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Abb. 10: Churchill mit Victory-Zeichen

Churchill mit Victory-Zeichen, Ottawa (Kanada) 30. Dezember 1941
© Corbis / Kollektion Bettmann

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Der britische Premierminister Winston Churchill stilisierte im Laufe des Zweiten Weltkriegs eine simple Geste zum international verständlichen Symbol seiner Siegesgewissheit: Das Victory-Zeichen. Zu verschiedenen Gelegenheiten ließ Churchill sich mit dem erhobenen Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand abbilden: Unsere exemplarisch Abbildung zeigt ihn gegen Ende des Jahres 1941 in Kanada. Die glühende Zigarre, die der Premierminister hier im Mund hat, gehörte ebenso zu seinen Markenzeichen wie das mit den Fingern seiner rechten Hand angedeutete „V“. Letzteres stand für victory (dt. Sieg). Seine mythischen Ursprünge reichen bis zu einem anderen Konflikt zurück: Im Hundertjährigen Krieg (1337–1453) soll den englischen Bogenschützen vor der Schlacht von Agincourt mit der Amputation ihrer Zeige- und Mittelfinger gedroht worden sein, falls sie in französische Gefangenschaft gerieten. Die siegreichen Schützen drückten ihren Spott dann später angeblich durch das V-Zeichen aus. Dieses ähnelt christlichen Segensgesten, unterscheidet sich davon allerdings im Detail bezüglich der Fingerstellung. Churchill knüpfte mit seiner Geste an die BBC an, die das Morsezeichen für „V“ seit 1941 als musikalisches Siegeszeichen in Rundfunksendungen verwendet hatte und dabei wiederum eine Idee des belgischen Anwalts Victor de Lavelaye aufgriff, der so den Widerstand in den Gebieten mit deutscher Besatzung stärken wollte.[1] Der britische Premier ergänzte diese Kampagne durch das Zeichen der gespreizten Finger. Bis heute nutzen PolitikerInnen diese Geste in unterschiedlichen Kontexten (beispielsweise in Wahlkämpfen), um ihre Siegeszuversicht zu bekunden.[2]

Benjamin Drechsel


[1] Brinkemper, Peter V. 1997. Spiegel & Echo. Intermedialität und Musikphilosophie im „Doktor Faustus“. Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 351; Hirsch, Ingeborg. 2003. „Sprechende Hände.“ In Wiener Zeitung/Extra Lexikon, 7. März, www.wienerzeitung.at/app_support/print.aspx (2. April 2009).

[2] Zips, Martin. 2008. „Der V-Effekt.“ In Süddeutsche Zeitung, 28. Januar, www.sueddeutsche.de/panorama/484/431235/text/ (2. April 2009).


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Churchill mit Victory-Zeichen. Bildanalysetext zur Abbildung 10 der Ikone „Zweiter Weltkrieg“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/zweiter-weltkrieg/abb10-churchill-mit-victory-zeichen.html

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