zur normalen Ansicht

Themen > Europa > Europäisches Bildgedächtnis > Römische Verträge > Abb.11: Erweiterung des Schengen-Raumes 

Abb. 11: Erweiterung des Schengen-Raumes

Erweiterung des Schengen-Raumes, österreichisch-ungarische Grenze bei St. Margarethen 20.12. 2007
© Hopi Media / picturedesk.com / Bernhard J. Holzner

Aus kostenrechtlichen Gründen können wir dieses Bild nicht mehr online anbieten.

Das Motiv des sich öffnenden beziehungsweise offenen Grenzbalkens fungiert als Symbol für den Wegfall der (Binnen-)Grenzen im EU-europäischen Raum. Es findet in zahlreichen Publikationen der Union Verwendung, zumeist ohne Verweis auf einen konkret identifizierbaren Ort.[1] Anlässlich der Erweiterung des Schengen-Raumes am 20. Dezember 2007 wurde von EU-PolitikerInnen sowie nationalen PolitikerInnen das Aufheben, Zertrümmern oder Zersägen des Grenzbalkens als Symbol für den Wegfall der Binnengrenzen für die Kameras inszeniert.

Interessant ist an diesem Bildmotiv die Parallele mit einer zentralen visuellen Inszenierung zum Ende des Ost-West-Konflikts, nämlich dem Durchschneiden des Eisernen Vorhangs durch PolitikerInnen benachbarter Staaten und Regionen: Zwischen dem damaligen österreichischen Außenminister Alois Mock und seinem ungarischen Amtskollegen Gulya Horn fand am 27. Juni 1989 dieses medial inszenierte Ereignis erstmals an der österreichisch-ungarischen Grenze unter großer medialer Beteiligung statt und wurde als Medienereignis zwischen deutschen, tschechoslowakischen und österreichischen PolitikerInnen wiederholt. Die Ikonographie dieses Motivs steht für die Öffnung der Grenzen und das Ende des Eisernen Vorhangs. Zur Schengen-Erweiterung im Jahre 2007 wurde an der österreichisch-ungarischen Grenze bei St. Margareten diese Grenzöffnung von 1989 reinszeniert, indem wiederum Alois Mock, der österreichische Protagonist von 1989, kameragerecht den Grenzbalken durchsägte.

Die symbolische Bedeutung dieser Erweiterung des Schengen-Raumes für die Schaffung eines EU-europäischen Bewusstseins ist in diesem Kontext augenfällig, KommentatorInnen werteten diese Ausweitung der EU-Außengrenze nicht zuletzt auch als Zeichen dafür, den BürgerInnen der ostmitteleuropäischen neuen EU-Staaten das Gefühl zu nehmen, aufgrund der bis dahin fehlenden Personenfreiheit EU-BürgerInnen 2. Klasse zu sein.[2]

Petra Mayrhofer


[1] Dorfstätter, Petra. 2006. „Europäische Europabilder.“ In Iconclash. Kollektive Bilder und Democratic Governance in Europa. Endbericht, hg. v. Projektgruppe AG Iconclash, S. 71–107. Wien, hier S. 71; Zugriff unter http://www.demokratiezentrum.org/fileadmin/media/pdf/iconclash_bericht.pdf (2.9.2009)

[2] Dülffer, Meike. o.J. Die Festung Europa, http://www.eurotopics.net (16.10.2008)

 

 

 

 

 


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, Erweiterung des Schengen-Raumes. Bildanalyse zur Abbildung 11 der Ikone „Römische Verträge. Die Europäische Integration als Geschichtserzählung“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/roemische-vertraege/abb11-erweiterung-des-schengen-raumes.html

Copyright (c): Demokratiezentrum Wien / Ludwig-Boltzmann-Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit Wien, 2009. Der Text ist lizenziert unter der Creative Common-Lizenz by-nc-nd/3.0/Austria. Für das verwendete Bildmaterial wurden die Nutzungerechte ausschließlich für dieses Projekt erworben. Wir haben uns bemüht, alle Inhaber von Bildrechten ausfindig zu machen. Sollten dennoch Urheberrechte verletzt worden sein, werden wir nach Anmeldung berechtigter Ansprüche diese entgelten.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org