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Abb. 2: Plakat „WOMEN OF BRITAIN COME INTO THE FACTORIES”

Plakat „WOMEN OF BRITAIN COME INTO THE FACTORIES”, vermutl. 1941
© Imperial War Museum

Filme und Fotografien galten zur Zeit des Zweiten Weltkriegs als besonders moderne Bildmedien. Doch das Spektrum der propagandistischen Medien war sehr breit und beinhaltete beispielsweise auch andere Formate wie etwa Karikaturen oder Poster: Hier ist beispielhaft ein Plakat des britischen Karikaturisten Philip Zec mit dem Slogan „WOMEN OF BRITAIN COME INTO THE FACTORIES“ zu sehen. Die britischen Frauen sollen also ihren Dienst in der industriellen Produktion tun, um so den Kampf gegen Deutschland zu unterstützen. Im Vordergrund steht eine heroische Gestalt symbolisch für die angesprochenen Britinnen. Pathetisch hebt sie die Arme in den Himmel, über den sich eine Kette von Flugzeug-Silhouetten zieht, die wiederum aus einer Industrie-Architektur im Hintergrund emporsteigen. Auch Panzer sind zu sehen. Das Plakat unterscheidet sich nicht nur medial, sondern auch ikonographisch von der Mehrzahl der Weltkriegsfotografien, die nämlich üblicherweise von männlichen Figuren beherrscht werden. Die „Pathosformel“[1], mit der die Protagonistin das militärische Potenzial hinter und über ihr machtvoll in Richtung Osten zu senden scheint, ist allerdings auch in anderen Zusammenhängen eine beliebtes Bildmotiv und wird in sehr unterschiedlichen Nuancen immer wieder verwendet. Schon sehr lange ist in der Kunstgeschichte die Adorantenhaltung etabliert, bei der die erhobenen Arme in enger Verbindung zur Anbetung göttlicher Macht stehen. PolitikerInnen lassen sich in Wahlkämpfen bisweilen in Posen ablichten, bei denen sie mit zum Himmel gereckten Händen einen überirdischen Segen zu beschwören scheinen. Auf der vielleicht berühmtesten Fotografie des Vietnamkrieges hingegen hat ein schreiendes Mädchen die ausgebreiteten Arme nach unten abgewinkelt und ist damit zur Ikone der Kriegsgräuel geworden.[2] Im hier gezeigten Bild geht es allerdings nicht um die Beschwörung eines kriegerischen Schreckensbildes, sondern eher um die visuelle Anspannung aller irdischen und überirdischen Kräfte, die sich in der religiös konnotierten Geste der ausgebreiteten Arme ausdrückt.

Benjamin Drechsel


[1] Die Verwendung dieses schillernden Begriffs in Bezug auf körpersprachliche Symbole schlagen Kämpfer, Frank/Wenger-Deilmann, Astrid. 2006. „Handschlag – Zeigegestus – Kniefall. Körpersprache und Pathosformel in der visuellen politischen Kommunikation.“ In Visual History. Ein Studienbuch, hg. v. Gerhard Paul, S. 188–205. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 203 vor.

[2] Hellmold, Martin. 1999. „Warum gerade diese Bilder? Überlegungen zu Ästhetik und Funktion der historischen Referenzbilder moderner Kriege.“ In Kriegserlebnis und Legendenbildung. Das Bild des „modernen“ Krieges in Literatur, Theater, Photographie und Film. Band 1: Vor dem Ersten Weltkrieg, hg. v. Thomas F. Schneider, S. 34–50. Osnabrück: Rasch.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Plakat „WOMEN OF BRITAIN COME INTO THE FACTORIES”. Bildanalysetext zur Abbildung 2 der Ikone „Zweiter Weltkrieg“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/zweiter-weltkrieg/abb2-women-of-britain-come-into-the-factories.html

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