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Wir Österreicher. Sonderwochenschau

Austria Wochenschau 15/69, Beitrag 1

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Quelle: Filmarchiv Austria

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Inhalt: Staatsbesuche, Vietnam, Prager Frühling, Europabrücke, UNIDO, Waldheim am Rednerpult stumm

Originaltext:
Die Österreicher: Menschen in einem Kleinstaat in der Mitte Europas. Sie leben nicht isoliert in einer geteilten Welt. Denn jeder ist heute jedermanns Nachbar. Wir leben in einer unruhigen Welt. Besetzung, Krieg, Terror und Demonstrationen beherrschen das Geschehen in weiten Teilen der Erde. Ereignisse in Nachbarländern können uns nicht gleichgültig sein. Aber wir sind ein offenes, gastliches Land. Millionen Ausländer suchen bei uns Ruhe und Erholung. Ausländische Waren kommen ins Land, Österreichs Produkte gehen in alle Welt. Wirtschaftsdepressionen und Währungskrisen gefährden aber auch unsere Volkswirtschaft mit, wenn nicht die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

Als in den letzten Jahren Europa in ein Wellental der Konjunktur geriet, spürte das auch Österreich. Grosse und reiche Länder wurden von Krisen erfasst. Arbeitslosigkeit, Abwertung, Kürzung der Sozialleistungen und Verlust an Volksvermögen durch Massenstreiks waren die spürbaren Folgen. In welchem Maß Österreich davon betroffen wurde, lag aber auch an uns. Gegenüber 1965 wuchs das Bruttonationalprodukt bis heute um über 11%, in Deutschland nur um 9%, in der Schweiz sogar nur um 8%. Österreich wurde in dieser Zeit ein Land der Millionen: 1966 wurde der millionste Kühlschrank angeschafft, 1968 der millionste Fernsehapparat und das millionste Auto. Der Wohlstand steigt sichtbar.

Seit 1966 haben wir ein entscheidungsfähiges Parlament, eine arbeitsfähige Bundesregierung, weiterhin zur konstruktiven Zusammenarbeit bereite Sozialpartner, ein demokratisch reifes und fleißiges Volk, das sich nicht selbst um die Früchte seiner Arbeit betrügt. So wurden die letzten drei Jahre zu einem Erfolg für unser Land. In Österreich konnten die Arbeitsplätze gesichert werden. Gezielte Investitionen, Budgetsanierung und Hilfe bei der Schaffung neuer Betriebe trugen dazu bei, dass die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zu anderen Staaten niedrig blieb. Die Tariflöhne hingegen stiegen von 1966 bis 1968 stärker als etwa in der Bundesrepublik oder der Schweiz. Der Preisanstieg hielt sich in engeren Grenzen als früher. Unsere Währungsreserven waren zu Ende des Jahres 1968 um 27% höher als 1966.

Wir lösten in dieser Zeit aber auch schwelende Probleme, die jahrzehntelang unerledigt blieben, wie etwa die Reform der Wohnbauförderung. 1966 und 1967 wurden jeweils über 50.000 Wohnungen durch Bund, Gemeinden, Genossenschaften und Private gebaut. Unsere Zukunftschancen sind gut. Die Wirtschaftsexperten haben uns die Prognose gestellt, dass die Wirtschaft in diesem Kalenderjahr um 5% wächst. Am Ende dieser Gesetzgebungsperiode wird die Wachstumsrate unserer Wirtschaft auch Länder wie England und Schweden übertroffen haben. So ist es auch möglich, dass die sozialen Leistungen stiegen. Die Ausgaben des Bundes für die soziale Wohlfahrt wuchsen in drei Jahren von 18 auf 22 Milliarden Schilling an. überall in Österreich entstehen Kindergärten, Schulen, Altersheime und moderne Spitäler. Die Leistungen des neutralen Österreichs respektiert die ganze Welt. Besuchsdiplomatie ist mehr als Höflichkeit: Sie ist Anerkennung für die Rolle Österreichs zwischen West und Ost. Unser Land im Zentrum für zahlreiche zwischenstaatliche Konferenzen; und internationale Organisationen von großer Bedeutung wie die Atomenergiebehörde und die UNIDO haben ihren ständigen Sitz in Wien.

Trotzdem: Österreich ist keine Insel der Problemlosigkeit. Noch warten ungelöste Fragen auf uns. Denn es gilt, die Aufgaben der 70er-Jahre zu lösen. Der Koren-Plan sieht vor, dass neue Betriebe entstehen und bestehende durch Zusammenschluss wettbewerbsfähig werden. Ein Entwicklungs- und Erneuerungsfonds soll die Arbeitsplätze der Zukunft erhalten und die Agrarstruktur verbessern. Neue Volks-, Mittel-, Fach- und Hochschulen müssen bereits jetzt geplant werden, um dem Bedürfnis und der Nachfrage an Gebildeten nachzukommen. Um den steigenden Bedarf an Energie zu decken, müssen wir neue Kraftwerke bauen, an der Donau, im Gebirge, mit Atomkraft. Ein Pipeline-Netz wird verbilligtes Erdöl von der Adria heranführen. Von jedem Punkt Österreichs wird man über ein automatisiertes Telefonnetz mit dem übrigen Bundesgebiet und dem Ausland sprechen können. Österreich braucht moderne und gute Strassen, für unsere Wirtschaft, vor allem für den Fremdenverkehr. So müssen sich Parlament, Regierung und jeder einzelne Österreicher auf die 70er Jahre vorbereiten. Unsere Leistungen dürfen uns nicht zur Ruhe verleiten. Denn es gilt, das Erreichte zu vermehren und zu verbessern - durch eine Politik für alle Österreicher.

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