Title: Geschlechterverhältnisse international
Subtitle:
Author:

Geschlechterverhältnisse im internationalen Vergleich

Blickt man über die Grenzen der Europäischen Union, so wird umso deutlicher, dass Frauen in politischen Führungspositionen auch global unterrepräsentiert sind. Weltweit gesehen lag der durchschnittliche Frauenanteil nationaler Parlamente im September 2015 bei lediglich 22,5 Prozent (vgl. Inter-Parliamentary Union a), was zugleich einer Verdopplung der Anzahl an weiblichen Parlamentsmitgliedern in den letzten 20 Jahren entspricht (vgl. UN Women). Im kontinentalen Vergleich fanden sich die meisten Frauen in amerikanischen (27,4 Prozent) und europäischen (25,8 Prozent) Parlamenten, gefolgt von Sub-Sahara Afrika (23,4 Prozent) sowie den arabischen Staaten und Asien (mit jeweils 19 Prozent). Die geringsten Frauenanteile fanden sich in den pazifischen Parlamenten (13,1 Prozent) (vgl. Inter-Parliamentary Union a). Das Land mit dem höchsten Anteil an weiblichen ParlamentarierInnen ist Ruanda – 63,8 Prozent der Abgeordneten im Unterhaus sind Frauen (vgl. Inter-Parliamentary Union b). Weltweit gibt es 37 Staaten, in deren Parlamenten der Frauenanteil weniger als 10 Prozent beträgt (Einkammer-System oder Unterhaus) – darunter Brasilien (9,9 %), Japan (9,5 %), Mali (8,8 %), Bahrain (7,5 %), Myanmar (6,2 %), die Malediven (5,9 %), der Libanon (3,1 %), Oman (1,2 %), sowie Qatar und Jemen mit jeweils 0 Prozent Frauenanteil.

Mit August 2015 gab es von 152 Staatsoberhäuptern weltweit lediglich 11 weibliche; 13 von 193 Regierungschefs waren weiblich (vgl. UN Women). Die Anzahl der Ministerinnen lag weltweit gesehen im Jänner 2015 bei durchschnittlich 17,7 Prozent; die meisten Ministerinnen werden in Bereichen wie Bildung oder Familie eingesetzt (vgl. Inter-Parliamentary Union c). Während die Anzahl der Ministerinnen im Zeitraum von Jänner 2014 bis Jänner 2015 von 670 auf 715 stieg, hat sich die Anzahl weiblicher Ministerinnen seit 2005 lediglich um 3,5 Prozentpunkte erhöht (vgl. ebd.). Die Länder, die von UN Women und der Inter-Parliamentary Union als jene Länder mit der größten Anzahl an weiblichen Mitgliedern im Ministerkabinett identifiziert werden, sind Finnland, Kap Verde, Schweden, Frankreich und Liechtenstein. Acht Länder haben laut diesen Daten keine weiblichen Regierungsmitglieder: Bosnien-Herzegowina, Brunei, Ungarn, Pakistan, Saudi Arabien, die Slowakei, Tonga und Vanuatu (vgl. ebd.). Kontinental gesehen ergibt sich folgendes Bild: Die amerikanischen Staaten haben die meisten Ministerinnen: im Schnitt 22,4 Prozent, gefolgt von Europa und den afrikanischen Staaten. Auf Platz vier landen die pazifischen Staaten, auf Platz fünf liegt Asien. Die arabischen Staaten schneiden mit 9,5 Prozent weiblichen Regierungsmitgliedern am schlechtesten ab (vgl. ebd.).

Die OECD (2014b: 30ff) benennt unterschiedliche Faktoren, die die Gleichstellung der Geschlechterverhältnisse im politischen Bereich behindern – dazu zählen etwa

  • die ökonomische Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und damit verbunden die Unterrepräsentanz von Frauen in Berufen, die mit hohem Status und Öffentlichkeit verbunden sind;
  • die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die sich für Frauen stärker stellt als für Männer;
  • die mangelnde Ermutigung von Frauen, sich politisch zu engagieren, im Rahmen ihrer Sozialisation;
  • die Rolle, die der Geschlechtergleichstellung innerhalb der jeweiligen Partei zugeschrieben wird und damit verbundene Geschlechterstereotype;
  • vermeintliche Wählerpräferenzen, die von den Parteien identifiziert werden.

 

→ weiter zu: Die gesellschaftliche und politische Stellung von Frauen und Männern im internationalen Vergleich

 


Verwendete Literatur:
Inter-Parliamentary Union (a): Women in national parlaments. In: www.ipu.org/wmn-e/arc/world010915.htm (10.10.2015)
Inter-Parliamentary Union (b): Women in national parliaments – world classification. In: www.ipu.org/wmn-e/classif.htm (10.10.2015)
Inter-Parliamentary Union (c): Sluggish progress on women in politics will hamper development. Press release. In: www.ipu.org/press-e/pressrelease201503101.htm (10.10.2015)
OECD (2014b): Women, Government and Policy Making in OECD Countries: Fostering Diversity for Inclusive Growth. OECD Publishing.
UN Women: Facts and Figures: Leadership and Political Participation. In: www.unwomen.org/en/what-we-do/leadership-and-political-participation/facts-and-figures (10.10.2015)


Go back to the regular design...