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Filmsequenz A: Unterzeichnung des Vertrags von Rom

Unterzeichnung des Vertrags von Rom
Produktion: Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, 25.03.1957
Quelle: Archivmaterial ORF
Sequenz: 10:04:24:00-10:06:00:00

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Am 25. März 1957 unterzeichneten Belgien, Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Italien, Luxemburg und die Niederlande – die Mitgliedsstaaten der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) – in Rom die sogenannten „Römer Verträge“ zur Schaffung einer „Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft“ (EWG). Die „Römer Verträge“ etablierten einen gemeinsamen Markt zwischen den Mitgliedstaaten und zielten auf den Abbau der Zölle, die Förderung des Handels von Waren und Dienstleistungen und eine gemeinsame Agrarpolitik. Von der wirtschaftlichen Verflechtung erwartete man eine Stärkung der europäischen Wirtschaft für den weltweiten Wettbewerb.[1]

Der Österreichische Rundfunk (die erste Fernsehsendung wurde am 1. August 1955 ausgestrahlt) sendete am 25. März 1957 einen Nachrichtenbericht (Urheber: Europäische Wirtschaftsgemeinsachft, CEE) über die Vertragsunterzeichnung. Die Eröffnungsszene zeigt eine feierliche Totalansicht des Konferenzsaals. Ein Kameraschwenk zeigt die Repräsentanten der sechs Mitgliedsstaaten, die am Konferenztisch sitzen. Der Schwenk endet mit einer Einstellung, die den bundesdeutschen Kanzler Konrad Adenauer zeigt. Die folgenden Kameraeinstellungen zeigen Porträts der Staatsrepräsentanten beim Unterzeichnen des Vertragswerks. Die nahen Einstellungen ermöglichen einen neuartigen – medienspezifischen – Blick auf den europäischen Vereinigungsakt. So fahndet die Fernsehkamera mit ihren Zoomobjektiven nach Spuren individueller Äußerung und versucht, die Repräsentationsgeschichte der europäischen Einigung als Individualgeschichte persönlich erlebbar zu machen. Damit sollen die „Römer Verträge“ ein „menschliches Gesicht“ erhalten. Zu sehen sind Nahaufnahmen handschriftlicher Signaturen, eine lange Kameraeinstellung, welche die Suche eines Staatsmannes nach seinem persönlichen Schreibgerät zeigt – oder der flüchtige Augenblick eines spontanen Lächelns bei der Kamerafahrt. Die nahen Einstellungsgrößen versuchen, den Eindruck von Authentizität und Evidenz des Gezeigten zu evozieren. Am Ende des Beitrags versucht die Kamera wiederholt die politische Präsenz von Adenauer einzufangen und zeigt im Close-up die Hand und das Gesicht des Kanzlers beim Signieren des Vertrages. Im Vergleich mit den anderen politischen Repräsentanten erhält Adenauer die größte mediale Aufmerksamkeit. Mit diesem medialen Coup stilisiert ihn der Nachrichtenbeitrag insgeheim zur europäischen Führungspersönlichkeit.

Ramón Reichert


[1] Vgl. Fischer, Klemens H. 2005. Die Entwicklung des europäischen Vertragsrechts: von den Römischen Verträgen bis zur EU-Verfassung. Baden-Baden: Nomos-Verlag.

 

 

 

 

 


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, Unterzeichnung des Vertrags von Rom. Filmanalyse der Filmsequenz A der Ikone „Römische Verträge. Die Europäische Integration als Geschichtserzählung“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/roemische-vertraege/filmsequenz-a-unterzeichnung-des-vertrags-von-rom.html

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