zur normalen Ansicht

Themen > Europa > Europäisches Bildgedächtnis > Stacheldraht > Abb.5: Drei Männer an der Mauer  

Abb. 5: Drei Männer an der Mauer

Drei Männer an der Mauer, Berlin 1962
© Magnum Photos/Henri Cartier-Bresson

Aus kostenrechtlichen Gründen können wir dieses Bild nicht mehr online anbieten.

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 wurden die Sektorengrenzen rings um West-Berlin abgedichtet. Erich Honecker, damals Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates, setzte dabei unter anderem Tausende Volkspolizisten und paramilitärische Betriebskampfgruppen ein.[1] Honeckers Einheiten errichteten zunächst Sperren aus Stacheldraht. Ab dem 15. und insbesondere ab dem 22. August entstanden steinerne Wälle. Diese erste Generation der Berliner Mauer wurde aus Hohlblocksteinen errichtet.[2] Auf ihrem oberen Abschluss waren eiserne Ständer mit darin gespanntem Stacheldraht verankert: Auch auf unserer Abbildung ist diese frühe Form der Mauerbekrönung zu erkennen. Der Franzose Henri Cartier-Bresson, der für die fotografische Erfassung außergewöhnlicher Augenblicke berühmt geworden ist, hat das Bild 1962 aufgenommen.[3] Es zeigt drei Männer als Rückenfiguren, die solchermaßen auf einem Sicherungskasten stehen, dass er an den Sockel eines Denkmals erinnert. Die Anzugträger nutzen ihn, um über die Mauer in der berühmten Bernauer Straße blicken zu können. Insbesondere ab Mitte der 1960er-Jahre wurde das sogenannte „Vordere Sperrelement“, d.h. die Mauer, die den Ost-Berliner Grenzstreifen nach Westen hin abschloss, visuell entschärft.[4] Die Folgegenerationen der Mauer sahen also weniger gefährlich aus, waren jedoch umso effizienter beim Abbremsen des Flüchtlingsstroms aus der DDR. Entscheidend für diese Wirkung war jedoch nicht alleine das „Vordere Sperrelement“, sondern die Schichtung des Grenzstreifens in unterschiedliche Hindernisse von Bodensperren bis hin zu Zäunen sowie dessen Überwachung mithilfe von Beobachtungstürmen und Hunden. Trotzdem hat insbesondere diese abschließende Mauer die Ikonografie des SED-Grenzregimes in Berlin und weit darüber hinaus geprägt: Weil sie im Westen sichtbar war, konnte sie (vermittelt über Fotografien, Filme und andere Medien) zum Symbol für den diktatorischen Charakter der DDR stilisiert werden.

Benjamin Drechsel


[1] Zur Honecker-Ikonografie in der DDR vgl. Wolle, Stefan. 2004. „Führer der Arbeiterklasse. Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht und Erich Honecker.“ In Bilder und Macht im 20. Jahrhundert, hg. v. Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, S. 74–83. Bielefeld: Kerber.

[2] Zu den verschiedenen Mauergenerationen vgl. z.B. Feversham, Polly/Schmidt, Leo. 1999. Die Berliner Mauer heute. Denkmalwert und Umgang (= The Berlin Wall Today. Cultural Significance and Conservation Issues). Berlin: Bauwesen.

[3] Vgl. Cartier-Bresson, Henri. (1952) 1999. „Der entscheidende Augenblick.“ In Theorie der Fotografie III. 1945–1980, hg. v. Wolfgang Kemp, S. 78–82. München: Schirmer/Mosel.

[4] Darauf verweist bereits Galante, Pierre. 1967. Ein Franzose an der Mauer. Stuttgart: Seewald (frz. Original), S. 225.


 

Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Drei Männer an der Mauer. Bildanalysetext zur Abbildung 5 der Ikone „Stacheldraht“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/stacheldraht/abb5-drei-maenner-an-der-mauer.html

Copyright (c): Demokratiezentrum Wien / Ludwig-Boltzmann-Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit Wien, 2009. Der Text ist lizenziert unter der Creative Common-Lizenz by-nc-nd/3.0/Austria. Für das verwendete Bildmaterial wurden die Nutzungerechte ausschließlich für dieses Projekt erworben. Wir haben uns bemüht, alle Inhaber von Bildrechten ausfindig zu machen. Sollten dennoch Urheberrechte verletzt worden sein, werden wir nach Anmeldung berechtigter Ansprüche diese entgelten.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org