten gelangen über die unterschiedlichsten Verknüpfungen vom Startrechner zum Zielrechner. Dadurch ist ein Totalausfall des Netzes kaum mehr zu befürchten.

1969
Die US-Regierung nimmt das ARPANET, das erste solche Netz mit vier Knoten, physisch in Betrieb. Es dient – entsprechend dem Geldgeber – militärischen Zwecken. Damit die kleinen Datenpakete den richtigen Weg durch das Netz finden, werden für die Knotenpunkte spezialisierte Adressierungscomputer (routers) entwickelt und eingesetzt. Auch heute noch ist das Internet im Wesentlichen ein Netz von leistungsfähigen Telefonleitungen, wo der Fluss der Datenpakete durch Routers organisiert ist.

1971
Am ARPANET sind 15 Knoten angeschlossen. Intel stellt den ersten Mikroprozessor (4004) vor. Das RFC 172: File Transfer Protocol (FTP) wird veröffentlicht.

1972
Ray Tomlinson vereinfacht die Kommunikation zwischen den inzwischen am ARPANET angeschlossenen Computern durch ein einheitliches Programm zum Schreiben und Empfangen von Briefen: die E-Mail ist geboren. Bereits zu diesem Zeitpunkt gibt es – je nach BenützerInnenkreis – unterschiedliche Standards (Protokolle), damit Computer Daten austauschen können. Von den vielen Protokollen, die geschaffen werden, haben heute nur noch die E-Mail, FTP (File Transfer Protocol), Newsgroups, TCP/IP (Transmisson Control Protocol/Internet Protocol) eine wirkliche Bedeutung.

1973
Das Internet in der heutigen Form entsteht. Robert Kahn und Vinton Cerf schaffen ein einheitliches Datenformat und eine neue Methode der Verbindungsherstellung: TCP/I. Über das Netzwerk können seitdem Dateien unterschiedlichster Art standardisiert übermittelt werden. Sie werden zu diesem Zweck in kleine Informationseinheiten, auch "packets" genannt, zerteilt. Cerf ist auch der erste, der im selben Jahr den Ausdruck "Internet" (INTERconnected NETworks) benutzt.

1974
Es gibt die ersten Rechner außerhalb der USA (Hawaii, Norwegen, England), die sich ans ARPANET anschliessen.

1977
Das ARPANET hat 111 angeschlossene Rechner. Paul Allen und Bill Gates gründen Microsoft. Steve Wozniak und Steve Jobs gründen Apple.

1979
Der Beginn des Usenet: Steve Bellovin schreibt die ersten Shell-Scripts zur Automatisierung von uucp-Kommunikation.

1981
23 Rechner an Universitäten benutzen das Usenet/News. Über die University of Califonia, Berkeley (UCB) entstehen die ersten Verbindungen zwischen ARPANET und Usenet. Der erste IBM-PC wird vorgestellt.

1983
Dem ARPANET sind bereits 4000 Rechner angeschlossen.

1984
Der militärische Teil des Internets wird ausgegliedert. Der vorwiegend universitäre andere Teil geht in die Verantwortung (und Finanzierung) der National Science Foundation (diese zieht sich 1995 aus dem direkten Betrieb zurück).

1987
Die US-Regierung finanziert den Aufbau eines neuen Backbones für das bisherige ARPANET, das NSFNet (National Science Foundation Net). Der Begiff "Internet" entsteht. Das Internet hat 27.000 angeschlossene Rechner.

1989
Robert Cailliau und Tim Berners-Lee entwickeln im europäischen Kernforschungszentrum in Genf (CERN) eine neue Konvention (Protokoll) zum Datenaustausch zwischen Computern: HTML (HyperText Markup Language), wodurch die Datenübertragung zwischen Computern auch für Laien zu einer einfachen Sache wird: das WWW ist geboren. Im selben Jahr veröffentlicht Marc Andreesen das dafür notwendige Leseprogramm Mosaic-X, den Urvater aller heutigen Browser. Diese Programme sorgen mit ihrer intuitiven grafischen Oberfläche dafür, dass gesendete Texte, Bilder, Video und Töne korrekt auf dem individuell konfigurierten PC wiedergegeben werden.

