zur normalen Ansicht

Themen > Europa > Visuelle Erzählmuster 

Visuelle Erzählmuster zur Geschichte des 20. Jahrhunderts

Dieselbe Geschichte, aber verschiedene Geschichtserzählungen? Ein Blick in Schulbücher ausgewählter europäischer Länder zeigt, dass die Präsentation von Zeitgeschichte seit 1945 unterschiedlich gewichtet ist, nicht zuletzt, da nationale Lehrpläne differente Schwerpunktsetzungen verfolgen. Dennoch werden gemeinsame Muster in diesen Geschichtserzählungen vor allem auf der visuellen Ebene – also in Form von Fotos, Grafiken, Gemälden, kartographischen Darstellungen, Plakaten, Karikaturen – deutlich sichtbar.

Schulbücher eignen sich besonders dafür, diese visuellen Erzählmuster der Zeitgeschichte sichtbar zu machen. In demokratischen Gesellschaften repräsentieren sie gemäß ihrer thematischen Anbindung an den Lehrplan und der – in einigen europäischen Ländern nötigen – offiziellen Genehmigung (Approbation) Ausschnitte aus dem "offiziellen Gedächtnis einer Gesellschaft" (Falk Pingel). Doch welche Bilder werden für die Publikation in Schulbüchern ausgewählt? Vor allem Fotos und Gemälde, die bereits durch die Veröffentlichung in Ausstellungen und Massenmedien der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, werden in Schulbüchern gezeigt. Daher erfolgt die Bildauswahl nicht zufällig, sondern orientiert sich an bereits im kollektiven Gedächtnis verankerten Bilderwelten.

In diesem Bildmodul werden ausgewählte zentrale Erzählmuster (siehe nachfolgend "Struktur des Bildmoduls") vorgestellt und anhand konkreter idealtypischer Bildbeispiele analysiert. Die Beispiele sind Schulbüchern für den Oberstufenunterricht (Sekundarstufe II) aus Österreich, Deutschland, Estland, Frankreich und Polen sowie dem deutsch-französischen Schulbuch "Historie/Geschichte" entnommen. Das Bildmodul basiert auf Forschungsergebnissen des interdisziplinären Projekts "Divided Memories? Darstellungen des 20. Jahrhunderts in europäischen Geschichtsschulbüchern."

Struktur des Bildmoduls

Anzumerken ist, dass die exemplarisch vorgestellten Erzählmuster idealtypisch sind und sich in einem Bild auch mehrere Erzählmuster überkreuzen bzw. überlagern können. Diese Mischungen von narrativen Mustern treten nicht nur im Bild selbst auf, sondern können ebenso anhand der Bildkomposition des Seitenspiegels, durch Bildunterschriften oder aber durch die Interaktion von visuellen Darstellungen erkennbar werden. Beispielsweise kann eine Heldendarstellung nur durch die Ikonographie des Helden verdichtet sein oder aber sie basiert darauf, dass der Gegensatz zu Nicht-Helden herausgestrichen wird. Erzählmuster werden durch visuelle Leerstellen strukturiert, also Themen, die nicht visuell dargestellt werden – sei es aufgrund schwer zugänglicher Visualität, sei es wegen einer bewussten Tabuisierung. Auch diese Leerstellen prägen Narrative.


WEITER im Modul:
→  Erzählmuster "David gegen Goliath"



Karin Liebhart / Petra Mayrhofer
Last update (11/2012)

 

Unterstützt durch Fördergelder des Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank (Projektnummer: 14121)


Für das verwendete Bildmaterial wurden die Nutzungerechte ausschließlich für dieses Projekt erworben. Wir haben uns bemüht, alle Inhaber von Bildrechten ausfindig zu machen. Sollten dennoch Urheberrechte verletzt worden sein, werden wir nach Anmeldung berechtigter Ansprüche diese entgelten.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org