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Pionierinnen der Frauenbewegung

In der Gallery Pionierinnen der Frauenbewegung werden Frauen portraitiert, die sich für die Rechte der Frauen und deren Umsetzung in der Politik engagiert haben.

Jede Frau wird mit einer Kurzbiographie, einem Foto und weiteren Hintergrundinformationen vorgestellt. Zusammen ergeben die einzelnen Portraits, die in einer Gallery gesammelt werden, einen biografischen Einblick in die jüngere Frauengeschichte.

Ayaan Hirsi Ali


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Bildquelle: CC BY-NC-ND 2.0 The Aspen Institute

Frauenrechtlerin, Politikerin, Autorin
geboren am 13. November 1969

Ayaan Hirsi Ali wird 1969 in Somalia geboren. Ihr Vater wird als Gegner der autoritären Regierung in Somalia 1972 in Haft genommen. Ayaan Hirsi Ali wächst bei Mutter und Großmutter auf und wird mit fünf Jahren auf Veranlassung der Großmutter Opfer weiblicher Genitalverstümmelung.

Im Alter von neun Jahren lebt Hirsi Ali für ein Jahr in Saudi Arabien – der Vater war zuvor aus der Haft entflohen. Hirsi Ali wird dort mit einer strikt religiösen Gesellschaft konfrontiert. Die Familie wird aufgrund der politischen Tätigkeiten des Vaters jedoch wieder ausgewiesen und geht zuerst nach Äthiopien, später nach Kenia. Der Vater ist weiterhin politisch aktiv und kümmert sich kaum um die Familie, was dazu führt, dass die Mutter ihren Frust an den Kindern auslässt. Die Mädchen besuchen eine muslimische Mädchenschule und erhalten Koranunterricht. Im Rahmen ihrer Schulausbildung kommt Hirsi Ali mit dem radikalen Islam in Berührung und wird zur Mitläuferin der Muslimbruderschaft. Gleichzeitig beginnt sie die vermittelten Geschlechterrollenverständnisse und Ungleichbehandlungen zwischen Männern und Frauen zu hinterfragen.

Nach Beendigung ihrer Ausbildung erlaubte die Mutter ihr nicht, einer Arbeit nachzugehen, da dies nicht ihrem Rollenverständnis der Frau entspricht. Der Vater arrangiert 1992 eine Ehe für Ayaan Hirsi Ali – sie soll einen unbekannten Cousin aus Kanada heiraten. Auf ihrem Weg nach Kanada bleibt sie in Europa und sucht um Asyl in den Niederlanden an, das ihr gewährt wird. Sie arbeitet anfangs als Hausbesorgerin, später als Dolmetscherin für unterschiedliche Behörden. Im Rahmen dieser Arbeit begegnet sie vermehrt muslimischen Frauen, die mißhandelt oder verstoßen wurden.

Ab 1995 studiert sie Politikwissenschaft und arbeitet danach als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Wiardi-Beckman-Stiftung der sozialdemokratischen Partij van de Arbeid.

1997 erhält Hirsi Ali die niederländische Staatsbürgerschaft. Sie legt ihr Glaubensbekenntnis ab und wird zunehmend bekannt für ihre harsche Kritik am Islam – vor allem in Hinblick auf die Unterdrückung der Frauen. Im Multikulturalismus sieht sie eine Ideologie, die die Unterdrückung der Frauen duldet und fördert. 2003 kandidiert sie für die rechtsliberale Volkspartei für Freiheit und Demokratie und ist anschließend bis 2006 Abgeordnete im niederländischen Parlament.

Aufgrund ihrer kritischen Bemerkungen erhält Hirsi Ali immer wieder Morddrohungen und wird unter Polizeischutz gestellt. Ihre Aussagen sind oftmals provokant und alles andere als unumstritten, so bezeichnete sie beispielsweise 2003 die Einwanderungspolitik der Niederlande als „naiv und feige“ und forderte die zeitweise Einschränkung einiger Grundrechte, um das Problem des radikalen Islam lösen zu können (vgl. Diez 2015). 2004 wird der kontroversielle niederländische Filmregisseur und Satiriker Theo Van Gogh Opfer eines islamistischen Attentats. Van Gogh hatte in Hirsi Alis Kurzfilm „Submission“, der sich der Unterdrückung von Frauen im Islam widmet, Regie geführt. An seiner Leiche war eine Morddrohung für Ayaan Hirsi Ali befestigt. Diese lässt sich jedoch nicht davon einschüchtern.

2006 geht Hirsi Alis Name durch die Medien, als der breiten Öffentlichkeit bekannt wird, dass sie im Rahmen ihres Asylverfahrens falsche Angaben getätigt hat. Es folgt eine politische Affäre rund um ihre Staatsbürgerschaft sowie das Agieren der damaligen Ministerin für Integration und Immigration Rita Verdonk. In der Folge legt Hirsi Ali ihr politisches Mandat nieder.

Sie geht in die USA und wird Fellow des American Enterprise Institute. Im selben Zeitraum veröffentlicht sie ihre Autobiographie Infidel. Hirsi Ali ist verheiratet und Mutter eines Sohns. Seit 2013 besitzt sie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeiten, hat sie die AHA Foundation gegründet, um ehrbezogene Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen.

Quellen:
Der Standard (2006): Schocktherapie und Aufklärung: Ayaan Hirsi Ali. In: http://derstandard.at/2632188/Schocktherapie-und-Aufklaerung-Ayaan-Hirsi-Ali (28.10.2015)
Der Standard (2006): Hintergrund: Drei Frauen im Zentrum der niederländischen Regierungskrise. In: http://derstandard.at/2500081/Hintergrund-Drei-Frauen-im-Zentrum-der-niederlaendischen-Regierungskrise(28.10.2015)
Diez, Georg (2015): Botschaft vom Scheiterhaufen. In: Der Spiegel 13/2015. In: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-132696566.html (28.10.2015)
www.theahafoundation.org (28.10.2015)
https://de.wikipedia.org/wiki/Ayaan_Hirsi_Ali (28.10.2015)

Weitere Literaturhinweise:
Hirsi Ali, Ayaan (2015): Reformiert euch! Warum der Islam sich ändern muss. München.
Hirsi Ali, Ayaan (2010): Ich bin eine Nomadin : mein Kampf für die Freiheit der Frauen. München.
Hirsi Ali, Ayaan (2007): Infidel. München.
Hirsi Ali, Ayaan (2006): Mein Leben, meine Freiheit: die Autobiographie. München.
Traufetter, Gerald (2008): Toleranz ist Feigheit. In: Der Spiegel 2/2008. In: http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-56323070.html (28.10.2015)

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