Abb. 1: Filmplakat „Man Without a Star“

Filmplakat „Man Without a Star“, 1955
© Österreichisches Filmarchiv

Die Ursprünge des Stacheldrahts liegen außerhalb Europas: 1874 ließ ein US-amerikanischer Farmer seine Erfindung patentieren, die aus der Verbindung von Eisendrähten mit Metallstacheln bestand. Gegenüber vorherigen Entwicklungen hatte dieser Draht den Vorteil, dass die Stacheln nicht verrutschten oder sich lösten. Traditionelle Formen der Grenzsicherung wie Mauern, Wälle oder Holzzäune waren deutlich material- und kostenintensiver, zudem weniger hitzebeständig und auch schwieriger zu reparieren. „Barbed wire“ wurde nun in Serie produziert und avancierte damit sehr schnell zu einem zentralen Baustein der US-amerikanischen Grenzverschiebung Richtung Westen. Obwohl er zunächst als landwirtschaftliches Instrument eingesetzt wurde, um Viehherden einzuzäunen, entfaltete der Stacheldraht also sehr schnell auch eine politische Dimension. Er diente den SiedlerInnen nämlich zur allmählichen Ausdehnung ihres Einflussgebietes in Richtung Westküste. Dabei zerstörte er allerdings die Illusion einer endlosen Weite, die mit dem Mythos des „Wild West“ untrennbar verbunden war. Zum Thema machte dieses Dilemma später beispielsweise der Western „Man Without a Star“ aus dem Jahr 1955: Kirk Douglas spielte darin einen Cowboy, der die Stacheldrahtzäune hasst.[1] Auf dem hier gezeigten Filmplakat dient der Stacheldraht zur Separierung unterschiedlicher Handlungsebenen und wird so einmal mehr als effektives Grenzziehungselement kenntlich. Auch die latente Gewalt des Drahts ist angedeutet: Denn er isoliert die zentrale Figur des Cowboys und scheint geradezu durch dessen Körper hindurchzuführen. Obwohl er in den USA produziert wurde, ist der Film auf vielfältige Weise mit dem europäischen Bildgedächtnis verbunden: Wie so viele US-amerikanische Produktionen fand er den Weg nach Europa und wurde auch dort in den Kinos sowie über Jahrzehnte hinweg immer wieder im Fernsehen gezeigt. Die französische Version des Westerns etwa trägt, synonym zur Originalversion, den Titel „L’Homme qui n’a pas d’étoile“, die deutsche wurde „Mit stahlharter Faust“ betitelt.

Benjamin Drechsel


[1] Auf diese Ikonographie verweist Razac, Olivier. 2003. Politische Geschichte des Stacheldrahts. Prärie, Schützengraben, Lager. Berlin: diaphanes, S. 24–25.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, „Man Without a Star“. Bildanalysetext zur Abbildung 1 der Ikone „Stacheldraht“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/stacheldraht/abb1-filmplakat-man-without-a-star.html

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