1990
Das ARPANET wird offiziell eingestellt.

1992
Die Internet Society (ISOC) ensteht.

Im Oktober gibt es bereits 1.136.000 Internet-Hosts.

1993
Das CERN gibt das WWW für die Öffentlichkeit frei.

StudentInnen und MitarbeiterInnen des National Center for Supercomputing Applications der Universität von Illinois entwickeln ein grafisches User-Interface mit dem Namen NCSA Mosaic: Dies dient zur Navigation im Internet.

1994
Eine kleine Firma namens Netscape entwickelt den ersten kommerziellen Browser und schafft sich dadurch eine Vormachtsstellung im Client-Geschäft. Auch Microsoft erkennt die stetig zunehmende Bedeutung des Internets und liefert den Internet Explorer (mit Betriebssystemen und Business-Anwendungen), kann aber vorläufig keinen nennenswerten Marktanteil erreichen. Die Zahl der kommerziellen NutzerInnen übersteigt die Anzahl der wissenschaftlichen TeilnehmerInnen – es sind 3.000.000 Hosts.

Gründung des World Wide Web Consortium (W3C) am Computer Science Laboratory des MIT.

1995
Java wird als Programmiersprache zur Entwicklung systemunabhängiger Applikationen vorgestellt. Das erste Java- Applet heisst "Duke". WWW löst FTP als Service mit dem höchsten Datenaufkommen ab.

Kevin Mitnick wird wegen Hackens und Computer Intrusion verurteilt. Er ist der erste wegen eines solchen Deliktes verurteilte Hacker. Inzwischen hat er Hacker-Kultstatus erreicht.

Das Online-Medienkaufhaus Amazon wird gegründet.

1996
Im Jänner hat das Internet 16.000.000 angeschlossene Rechner.

Mitte/Ende der 1990er Jahre - 2001
"Dot-Com-Boom". Viele (Jung-) UnternehmerInnen entdecken das ökonomische Potential des Internets. Im Internet kann schnell viel Geld verdient werden. 2001 platzt die "Dot-Com-Blase", viele InvestorInnen ziehen ihr Geld zurück.

1998
Microsoft lanciert den Internet Explorer 4.0. Damit wird dem Netscape-Browser erstmals Paroli geboten. Ende 1998 wird ein ausgeglichenes Verhältnis von je rund 45% Marktanteil ausgewiesen. Netscape wird für circa 4,2 Mrd. Dollar von AOL gekauft.

Bei Network Solutions wird die 2-Millionste Domain registiert.

Offizieller Start der WebStandards-Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, Browser-Hersteller unter Druck zu setzen, eine Reihe von Web-Standards vollständig zu implementieren.

Gründung der ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers). Sie löst den bisherigen Monopolisten Network Solutions Inc. als Vergabestelle für Top-Level-Domains (TLD, wie etwa .de, .com., .org) ab.

Larry Page und Sergey Brin gründen Google.

Mozilla.org entsteht. Das Open Source-Projekt wurde ursprünglich gegründet, um die Internetprogramm-Sammlung der nächsten Generation für Netscape zu entwickeln.

1999
Erstmalig kann Microsoft mit dem Internet Explorer den Netscape Communicator auf den zweiten Platz verdrängen. Im weiteren bricht ein regelrechtes Portalfieber aus: Suchmaschinen entwickeln sich zu News- und Dienstleistungs-Plattformen und bieten den BesucherInnen immer mehr Funktionalität an.

Alando.de, später e-bay, wird gegründet.

Von Nokia wird auf dem GSM World Congress in Cannes das erste Internet-Handy der Welt vorgestellt. Das Dualband-Handy Nokia 7110 basiert auf dem Wireless Application Protocol (WAP) im Mobile Media Mode (WWW:MMM) und soll einen einfachen Zugang zu Internet-Inhalten bieten.

