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Abb. 6: Trümmerfrauen bei der Arbeit

Trümmerfrauen bei der Arbeit, Dresden (Deutschland) 1945/1946
© Sächsische Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) / Deutsche Fotothek / Abraham Pisarek

Die Städte waren im Zweiten Weltkrieg nicht mehr zwangsläufig von den Schlachtfeldern separiert. Bombardements und andere Zerstörungsformen trafen beispielsweise London  (Abb. 4), Warschau und Belgrad, außerhalb Europas insbesondere Hiroshima und Nagasaki. Der vielleicht wichtigste Erinnerungsort des Luftkriegs in Deutschland ist Dresden (Abb.5). Dort wurde auch die hier gezeigte Fotografie aufgenommen, die Trümmerfrauen bei Aufräumungsarbeiten zeigt. Diese „Hoffnungsikonografie“ [1] schließt an die Bilder der Zerstörung (Abb. 3, Abb. 4, Abb. 5) an, verbindet sie aber mit einer Aufbruchsstimmung. Immer wieder werden Frauen gezeigt, die den Wiederaufbau mit bloßen Händen in Gang bringen. Dabei ist kein spezifisches Motiv zum Schüsselbild geworden; vielmehr ist die Trümmerfrau eher in einem allgemeineren Sinne als mythische Figur zu begreifen – obwohl durchaus auch Männer an der Aufräumarbeit beteiligt waren. Doch auf verschiedensten Fotografien der unmittelbaren Nachkriegszeit werden weibliche Personen inmitten von Ruinen, Schutt und Ziegelsteinen inszeniert. Häufig lächeln sie, um ihre positive Stimmung zu demonstrieren. Auf unserer Fotografie hingegen, die nach Angaben der Deutschen Fotothek wie die meisten der einschlägigen Motive etwa 1945/1946 entstanden ist, spielen die Gesichter der Frauen eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist ihre Arbeitsleistung: Alle Protagonistinnen sind augenscheinlich intensiv mit ihrer mühsamen Tätigkeit befasst. Eine von ihnen trägt einen schweren Stein, eine andere arbeitet mit einer Schaufel, weitere Frauen sind über die sprichwörtlichen Trümmer gebeugt. Im Vordergrund scheinen sie schon eine größere Fläche freigeräumt zu haben, die intakten Schienen rechts neben ihnen verweisen darauf, dass das städtische Leben bereits wieder in Gang gekommen ist. Die Aufnahme stammt von Abraham Pisarek, der dann in den 1950ern insbesondere das Berliner Theaterleben dokumentiert hat. Dort, in Berlin, hatte es auch die meisten weiblichen Hilfskräfte im Baugewerbe gegeben. Die symbolische Grundaussage der Trümmerfrauenikonographie ist denkbar einfach: „Trotz aller Trümmer herrschte Hoffnung.“[2] Dass die abgebildeten Helferinnen teilweise zwangsrekrutiert wurden oder lediglich auf der Suche nach Holz für den heimischen Ofen waren, wird dabei meist ausgeblendet.

Benjamin Drechsel


[1] Krauss, Marita. 2009. „Trümmerfrauen. Visuelles Konstrukt und Realität.“ In Das Jahrhundert der Bilder. Band I: 1900 bis 1949, hg. v. Gerhard Paul, S. 738–745. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 740.

[2] Welser, Maria von. 2005. „Trümmerfrauen.“ In Die Bilder der Deutschen. Was uns verbindet, was uns bewegt. hg. v. Johannes Thiele, S. 120f. München: Sandmann, S. 121.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Trümmerfrauen bei der Arbeit. Bildanalysetext zur Abbildung 6 der Ikone „Zweiter Weltkrieg“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/zweiter-weltkrieg/abb6-truemmerfrauen-bei-der-arbeit.html

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