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Abb.8: Schwimmender Soldat am „D-Day“

Schwimmender Soldat am „D-Day“, Omaha Beach (Normandie, Frankreich)  6. Juni 1944
© Robert Capa © 2001 by Cornell Capa / Magnum

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Gemeinsam mit Henri Cartier-Bresson (Abb. 7) gehört Robert Capa (alias Endre Ernö Friedmann) zu den unbestrittenen Meistern des Bildjournalismus im 20. Jahrhundert. Die visuelle Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs [mögliche interne Verlinkung zum Aufsatz] ist untrennbar mit seinem Namen und mit seinen Bildschöpfungen verknüpft, vor allem seine Aufnahme eines tödlich getroffenen spanischen Kämpfers ist trotz aller Manipulationsvorwürfe immer wieder voller Bewunderung zitiert und reproduziert worden. Capa wurde schließlich 1954 in Vietnam durch eine Mine tödlich verwundet: „Sein Tod war die tragische Konsequenz seines Grundsatzes ‚If your pictures aren’t good enough, you aren’t close enough‘.“[1] Zuvor hatte er sich den Ruf des berühmtesten Kriegsfotografen aller Zeiten erworben. Auch den Zweiten Weltkrieg hat er fotografiert. Unsere Aufnahme entstammt einer der bekanntesten historischen Bilderserien überhaupt. Die hier zu sehende Fotografie eines sich im Wasser des Ärmelkanals vorwärts kämpfenden GIs hat fraglos ikonischen Charakter. Im Hintergrund sind die verwischten Konturen von Panzersperren, vielleicht auch gefallene Soldaten und ein Landungsboot zu erkennen.[2] Capas unscharfe Aufnahmen von der Landung alliierter Streitkräfte in der Normandie sind am 6. Juni 1944 entstanden. Der Fotograf hat mit seinen visuellen Mitteln dabei geholfen, den legendären D-Day erinnerungskulturell zu verankern, der aus heutiger Sicht den Anfang vom Ende der deutschen Besatzung in Nordfrankreich markiert und letztlich die deutsche Niederlage im Zweiten Weltkrieg absehbar machte. Die verwackelte Optik von Capas Fotografien scheint wie ein gezielt eingesetztes Stilmittel auf die Gefährlichkeit des Landeunternehmens hinzudeuten, ist vermutlich jedoch einem Filmentwicklungs-Fehler geschuldet, der fast alle Bilder der Serie für immer zerstörte.[3] Diejenigen von Capas D-Day-Fotografien, welche die Prozedur einigermaßen überstanden, schrieben jedoch Bildgeschichte: Ihre Ikonographie wurde später unter anderem in der Eingangssequenz von Steven Spielbergs Film Saving Private Ryan (USA, 1998) aufgegriffen.[4]

Benjamin Drechsel


[1] Mißelbeck, Reinhold. 2001. „Capa, Robert.“ In Photographie des 20. Jahrhunderts, hg. v. Museum Ludwig Köln, S. 38f. Köln: Taschen, S. 38.

[2] Gülland, Philipp. 2007a. „Ein Bild und seine Geschichte: Angriff im Morgengrauen.“ In Stern.de, 13. Februar, www.stern.de/unterhaltung/fotografie/:Ein-Bild-Geschichte-Angriff-Morgengrauen/582088.html (21. April 2009).

[3] Whelan, Richard. 1994. Robert Capa. A Biography. Lincoln: University of Nebraska (Original von 1985), S. 214.

[4] Sontag, Susan. 2003. Das Leiden anderer betrachten. München: Hanser (engl. Original ebenfalls 2003), S. 91.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Schwimmender Soldat am „D-Day“. Bildanalysetext zur Abbildung 8 der Ikone „Zweiter Weltkrieg“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/zweiter-weltkrieg/abb8-schwimmender-soldat-am-d-day.html

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