2000
NEC-RI und Inktomi ermitteln die Größe des WEB: Es übersteigt 1 Milliarde indizierbare Webseiten.

Es gibt erstmals eine Art weltweiter Wahl im Internet. Die NutzerInnen des Netzes sind aufgerufen, fünf Direktoriumsmitglieder der ICANN zu wählen.

ICANN gibt neue Top Level Domains frei: .biz, .info, .name, .pro, .museum, .aero und .coop.

E-Commerce Richtlinie des Europäischen Parlaments.

2001
Vorstellung des Microsoft-Car.NET-System auf der CES in Las Vegas. Es stellt eine Infrastruktur für Internetzugriff im Auto dar.

Aufgrund der Terroranschläge vom 11. September 2001 werden in vielen Ländern neue Gesetze eingeführt, die die Anonymität der Internetbenutzung erheblich einschränken.

Vincent Cerf wird im November zum neuen ICANN-Vorsitzenden.

Start der Open-Source- und Open-Content-Enzyklopädie Wikipedia.

2002
Google ist die größte Suchmaschine mit den meisten indizierten Webseiten (ca. 2.5 Milliarden) der Welt.

Flickr.com wird gegründet. Die teils kommerzielle Plattform erlaubt es den UserInnen, digitale Bilder mit kurzen Kommentaren auf die Website und so anderen NutzerInnen zur Verfügung zu stellen.

2003
Apple startet den ersten legalen Musik-Download, i-Tunes.

Die werbefinanzierte Kommunikationsplattform MySpace, auf der UserInnen multimediale Inhalte hochladen können, entsteht. 2005 kauft es der Medienmogul Rupert Murdoch für 580 Millionen US-Dollar.

2004
"To google" wird ins englische Wörterbuch aufgenommen.

Virenflut. Allein 2004 werden über 1000 Viren im Netz registriert.

Google lanciert sein "print project", bei dem in großen Umfang Büchr digitalisiert und ins Netz gestellt werden sollen.

Der Open-Source-Browser Firefox von Mozilla erscheint. Die Entwicklung des Browsers war maßgeblich durch die Freigabe des Netscape-Quellcodes 1998 ermöglicht worden.

2005
Die Regisitrierung für die Toplevel-Domäne .eu beginnt.

Tim O`Reilly prägt den Begriff "Web 2.0" (Der Begriff soll bereits ein Jahr zuvor von seinen Verlagsmitarbietern Dale Dougherty und Craig Cline verwendet worden sein). Web 2.0 steht für die Entwicklung des Internets hin zu verstärkter Mitgestaltung des WWW durch die UserInnen. Typische Beispiele hierfür sind Wikis, Weblogs sowie Bild- und Video-Sharing-Portale (Soziale Netze).

YouTube, ein Portal, auf dem UserInnen kostenlos Video-Clips ansehen und hochladen können, wird gegründet. 2066 kauft Google YouTube um 1,6 Milliarden US-Dollar.

2006
Ab dem 7. April 2006 steht die "eu"-Domäne jedem, der einen Wohnsitz in der EU hat und seine europäische Identität im Internet hervorheben möchte, zur Verfügung.

2006/2007
Die 2003 gegründete 3D-Websimulation Second Life, die den UserInnen die Möglichkeit gibt, ein "zweites", digitales Leben zu führen, hat regen Zuspruch. Mit einer Tätigkeit in Second Life ist auch reales Geld zu verdienen.

(Quellen: www.wissen-erleben.de/internet/, 15.4.2003; www.kmu-suisse.ch/kmu-suisse/master/geschichte.htm, 15.4.2003; www.medical-tribune.ch/deutsch/Aktuelles/internet/internet_teil1_4.asp, 15.4.2003; www.trisoco.com/geschichte1.html, 15.4.2003; www.psychologie.uni-bonn.de/sozial/staff/musch/history.htm, 15.4.2003; www.familie-im-web.de/familie/cyberlernen/internet/i/icann.html, 14.5.2003; www.geschichte-des-internet.com, 14.5.2003, www.10-jahre-internet.de, 8.2.2006)

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