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"Österreich ist frei!" - Sonderausgabe der Austria Wochenschau in Farbe

Austria Wochenschau 44/55, Beitrag 1

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Quelle: Filmarchiv Austria
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Originaltext:

13. Mai 1955. Österreich steht im Blickpunkt weltweiten Interesses. Nach einem letzten, keineswegs leichten Ringen wurden die noch strittigen Klauseln des Staatsvertrages endgültig festgelegt. Die Außenminister der vier Großmächte treffen in Wien ein. Dulles, McMillan und Pinay kommen aus Paris. 14. Mai 1955. Molotow, mit besonderer Spannung erwartet, kommt von einer Konferenz der osteuropäischen Länder aus Warschau. Die Vorbereitungen für die Unterzeichnung des Vertrages im Schloss Belvedere sind abgeschlossen. 15. Mai 1955. Groß und echt ist die Freude, die ganz Österreich erfüllt. Hier, in dem Barockschloss des Prinzen Eugen treffen die vier Außenminister ein, um den Vertrag zu unterzeichnen, der Österreich seine Souveränität und seine Freiheit wiedergibt. Es ist kein Abkommen, das die Sowjetunion, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und Frankreich über Österreich schließen. Es ist vielmehr ein Vertrag mit Österreich als gleichberechtigtem Partner. Denn andere können einem Land die Freiheit nur dann geben, wenn es selbst entschlossen ist, frei zu sein und frei zu bleiben. Die Außenminister der vier Großmächte waren mehr als einmal erfolglos an einem Tisch versammelt: in Berlin, in Paris, in Moskau, in London. Aber hier in Wien unterschreiben sie nun gemeinsam ein Dokument, das mit seinen Siegeln als Symbol des Beginnes einer neuen Ära in den Beziehungen zwischen dem Westen und dem Osten gelten kann.

Österreich zwischen Ost und West hat 10 Jahre lang auf diesen großen Augenblick gewartet. Es waren harte, entbehrungsreiche Jahre, aber nie hat das österreichische Volk, nie hat die österreichische Regierung aufgehört, mit allen Kräften dem einen, allen gemeinsamen Ziel entgegenzustreben: jetzt ist es erreicht! (OT Figl: "Österreich ist frei!") Der unvergessene Staatsmann Dr. Karl Renner schuf im Jahre 1945 in einem kleinen, niederösterreichischen Dorf die Grundlagen der 2. Republik. 10 Jahre später empfängt sein Nachfolger, Bundespräsident Körner, in der ehemaligen kaiserlichen Burg als erster die Vertreter der vier Großmächte in einem freien Österreich. Am 27. Juli 1955 wird in den österreichischen Fabriken und Werkstätten, in den Büros und Amtsstuben, gearbeitet wie gewöhnlich. Aber es ist ein historischer Tag: der Alliierte Rat löst sich auf. Wer nur irgendwie kann, findet sich auf dem Schwarzenbergplatz ein, um die letzte Amtshandlung der vier Hochkommissare mitzuerleben. Es ist das letzte Mal, dass den Vertretern der Alliierten von Soldaten ihrer eigenen Länder militärische Ehren auf österreichischem Boden erwiesen werden. Als Repräsentanten des souveränen Österreich nehmen Bundeskanzler und Vizekanzler an dem feierlichen Staatsakt teil.

Am Tag nach der Auflösung des Alliierten Rates beginnen die Truppen der Besatzungsmächte Österreich zu räumen. Eine friedliche militärische Operation setzt ein. Alle haben sie ersehnt, aber dennoch überrascht die Präzision und Korrektheit ihrer Durchführung. Märchenhaft schnell verschwinden die äußeren Merkmale einer gewesenen Unfreiheit. Mancher hat in der Zeit der Besatzung in Österreich eine zweite Heimat gefunden und schämt sich der Abschiedstränen nicht und von so manchen fällt auch den Österreichern der Abschied schwer. Sie alle werden im freien Österreich stets als Freunde willkommen sein. Der letzte fremde Soldat hat das Land verlassen. Allenthalben wird gejubelt und gefeiert. Die Freude der Österreicher ist verständlich. Ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Republik beginnt. Vergessen wir aber nie, dass der größte Dichter deutscher Zunge gesagt hat: "Es ist der Weisheit letzter Schluss: Nur der verdient sich Freiheit, der täglich sie erobern muss". Bundeshymne.

Vgl. zum Staatsvertrag im Film, insbesondere für den Schulunterricht, auch: Tanzer, Gerhard, Zur Konstruktion von Wirklichkeit im Spiel- und Dokumentarfilm am Beispiel des Staatsvertrags, in: Forum Politische Bildung (Hg.), Frei - Souverän - Neutral - Europäisch. 1945 1955 1995 2005 (= Informationen zur Politischen Bildung Nr. 22), Studien Verlag, Innsbruck/Wien 2004, S. 90-94.
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