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Heißes Eisen § 144

Austria Wochenschau 8/72, Beitrag: 2

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Heißes Eisen § 144MP4 Video, 13.7 MB
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Quelle: Filmarchiv Austria
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Originaltext:
"Ja, ich bin absolut für die Freigabe der Schwangerschaftsunterbrechung, das reine Vorhandensein des § 144 bedeutet eine absolute Ungleichheit zwischen Mann und Frau und ich finde, dass eine persönliche Entscheidung absolut bei der Frau liegen muss."

Sind Sie für die Freigabe der Schwangerschaftsunterbrechung?" "Nein, weil ich aus katholischen Gründen dagegen bin, weil man nicht das Recht hat, ein Leben zu töten." Der Embryo ist für Sie Leben? "Ja, auf jeden Fall, und es gibt sicher andere Möglichkeiten, wenn man ein Kind nicht will, eben zur Adoption freizugeben oder solche Dinge zu machen."

"Frauen aus sozial höher gestellten Schichten mit mehr finanziellen Mitteln und mit mehr Bildung ist es immer möglich gewesen, dieses Gesetz zu umgehen."

Die Schwangerschaftsunterbrechung gehört zu den heißen Eisen der österreichischen Innenpolitik. Der § 144 des Strafgesetzbuches verbietet die Abtreibung unter fast allen Umständen. Justizminister Dr. Broda will dieses strenge Verbot lockern. Die katholische "Aktion Leben" hat sich gegen jede Reform ausgesprochen. Auf der anderen Seite wird die völlige Freigabe der Abtreibung gefordert. Was sagt der Jurist dazu? Frau Staatsanwalt Dr. Haimberger meint: "Wenn aber zum Beispiel durch einen Verkehrsunfall eine Fehlgeburt verursacht wird, so haftet der Fahrlässigkeitstöter, also der, der den Unfall verursacht hat, nur für die Verletzung der schwangeren Frau. Für die Vernichtung des werdenden Lebens kann er aber ebenso wenig zur Verantwortung gezogen werden, wie zum Beispiel ein Mörder, der eine Schwangere in Kenntnis ihres Zustandes umbringt. Ja, es sieht so aus, als würde das österreichische Strafgesetzbuch da zwei Meinungen vertreten und zwar einerseits erkennt es das werdende Leben,und zwar egal in welchem Zustand der Reife, als einen Teil der Mutter an, andererseits bestraft es die Mutter wegen Abtreibungen. Man könnte also sagen, dass der § 144 so etwas wie ein Gebärgebot ist."

Ist dieses gesetzliche Gebärgebot aber noch sinnvoll? Ist eine Abtreibung wirklich so gefährlich? Dazu Primarius Dr. Rockenschaub: Wie gefährlich ist eigentlich eine Schwangerschaftsunterbrechung? "Wenn eine Schwangerschaftsbeendigung ordentlich und lege artis, wie wir sagen, durchgeführt wird, dann ist sie eigentlich wesentlich weniger gefährlich als das Austragen einer Schwangerschaft. Man kann sagen, dass eine lege artis durchgeführte Schwangerschaftsbeendigung in den ersten zehn Wochen zehn mal weniger gefährlich ist, als das Austragen einer solchen Schwangerschaft."

Und wie steht es mit der illegalen Schwangerschaftsunterbrechung? "Da ist natürlich eine große Dunkelziffer drinnen, aber schätzungsweise dürfte hier auf 1.000 Versuche ein mütterlicher Todesfall kommen. Während zum Beispiel die Statistiken in Ungarn und in der Tschechoslowakei ergeben haben, dass bei kunstgerecht durchgeführten Schwangerschaftsunterbrechungen vielleicht zwei Todesfälle auf 100.000 Unterbrechungen kommen."

Bleibt die Frage offen: Warum zwingt der Staat Frauen dazu, Kinder in die Welt zu setzen?

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