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Abb. 9: Denkmalsturz Stalins

Denkmalsturz Stalins, Budapest 24.10.1956
© AP / Arpad Hazafi

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Denkmäler weisen mit ihrer „Aura des Sakralen“ die Funktion auf, als steinerne Zeugen für alle sichtbar an einem zumeist zentralen Platz eine bestimmte Zeit zu konservieren und Machtverhältnisse zu widerspiegeln.[1] Die Intention eines Denkmalsturzes ist es daher, der eigenen Nation wie dem Ausland zu zeigen, welche politische Richtung fortan verfolgt wird, und die geänderte Einstellung zur der bis dahin gültigen Herrschaftsform zu verdeutlichen.[2]

Das Bildmotiv der gestürzten überlebensgroßen Stalin-Statue am 24. Oktober 1956 in Budapest fungiert daher als Geste der Erniedrigung und visualisiert einen Gewaltakt, quasi eine Hinrichtung an einem symbolischen Körper, der in der spezifischen Situation des revolutionären Umsturzes als legitimer Befreiungsakt gewertet wird.[3] Auf diesem Foto wurde die gestürzte Statue von ihrem ursprünglichen Standort über dem Felvonulásiplatz – nur die Stiefel verblieben am Sockel – bereits vor das Nationaltheater geschleift und mit Graffiti wie beispielsweise „Hau nur fest drauf, er ist nicht dein Vater“[4] versehen.

Der Sturz dieses zentralen Symbols für den Stalinismus in Ungarn kann als eines der aufsehenerregenden Beispiele eines Bildersturms (Ikonoklasmus) durch die Bevölkerung im 20. Jahrhundert angesehen werden.[5] Anlässlich des 50. Jahrestages des Aufstands von 1956 wurde 2006 an der Stelle des gestürzten Stalin-Denkmals, die als ungarischer lieu de mémoire angesehen werden kann[6], das Nationale Denkmal für die Ungarische Revolution eröffnet.

Petra Mayrhofer


[1] Zur Rolle des Denkmalsturzes in den ehemals staatssozialistischen Ländern, vor allem nach 1989, siehe Binder, Eva. 2008. „Gestürzt. Zur Ikonografie des Denkmalsturzes in Osteuropa.“ In Das Jahrhundert der Bilder. 1949 bis heute, hg. v. Gerhard Paul, S. 614–622.  Göttingen: Vandenboeck&Ruprecht, im Besonderen S. 616–619. Eine ausführliche Analyse findet sich in James, Beverly A. 2005. Imagining Postcommunism. Visual Narratives of Hungary’s 1956 Revolution. Texas A&M University Press.

[2] Diers, Michael. 1997. Schlagbilder. Zur politischen Ikonografie der Gegenwart. Frankfurt am Main: Fischer, S. 106f.

[3] Binder, Eva. 2008. „Gestürzt. Zur Ikonografie des Denkmalsturzes in Osteuropa.“ In Das Jahrhundert der Bilder. 1949 bis heute, hg. v. Gerhard Paul, S. 614–622.  Göttingen: Vandenboeck&Ruprecht, hier S. 617.

[4] Lessing, Erich. 2006. Budapest 1956. Die Ungarische Revolution. Wien: Brandstätter, S. 139.

[5] Fowkes, Reuben. o.J. Public Sculputure and Hungarian Revolution of 1956. Zugriff auf www.ungarn1956.de/site/40208667/default.aspx (26.04.2009)

[6] Fowkes, Reuben. o.J. Public Sculputure and Hungarian Revolution of 1956. Zugriff auf www.ungarn1956.de/site/40208667/default.aspx (26.04.2009)


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, Denkmalsturz Stalins. Bildanalysetext zur Abbildung 9 der Ikone „Protestbewegungen im Osten“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/protestbewegungen-im-osten/abb9-denkmalsturz-stalins.html

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