zur normalen Ansicht

Themen > Genderperspektiven > Pionierinnen > Pionierinnen Politik - Gallery 

Pionierinnen in der Politik

In der Gallery Pionierinnen in der Politik werden Frauen portraitiert, die die "gläserne Decke" durchstoßen haben bzw. erstmals ein politisches Amt ausgeübt haben, das bis dato nur von Männern bekleidet worden war.

Jede Frau wird mit einer Kurzbiographie, einem Foto und weiteren Hintergrundinformationen vorgestellt. Zusammen ergeben die einzelnen Portraits, die in einer Gallery gesammelt werden, einen biografischen Einblick in die jüngere Frauengeschichte.

Ellen Johnson Sirleaf


< | zurück zur Übersicht  | >

Bildquelle: CC BY 2.0 Ash Carter via Wikimedia Commons

Politikerin, erstes weibliches gewähltes Staatsoberhaupt Afrikas, Friedensnobelpreisträgerin
geboren am 29. Oktober 1938

Ellen Johnson Sirleaf stammt aus der liberianischen Oberschicht. Sie beendete die Schule 1955 und studierte ab 1961 in den Vereinigten Staaten Rechnungswesen, Wirtschaftswissenschaften und Öffentliche Verwaltung in Harvard.

Nach Beendigung ihres Studiums arbeitete sie als Finanzministerin für die liberianische Regierung – nach deren Sturz ging sie nach Kenia. Ihr Vorhaben Mitte der 1980er Jahre sich in Liberia wieder politisch zu engagieren schlug fehl – ihre Ablehnung des bestehenden Regimes unter Samuel Doe wurde ihr zum Verhängnis und sie ging abermals ins Exil. Während des Bürgerkriegs war sie unter anderem für die Weltbank sowie die Vereinten Nationen tätig und setzte sich im Rahmen mehrerer Publikationen mit der afrikanischen Wirtschaftspolitik auseinander.

Im Rahmen der Präsidentschaftswahlen 1997 kandidierte Ellen Johnson Sirleaf erstmals für das Amt der Präsidentin, musste allerdings eine Niederlage einstecken. 2005 kandidierte sie abermals für die Unity Party und konnte im Rahmen einer Stichwahl die Mehrheit der Stimmen für sich gewinnen. Somit ist sie seit 2006 Präsidentin von Liberia und damit die erste weibliche, demokratisch gewählte Person, die dieses Amt in Afrika erlangte. 2011 wurde sie als Präsidentin wiedergewählt, die Opposition hatte allerdings zum Boykott aufgerufen, weswegen lediglich 37 Prozent der registrierten WählerInnen im zweiten Wahldurchgang zur Urne gingen (im ersten Durchgang waren es immerhin noch 71 Prozent gewesen). Dennoch konnten von den rund 5.000 WahlbeobachterInnen keine Unregelmäßigkeiten während der Wahl festgestellt werden.

Johnson-Sirleaf gilt als Vorkämpferin und Idol für Frauen in Afrika. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, so wurde sie unter anderem für ihren gewaltfreien Kampf für Frauenrechte 2011 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Während Ellen Johnson Sirleaf für ihr Wirken in Liberia nach dem verheerenden, 14 Jahre andauernden Bürgerkrieg weltweit viel Anerkennung fand, mehren sich in den letzten Jahren kritische Stimmen, die ihr Vetternwirtschaft und Korruption vorwerfen. Für Kritik sorgten unter anderem auch ihre Aussagen zur Strafverfolgung Homosexueller in Liberia, die sie im Rahmen eines Interviews mit der britischen Zeitung The Guardian verteidigte.

Quellen:
Ford, Tamasin (2011): Sirleaf victory in Liberia marred by boycott and violence. In: The Guardian. In: www.theguardian.com/world/2011/nov/11/sirleaf-liberia-victory (15.8.2015)
Grill, Bartholomäus (2014): Unter einer dunklen Wolke. Der Spiegel 42/2014. In: www.spiegel.de/spiegel/print/d-129737019.html (15.8.2015)
Nobel peace prize winner defends law criminalising homosexuality in Liberia. The Guardian, 19. März 2012. In: www.theguardian.com/world/2012/mar/19/nobel-peace-prize-law-homosexuality (15.8.2015)
Zweite Amtszeit für Friedenspräsidentin. Die Standard, 16. Jänner 2012. In: diestandard.at/1326502873554/Johnson-Sirleaf-Zweite-Amtszeit-fuer-Friedenspraesidentin (15.8.2015)

Weitere Literaturhinweise:
Engelhardt, Marc (2011): Starke Frauen für den Frieden: die Nobelpreisträgerinnen Ellen Johnson Sirleaf, Leymah Gbowee und Tawakkul Karman. Freiburg/Wien.
Johnson-Sirleaf, Ellen (2009): Mein Leben für Liberia: die erste Präsidentin Afrikas erzählt. Frankfurt am Main.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org