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Abb. 3: Ruinen des bombardierten Murmansk

Ruinen des bombardierten Murmansk (Sibirien), 1942
©  Corbis / Yevgeny Khaldei

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Evgenij Chaldej ist heute insbesondere für seine Fotografie der sowjetischen Flaggenhissung auf dem Berliner Reichstag im Jahr 1945 bekannt (Abb. 11). Er gilt aber nicht nur wegen dieser (manipulierten) Ikone, sondern auch aufgrund seines Gesamtwerks als Meisterfotograf. Chaldej wurde 1917 in der Ukraine geboren und war bereits knapp zwei Jahrzehnte später Fotoreporter der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS. Den zweiten Weltkrieg dokumentierte er fotografisch seit 1941 in verschiedenen europäischen Ländern; so erlebte er den Vormarsch der Roten Armee in Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien und Ungarn sowie schließlich die Einnahme Wiens. Chaldej arbeitete in der Nachkriegszeit mit Unterbrechungen bis in die 1970er-Jahre für die TASS und für die Zeitung Prawda. Er starb 1997. Zu seinem seit Ende des Ost-West-Konflikts zunehmend auch im Westen anerkannten Werk gehören auch einige Bilder, die er in der zerstörten russischen Hafenstadt Murmansk aufgenommen hat: Brandbomben hatten die dortigen Holzhäuser nahezu vollständig zerstört, nun ragte nur noch ein „gespenstische[r] Wald verkohlter Strünke“ in die Luft.[1] Chaldej stilisierte die gemauerten Schornsteine zum abstrakten Symbol für die Schrecken des Kriegs, der nicht mehr zwischen Stadt und Schlachtfeld unterschied.[2] Allerdings dürfte die Ruinen-Ikonographie auf der hier gezeigten Abbildung für viele BetrachterInnen ohne nähere Erläuterungen kaum zu verstehen sein – ein Beispiel dafür, dass Bilder nicht für sich selbst sprechen, wie oft angenommen wird, sondern nur über ihre Kontexte verständlich werden.

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. etwa Mönch, Regina. 2008. „Auf der persönlichen Landkarte des Krieges.“ In Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13. Mai, http://www.faz.net/print/Feuilleton/Auf-der-persoenlichen-Landkarte-des-Krieges (31. März 2009).

[2] Paul, Gerhard. 2004. Bilder des Krieges – Krieg der Bilder. Die Visualisierung des modernen Krieges. Paderborn: Schöningh, S. 305 zeigt ein anderes Bild der Serie, auf dem zwei menschliche Figuren zu sehen sind. Diese Fotografie wurde später aus dramaturgischen Gründen manipuliert.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Ruinen des bombardierten Murmansk. Bildanalysetext zur Abbildung 3 der Ikone „Zweiter Weltkrieg“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/zweiter-weltkrieg/abb3-ruinen-des-bombardierten-murmansk.html

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